AuferstehungOstern

Vom Tod zum Leben

Ostern ist das älteste Fest der Christenheit. Doch die Botschaft der Auferstehung ist heute womöglich noch anstössiger als für die Zeitgenossen der Apostel.

 

 

Ostern: das früheste Fest der Christen

Das erste Fest, das Christen feierten, war der Sonntag als der Tag, an dem Jesus von den Toten auferstand. Es war der 8. Tag. Am siebten Tag, dem Sabbat, jenem Tag also, da Gott nach dem Schöpfungswerk ruhte, ruhte Gottes Sohn im Grab. Verschlossen in der Grabkammer und gut bewacht sollte er hinfort keine Unruhe mehr im Volk stiften. Gott ruhte am siebten Tag, weil alles vollbracht und sehr gut war. Auch am Sabbat nach der Kreuzigung Jesu war alles vollbracht, was Jesus im Einvernehmen mit dem Willen des Vaters getan hatte, aber war es „sehr gut"? War es nicht vielmehr eine völlige Niederlage? Israel gedachte an jenem Passahfest wie in jedem Jahr des Auszugs aus Ägypten und damit der Befreiung zu neuem Leben als Volk Gottes. Ausgezogen war auch Jesus mit seinen Jüngern aus Galiäa nach Jerusalem, um das grosse Fest zu feiern. Statt Befreiung fand er den Tod: Hatte der Engel des Todes einst die Häuser der Israeliten verschont und nur die Kinder der Ägypter sterben lassen, so schonte er diesmal alle, nur den einen nicht, der als Sohn Gottes am Kreuz endete.

 

Am 8. Tag

Als die Woche nach dem Sabbat erneut begann, am 1. Tag als Gott einst sein Schöpfungswerk begann, kamen zuerst die Frauen zum Grab Jesu. Doch sie finden das Grab geöffnet und den Leichnam Jesu nicht mehr dort. Das Grab ist leer, wie die Evangelisten übereinstimmend bezeugen. Derselbe, der einst durch sein Wort die Welt ins Dasein rief, er hatte seinen Sohn aus dem Tod ins Leben zurückgerufen. Die Macht des Todes wird am 1. Tag der neuen Woche oder am 8. Tag der zurückliegenden Woche erneut und endgültig in ihre Grenzen gewiesen. Am 8. Tag ereignet sich in der Auferstehung Jesu Neuschöpfung. Gott hat noch einmal Neues gewirkt. ER hat Jesus von den Toten auferweckt. Nicht aus eigener Kraft ist der Mensch Jesus ins Leben zurückgekehrt, als wäre er nur scheinbar tot gewesen. Die Liebe des Vaters reicht bis in die Verlassenheit am Kreuz und die Ruhe im Grab, sie hält den Sohn, auch wenn er davon nach menschlichem Ermessen wohl nichts mehr gespürt hat. Und weil die Liebe des Vaters Überfülle des Leben ist, kann der Tod sein vernichtendes Werk nicht vollenden: die Macht des Todes ist ein für allemal gebrochen, denn jener, der die Liebe zu den Menschen bis zum Tod am Kreuz durchgehalten hat, ist auferstanden. Damit aber bleibt auch seine Liebe zu den Menschen erhalten!

 

Leibhaftige Anwesenheit des Auferstandenen

Der Mensch Jesus konnte sich an seine damaligen Zeitgenossen wenden und ihnen in seiner Zuwendung die Nähe und Liebe Gottes neu als Lebensmöglichkeit eröffnen. Das war möglich, weil er ein Mensch war wie Ich und Du. Handgreiflich berühren konnten die Menschen ihn und manche taten das auch, weil sie sich davon Heilung versprachen - und Heilung erhielten. Und weil die Menschen mit ihrer Hand begreifen wollen, um zu verstehen, weil sie am Widerstand der Materie etwas als wirklich erkennen, verlangen einige der ersten Zeugen danach, Jesus zu berühren. Zu Maria Magdalena sagt er: Berühre mich nicht, doch dem ungläubigen Thomas erlaubt er, die Seitenwunde zu fühlen. Beide haben erkannt, dass er lebt. Sie erkennen ihn wieder, als den, der mit ihnen gegessen hatte. Doch alle Zeugen seiner Auferstehung erfahren auch, dass die Art und Weise seines Lebens neu und anders ist. Kaum erkennen sie ihn, da entzieht er sich auf unbekannte Weise schon wieder. Das Leben des menschlichen Leibes ist immer schon durch den Tod bestimmt, den Tod einzelner Zellen und den Tod, der das Ende dieses Leibes sein wird. Das Leben des Auferstandenen ist in keiner Faser durch den Tod bestimmt. Wie sich das anfühlt, wissen wir, die gerne am Widerstand der Materie Wirklichkeit erfahren, noch nicht.

 

Entgrenzte Zuwendung zu den Menschen

Die Kommunikationswissenschaftler sagen: Man kann nicht nicht-kommunizieren. Doch es gilt auch: Man kann sich selber nicht universal kommunizieren, also gegenüber allen Menschen und zu jeder Zeit. Was hindert diese universale Kommunikation? Dasselbe Medium, das auch die Kommunikation ermöglicht: der menschliche Leib in seiner raumzeitlichen Begrenztheit. Die Leiblichkeit des Auferstandenen ist dagegen nicht mehr raumzeitlich begrenzt, denn hier hat das durch den Vater neuerschaffene Leben die Grenzen gesprengt. Der Auferstandene kann sich selbst und damit die Liebe Gottes zu den Menschen universal kommunizieren. Paulus hat das ausgedrückt mit den Worten "Der Herr ist der Geist." (2 Kor 3,17) In seiner geistgewirkten Leiblichkeit wendet er sich nicht nur an die Zeugen seiner Auferstehung, sondern bleibt fortan gegenwärtig. Als auferstandener und erhöhter Herr wendet er sich nicht mehr nur an die Zuhörer auf den Dorfplätzen Galiläas, sondern an jeden Menschen, der Gottes Nähe sucht, an uns.

 

Das sonntägliche Pascha

Als Auferstandener lädt Jesus wieder zum Mahl. Die Hingabe im Abschiedsmahl scheint wieder auf. Aber als Lebender lädt er ein, als Lebender ist er gegenwärtig, damals, heute und immer, wenn dieses Mahl zu seinem Gedächtnis gefeiert wird - bis er wiederkommt am Ende der Zeiten. Die universale Kommunikation des auferstandenen Herrn ereignet sich hier immer wieder, denn er will für alle das Leben in Fülle. Die Christen haben schon im ersten Jahrhundert den Sonntag in diesem österlichen Sinn gefeiert. Wahrscheinlich haben sie sich während des jährlichen jüdischen Pesach-Festes der Ereignisse in Jerusalem ereignet. Sicher bezeugt ist die jährliche Osterfeier seit dem 2. Jahrhundert. Die Ereignisse seines Übergangs vom Tod zum Leben wurden zunächst in einem die ganze Nacht dauernden Gottesdienst begangen. Erst im 4. Jahrhundert hat sich das Gedenken der Ereignisse in die Einheit mehrerer Tage ausgefaltet mit der Osternacht als Höhe- und Wendepunkt. Von Ostern sagen Christen deshalb: Dies ist der Tag, den Gott gemacht hat, der 8. Tag als Tag des neuen und endgültigen Überschritts vom Tod zum Leben – „lasst uns jubeln und seiner uns freuen, Halleluja." (Ps 118,24)

 

Gunda Brüske

 

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Die Ostersequenz