RotPfingsten

Vollendung von Ostern in die Zeit hinein

Pfingsten ist Beginn der in die assistierte Selbständigkeit entlassenen Kirche: der Geist erfüllt sie mit Leben. Eine nach Art des Geistes verunsichernde Geborgenheit stellt sich ein.

 

Introitus

Das feurige Rot des Messgewandes hebt sich markant von dem festlichen Weiss ab, an das wir uns während den letzten sieben Wochen der Osterzeit gewöhnt haben. Ein anderer, starker Akzent. Das Eröffnungslied stellt bereits den Heiligen Geist heraus. Ist es Einbildung oder windet die Orgel heute ‚pneumatischer' als sonst...? Der Eröffnungsvers der Pfingstmesse berührt merkwürdig: „Der Geist des Alls erfüllt den Erdkreis." – erfüllt – „In ihm hat alles Bestand." – alles – „Nichts bleibt verborgen vor ihm. Halleluja." – nichts – verborgen – halleluja! Eine Art verunsicherte Geborgenheit stellt sich ein.

 

Der Blick auf die brennende Osterkerze deutet: noch einmal geht es um die Vertiefung des einen grossen Ereignisses: Ostern. Sieben mal sieben Tage lang, die Oktav-Oktav lang oder den einen ‚grossen Tag des Herrn' lang, den längsten Tag lang – zwischen Ostern und Pfingsten – lädt die Liturgie dazu ein, Ostern feiernd zu begreifen. Die Wort-Gottes-Verkündigung ist ganz auf das Neue Testament ausgerichtet, vom Psalm abgesehen. Die biblischen Theologen helfen uns, das Unerhörte begrifflich einzuholen.

 

Und heute, am Pfingstfest, eignet dem Heute! eine besondere Qualität. Der vom auferstandenen und heimgegangenen Sohn Gottes verheissene Geist wird herabgerufen. „Heute hast du das österliche Heilswerk vollendet, heute hast du den Heiligen Geist gesandt über alle, dei du mit Christus auferweckt und zu deinen Kindern berufen hast" macht die Präfation deutlich. Pfingsten ist also Vollendung des österlichen Heilswerkes und damit gleichzeitig der Start der Geschichte der Kirche Jesu Christi, nunmehr in die assistierte Selbständigkeit entlassen: „Am Pfingsttag erfüllst du deine Kirche mit Leben: Dein Geist schenkt allen Völkern die Erkenntnis des lebendigen Gottes und vereint die vielen Sprachen im Bekenntnis des einen Glaubens."

 

Memoria

Die beiden eng zusammenhängenden Feste Pfingsten und Ostern erinnern uns an den jüdischen Festkalender, nach welchem Jesus und seine Jünger selbstverständlich gelebt hatten. Wurde nun aber das Passahfest durch das Osterereignis – das Letzte Abendmahl, das Leiden, das Sterben und die Auferstehung Christi – zum Grund legenden Datum des Glaubens an Jesus den Christus, so hat auch das Fest Pentekoste schon in biblischer Zeit eine ganz neue Sinngebung erfahren.

 

Das jüdische Wochenfest Schawuot („Wochen") wurde sieben Wochen nach dem Pessachfest gefeiert und erhält in der Tradition der griechischen Bibelüberlieferung nach dessen Datierung den Namen Pentekoste, (der) „fünfzigste" (Tag). Lev 23,15-22 weist die Israeliten an, fünfzig Tage zu zählen und dann dem Herrn ein Speiseopfer darzubringen. Lange wurde es als Erntedankfest und als Abschlussfest der Passahfestzeit gefeiert. In späterer Zeit bringt man es mit dem Bundesschluss am Sinai und der Verleihung der Tora in Verbindung. Lukas bettet nun seine Schilderung der Ausgiessung des Heiligen Geistes in diesen Kontext hinein.

 

Diese Stelle (Apg 2,1-11) begründet denn auch die Entwicklung des christlichen Pfingstfests. Im Laufe der Geschichte wurde Pfingsten jedoch mehr und mehr isoliert als Fest der Gabe des Geistes begangen. Ein Hinweis darauf ist die Pfingstoktav, von der heute da und dort noch das Relikt des heftig verteidigten arbeitsfreien Pfingstmontags zeugt. Mit der erneuerten Liturgie kommt der Zusammenhang mit dem Paschamysterium wieder voll zum Tragen. So wird nun angeregt, die Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten in besonderer Weise als Vorbereitung auf Pfingsten zu begehen („Pfingstnovene"). Zudem sind alle Texte des Pfingstformulars Neuschöpfungen. In ihnen wird – wie gezeigt – der Zusammenhang mit Ostern explizit dargestellt.

