Musik

Kirche sein in symphonischer Gemeinschaft

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Kirche sein in symphonischer Gemeinschaft

Logo Orgelschule SurseeMarienchor Olten – Singen für die Seele

Leuchtturm Kirchenmusik (3/6) – Jahresserie des Liturgischen Instituts und des SKMV

Sandra Rupp Fischer leitet den Marienchor Olten seit 1994. Der Chor wurde 1953 gegründet, als die Marienkirche Olten eingeweiht wurde. Gesang hat von Anfang an den Kirchenraum und die Seelen der Gottesdienstbesuchenden erfüllt. Der Chor stellt hohe Ansprüche an Qualität und Vielfalt und ist stetig gewachsen.

Zum abwechslungsreichen Jahresprogramm des Marienchors Olten gehören sowohl Orchestermessen wie Kirchenmusik aus allen Jahrhunderten und sakrale Musik aus aller Welt. Bei Chorprojekten sind Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer eingeladen, punktuell mitzusingen. In diesem Jahr stehen fünf Projekte auf dem Programm. Da ist die von Martín Palmeri komponierte «Misa a Buenos Aires –Misatango», eine durch argentinischen Tango inspirierte lateinische Messe oder die schwedische Volksmusikmesse «I välsignan och fröjd» von Alf Hambe und Hans Kennemark, die der Chor 2009 erstmals in der Schweiz aufgeführt hatte. Weiter sind Faurés «Requiem», Auszüge aus Vivaldis «Gloria» und ein Gospel-Projekt geplant. Das alles zeugt von grossem Engagement, Lust, Unterschiedliches auszuprobieren und eine anhaltende Freude, die Liturgie mitzugestalten, miteinander unterwegs zu sein, die gemeinschaftliche Energie fliessen zu lassen und andere zu berühren.

«Singen für die Seele!» steht gross auf der Homepage des Marienchors Olten geschrieben. Angesichts der humanitären Katastrophe der letzten Wochen hat das Singen in Gemeinschaft und haben auch bestimmte Liedtexte eine ganz neue Bedeutung bekommen. Wie haben Sie als Chorleiterin diese Zeit und Ihre Chormitglieder erlebt und empfunden?

ML Leuchtturm 3 Marienchor Olten 2Bereits Anfang März gestalteten wir einen Gottesdienst mit Friedensliedern. Zudem habe ich ein Benefizkonzert in Olten organisiert, welches Anfang April in unserer Kirche mit rund 200 mitwirkenden Personen in Kirchen-, Kinder- und Männerchören sowie mit Musikerinnen und Musiker aus der Ukraine und Russland gestaltet wurde. Die Solidarität aller Mitwirkenden und des mitsingenden Publikums war unglaublich. Wir alle waren tief berührt und meine Sängerinnen und Sänger waren dankbar, dass sie eine Möglichkeit erhielten, sich zu engagieren.

Der Marienchor wird nächstes Jahr 70 Jahre alt und Sie leiten ihn seit 29 Jahren. In dieser Zeit ist er kontinuierlich gewachsen und zählt heute 60 Sängerinnen und Sänger. Was macht ihn so attraktiv?

Seit 1996 führen wir Chorprojekte durch und gestalten unsere Jahresprogramme mit definierten, kurzen Projekten. Eine riesige Chance für Kirchenchöre. Für kirchlich offene Menschen ist es attraktiv, ein eindrückliches Werk – oder Auszüge – in wenigen Proben zu erarbeiten und in einem festlichen, seriös vorbereiteten Gottesdienst zusammen mit entsprechender Instrumentalbegleitung zu musizieren. In den Liturgien singen wir immer auch mit der ganzen Gemeinde; das Singen ist den Menschen vertraut. Von den regelmässigen Projektteilnehmenden tritt erfreulicherweise manchmal jemand in unseren Verein ein, was zur Verdopplung der Mitgliederzahl und einer schönen Altersdurchmischung unseres Chores geführt hat.

«Eine Gemeinschaft feiert den Gesang und der Gesang festigt die Gemeinschaft», hat ein Chorleiter mal gesagt. Welche Erfahrungen machen Sie diesbezüglich?

