Praxis

Kirche sein mit aktiver Beteiligung

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Kirche sein mit aktiver Beteiligung

Vorabendgottesdienst

Frage: Bei der Frage nach der Anzahl von Gottesdiensten am Wochenende im Pastoralraum kam auch die Frage auf, wie es sich mit dem Vorabendgottesdienst am Samstagabend verhält. Warum und wann wurde er eingeführt?

Antwort: Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Bestimmung des CIC von 1917, wonach die Messe nur vormittags (bis 13 Uhr) gefeiert werden darf, da und dort, vor allem in den Notsituationen des Zweiten Weltkrieges, durch Indulte gelockert (im Zusammenhang mit einer Lockerung des Nüchternheitsgebotes). Noch vor dem Konzil, 1960, wurde dieser Zeitansatz (ausser für die Konventmesse) ganz fallengelassen. Papst Paul VI. hat es 1963 den Bischofskonferenzen überlassen, die Zeiten für die Messe festzulegen.

1965 erteilte der Apostolische Stuhl den deutschen Bistümern für fünf Jahr ad experimentum die Erlaubnis zur Vorabendmesse. 1967 wurde diese Möglichkeit generell für die Gesamtkirche gegeben (Eucharisticum mysterium 28). Als Begründung wird angeführt, die Gläubigen sollten „unter den heutigen Umständen den Tag der Auferstehung des Herrn leichter feiern können".
Nach Erhalt der entsprechenden Vollmacht aus Rom erliessen die Schweizer Bischöfe 1969 Richtlinien zur Feier der Vorabendmesse (in: SKZ 137 [1969] 190f). Sie stützen sich darin auf die diesbezüglichen Bestimmungen der deutschen und französischen Bischöfe. Die Schweizer Bischöfe nennen als mögliche Gründe zur Einführung der Samstagabendmesse: Priestermangel, gesteigerter Ausflugs- und Fremdenverkehr, unvermeidliche Sonntagsarbeit, unzureichender Kirchenraum, schwächliche Gesundheit von Priestern. Ausserdem heisst es: Im Empfinden der Menschen würde der Samstagabend eher zum Sonntag zählen als der Sonntagabend. Die Vorabendmesse würde den Sonntag einleiten und könne die Erholung am Sonntag erleichtern. Auch sei die Einführung der Vorabendmesse kein Bruch mit der Tradition (Vigilmessen). Die Vorabendmesse darf frühestens um 17 Uhr beginnen.

Die Frage der Gottesdienstzeiten, der Formen und der Häufigkeit von Gottesdiensten innerhalb eines Pastoral- oder Seelsorgeraums will gut durchdacht sein. Mir scheint es eine Chance zu sein, eventuell andere, neue oder traditionelle Gottesdienstformen in den Blick zu nehmen. So könnte beispielsweise am Samstagabend eine feierlich gestaltete Vesper oder eine Wortgottesfeier (mit einem Lichtritus oder mit einer Form der „Begrüssung des Sonntags") eine valable, ansprechende Feier sein, die die Sonntagsmesse nicht konkurrenziert. Auch der Sonntagabend bietet sich für alternative Gottesdienstformen an.

Josef-Anton Willa (28.05.2014)

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