Praxis

Kirche sein mit aktiver Beteiligung

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Utensilien Krankenkommunion thumbKommunion für demente Menschen?

Wer Kranken Menschen die Kommunion bringt, erfährt oft: Für Menschen, die als Gläubige gelebt haben und nun in der Krankheit ihre Grenzen schmerzlich spüren, ist die Kommunion ein grosser Trost und eine Quelle von Kraft. Unsicher werden Seelsorgende und Kommunionhelferinnen und Kommunionhelfer in ihrem Dienst manchmal, wenn sie zu Menschen kommen, die an Demenz leiden.

Leicht steht da auf einmal der Satz im Raum: „Warum soll er noch die Kommunion empfangen, er bekommt es sowieso nicht mit." Es kommt auch vor, dass in diesem Zusammenhang demente Menschen mit Kindern verglichen werden, die noch nicht zum Gebrauch der Vernunft gekommen sind und die darum nicht zur Eucharistie zugelassen werden. Gegen eine solche – kirchenrechtliche – Begründung ist zu sagen: Die in can. 913 CIC genannten Bedingungen für den Kommunionempfang von Kindern – hinreichende Kenntnis, sorgfältige Vorbereitung, in Todesgefahr die Fähigkeit der Unterscheidung der Kommunion von gewöhnlicher Speise – sind vom Grundsatz her hier nicht anzuwenden, da bei dementen Menschen diese Bedingungen früher erfüllt waren und in der Regel niemand genau sagen kann, wie viel davon im Augenblick vorhanden ist.
Vielmehr ist im Grundsatz ist von can. 912 CIC auszugehen: „Jeder Getaufte, der rechtlich nicht daran gehindert ist, kann und muss zur heiligen Kommunion zugelassen werden."
Es ist im Vorfeld so gut wie möglich zu klären, ob der betreffenden Mensch, wenn er voll über seine geistigen Kräfte verfügen könnte, jetzt die Kommunion empfangen möchte. Die Achtung vor ihm gebietet, darauf Rücksicht zu nehmen. Wer früher regelmässig die Kommunion empfangen hat, dem kann sie jetzt grundsätzlich nicht verwehrt werden; wer früher zur Kirche und ihren Sakramenten distanziert gelebt hat, dem darf nicht aufgedrängt werden, was er früher nicht in Anspruch genommen oder ausdrücklich abgelehnt hat.
Wenn demente Menschen an einer Eucharistiefeier oder einer Wort-Gottes-Feier mit Kommunionspendung teilnehmen, ist in der Regel anzunehmen, dass sie an dieser Feier in ihrer Vollform Anteil haben, also auch die Kommunion empfangen möchten.
Auszugehen ist davon, dass demente Menschen über das Gehör Dinge, die ihnen einmal vertraut waren, wiedererkennen. So kann man beobachten, dass sie bei Liedern, die sie einmal als Kinder gelernt hatten, mitzusingen versuchen. Ebenso darf man annehmen, dass Gebete, die sie einmal auswendig konnten, in ihnen die entsprechende Disposition auslösen können.
So ist beim Überbringen der Kommunion an Bettlägerige wichtig, ein Mindestmass von jenen Elementen, die als Vorbereitung auf die Kommunion vertraut sind, so zu vollziehen, dass sie diese hören können. Das kann z. B. so geschehen: „Ich bringe Ihnen jetzt die heilige Kommunion. (Bevor wir die Kommunion empfangen, bitten wir Gott um Vergebung: Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen ... Der allmächtige Gott erbarme sich unser ...) Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt: Herr, ich bin nicht würdig ... Der Leib Christi." Sehr zu empfehlen ist es, ein passendes Lied zur Vorbereitung und zum Dank zu singen oder bekannte Gebete vorzusprechen.
Zu bedenken ist in der Frage auch: Die Kommunion ist Nahrung auf dem Weg, ist Weg-Zehrung nicht nur angesichts des unmittelbar bevorstehenden Todes. Der Nahrung bedarf der Mensch, um zu überleben. Wer ein Leben lang geistlich vom Brot des Lebens gelebt hat, dem darf dieses Brot nur dann vorenthalten werden, wenn die Spendung aus einem erkennbaren Grund ein Missbrauch wäre.

Eduard Nagel (11.12.2013)

Liturgisches Institut
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