Das gemeinsame Singen verbindet Menschen, es öffnet Zugänge von Mensch zu Mensch, unabhängig seiner Herkunft oder seines Denkens. Singen bewirkt ein enormes Wir-Gefühl, bildet innert kürzester Zeit Teamspirit, ob in der Probe oder im Gottesdienst beim Singen von Gemeindeliedern. Gelingt es mir als Chorleiterin zudem, den künstlerischen Ausdruck oder die Emotionalität eines Stückes so zu gestalten, dass sich die Mitsingenden damit identifizieren können, bewirkt dies eine innere Zufriedenheit, chorisches Selbstbewusstsein und Ausstrahlkraft.

Wie gehen Sie bei der Auswahl von Literatur vor, was ist Ihnen dabei wichtig?ML Leuchtturm Marienchor Olten mitJugendmusik 3

Ich bin bestrebt, jedes Jahr neue liturgietaugliche Literatur unterschiedlichster Stile zu finden. Dies macht die Chormitglieder flexibel und neugierig; in allen chorrelevanten Bereichen. Ich fordere von meinem Chor einiges und vertraue auf unsere Teamleistung. Ergänzend pflegen wir unser Repertoire.

Welche Einsätze leisten Sie mit dem Marienchor und gibt es auch reine Konzertauftritte?

Der Marienchor singt meist in Gottesdiensten oder Veranstaltungen in unserem Pastoralraum. Durchschnittlich kommen wir auf rund 15 Einsätze. Selbstverständlich gehören die Hochfeste dazu, aber auch ganz freie Feiern wie eine Adventsaktion in der Stadt. Konzertprogramme erarbeiten wir seltener. 2020 hätten wir mit einem Sinfonieorchester der Region Karl Jenkins «The Armed Man» aufgeführt, was wir nachholen werden. Wir traten an allen «cantars»-Tagen der Region auf oder feierten das 60-Jahr-Jubliläum mit einem mehrstündigen Konzerttag.

Wie gestalten Sie eine erfolgreiche Probe, wie führen Sie und was wollen Sie unbedingt vermitteln?

ML Leuchtturm 3 Marienchor Olten 1Die Willkommenskultur und Beziehungspflege sind für mich zentral. So bin ich rund eine halbe Stunde vor der Probe im Saal, begrüsse die Ankommenden und es hat das eine oder andere kurze Gespräch Platz. Danach folgt das Einsingen. Da unser Organist an den Proben korrepetiert, kann ich mich ausschliesslich auf die Leitung konzentrieren. Dies gibt mir die Möglichkeit, ambitioniert und speditiv zu proben und die einzelnen Register nie lange warten zu lassen. Wir vertiefen vor allem Schlüsselstellen, anderes ergibt sich fast von selbst; ausser eine völlig fremde Sprache fordert uns heraus. Mir ist wichtig, dass die Probe Freude bereitet, schliesslich investieren die Frauen und Männer einen ihrer freien Abende für den Chor. Nach der Probe bieten wir die Möglichkeit, etwas zu trinken und ich gehöre meist zu den letzten, die den Heimweg antreten.
Das Leiten des Marienchores, das Mitgestalten der Gottesdienste, die musikalische Vielfalt und der Kontakt zu meinen Sängerinnen und Sängern bedeuten mir sehr, sehr viel. Mein Chorengagement ist Nährboden und Motivation, mich auch in der Kirchenmusik-Szene der Deutschschweiz zu engagieren.

www.marienchor.ch


Sandra Rupp Fischer (*1971)

Bildung: Schulmusik in Luzern, Musikmanagement in Bern; Tätigkeiten: Leitung des Marienchores Olten seit 1994, Fachbereichsverantwortliche Kirchenmusik im Pastoralraum Olten; Vorstandsmitglied im SKMV seit 2003; Initiantin und Projektleiterin cantars Kirchenklangfest; seit 2011 kirchenmusikalische Mitarbeiterin am Liturgischen Institut Freiburg, aktuell Projektleitung im Nachfolgeprozess des Kirchengesangbuches KG; seit 2013 Schulleiterin der Musikschule Olten.


Cecilia Hess-Lombriser, schreibt seit 36 Jahren für regionale Medien im Raum Wil-Toggenburg. Sie singt in einer Kantorengruppe und ist Mitglied des OK Cantars Wil 2022.

Der Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in der Zeitschrift "Musik & Liturgie"  Nr. 3/2022 am 27.05.2022.

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