 

Sequentia

Alt und in die aktuelle Ordnung der Eucharistie am heutigen Fest übernommen ist hingegen die Pfingstsequenz. Dieser Text aus dem 12. Jahrhundert richtet sich direkt an den Heiligen Geist, der hier und jetzt kommen möge. Über zehn knappe Strophen hinweg wird er mit immer neuen, biblisch fundierten Bildern und Eigenschaften angeredet und zum unmittelbaren heilenden Einwirken in unsere Realität aufgefordert. Der nämlich zu biblischen Zeiten und in der Geschichte immer wieder als Heil Wirkender erlebt wurde, den kann man auch hier und jetzt daran erinnern, ihn quasi darauf behaften: Da er der Da-Seiende ist, wird er sich auch hier und jetzt als der erweisen, der Licht in diese Welt strahlt wie einst und immerfort, bis Er wiederkommt. So erweisen sich wahre Gebetstexte nie als alt sondern als je aktuell.

 

Hodie

Der Abschluss der Osterzeit macht deutlich, dass die katalysatorische Dynamik des Osterereignisses nachhaltig, andauernd in das je heutige Leben hineinwirkt. Was am ‚grossen Tag des Herrn', der 50tägigen Osterzeit prägend herausgestrichen ist, wirkt auch in der Zeit im Jahreskreis weiter in der Kirche fort. Jedes Heute ist ein Heute Gottes, eine österliche Befreiung des Menschen zu seiner wahren Berufung im Heiligen Geist.


Zwar wird nach der 2. Vesper des Pfingstfestes die Osterkerze zum Taufbrunnen gestellt und nur noch punktuell zur Feier der Taufe und auch der Bestattung angezündet. Der Geist aber wirkt in uns das Ostergeschehen weiter. „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bist zum Ende der Welt" (Mt 28,20). So soll also, wer alles beim alten belassen will, besser nicht zum Heiligen Geist beten...

 

Peter Spichtig op

 

Stichwort

  • Hochfest am 50. und letzten Tag des Osterfestkreises
  • biblisch: Apg 2,1-11
  • christliche Neudeutung des traditionellen jüdischen Wochenfests (vgl. Lev 23,15-22)
  • eigene Sequenz (12. Jh.)
  • Osterkerze wird nach der 2. Vesper aus dem Chorraum entfernt

Wider-Worte

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gefunden im Internet

 

Geistlicher Impuls

"Der Heilige Geist ist - in Gott selbst und für uns - die Vollendung. Er ist nach dem Neuen Testament die eschatologische, d.h. letzte, absolute Gabe. Petrus bringt das Pfingstereignis durch ein Zitat aus dem Propheten Joel in Zusammenhang mit den 'letzten Tagen', d.h. der Endzeit.

 

Der Geist ist das Prinzip des Reiches Gottes. Wenn Jesus heilt oder Dämonen austreibt, geschieht dies durch den Heiligen Geist, und er erklärt dabei: 'Das Reich Gottes ist nahe!'. Nachdem sich die Pfingsterfahrung oftmals wiederholt hatte, wie uns die Apostelgeschichte und die Korintherbriefe berichten, haben die Christen die Botschaft vom Reich Gottes dadurch weitergesagt, dass sie vom Wirken und der Erfahrung des Geistes sprachen: Der Herr selbst wirkte als Geist (2 Korintherbrief 3,15-17).

 

Mehrere Kirchenväter haben an jener Textform des Vaterunsers festgehalten, die sich in verschiedenen Handschriften findet und die statt 'Dein Reich komme' den Wortlaut hat 'Dein heiliger Geist komme und reinige uns'. Dieses Reich wird in seiner Vollendung ... darin bestehen, dass 'Gott alles in allem ist' (1 Kor 15,28)."

 

Yves Congar op (1904-1995)

 

Facts

"Am Pfingsttag (am Ende der sieben Osterwochen) vollendet sich das Pascha Christi in der Ausgießung des Heiligen Geistes. Dieser wird als göttliche Person offenbar, gegeben und mitgeteilt. Christus der Herr spendet den Geist in Überfülle."

 

Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 731

 

Links

Liturgische Texte

 

Kindergottesdienst Pfingsten: Tipps