Musik

Kirche sein in symphonischer Gemeinschaft

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Kirche sein in symphonischer Gemeinschaft

Bruder KlausDu grosser, heilger Mann im Ranft (Serie Gedenkjahr 4)

In ihrem Hymnus besingt Silja Walter Bruder Klaus nicht in erster Linie als einen grossen Mann der Vergangenheit, sondern als Vorbild in unserer Zeit und als Helfer in unserer Sehnsucht nach Frieden.






Das Lied (KG 791)

Du grosser, heilger Mann im Ranft,
so geistesmächtig, klug und sanft,
in Schweigen, Schauen und Gebet
wirst Gottes Freund du und Prophet.

In deiner Zelle singt und rauscht
der Geist, der Welt und Tod vertauscht
in Himmel, Heil und Gottes Licht.
Er zeigt dir Christi Angesicht.

O Weisheit aus dem Strahlenrad,
wie wunderbar ist Gottes Gnad.
Die Schöpfung ist von ihr durchglüht,
die sie in Gottes Herzen zieht.

Tritt aus der Einsamkeit heraus.
Bring Gottes Wort uns,
Bruder Klaus,
die Kraft, die in dir lebt und liebt,
den Frieden, den die Welt nicht gibt.

Silja Walter

Bis an den Rand gehen

Der Hymnus nähert sich Bruder Klaus behutsam, er spricht ihn nicht gleich mit Namen an; mit der Bezeichnung "Mann im Ranft" in der ersten Zeile ist jedoch klar, wer gemeint ist. Die erste Strophe stellt uns den Heiligen als einen weisen, schweigenden Menschen, als Visionär und Beter dar, Eigenschaften, die aus ihm einen Gottesfreund und Propheten gemacht haben.
"Mann im Ranft" verweist nicht nur auf den Standort seiner Einsiedelei. Das Wort "Ranft" bedeutet ursprünglich "Rand". Der "Mann im Ranft" ist einer, der sich an den Rand gestellt hat, an den Rand der Gesellschaft, der Dorfgemeinschaft, der Familie, weg von Gewohnheit und Mittelmass, von Konvention und Komfort. Bruder Klaus stellt uns den Weg vor Augen, den die Kirche als Ganze und ihre einzelnen Glieder gehen sollen: den Weg "an die Ränder, an die Grenzen der menschlichen Existenz" (Papst Franziskus).

Auf den Geist hören

In der Stille hört Bruder Klaus den Geist Gottes (2. Strophe). Dass der Geist "singt und rauscht", ist eine eher ungewohnte Vorstellung. Das Singen als Ausdruck des Gotteslobes begegnet immer wieder in den Texten von Silja Walter. "Gott kommen sehen und singen", versteht sie als Dienst jener, die im "Kloster am Rande der Stadt" wachen und beten; es ist die tiefe, beglückende Erfahrung jener, die in der Nachfolge Jesu Christi wagen, an die Ränder zu gehen. Der Geist Gottes selbst liegt am Ursprung dieser Erfahrung und des gesungenen Gotteslobes. Denn wessen Herz vom Geist erfüllt ist, dessen Mund geht vor Freude über. Wo der Geist Gottes wirkt, da reichen Worte allein nicht mehr hin. Das Singen (ohne Worte) bedeutet, "das Herz gebären zu lassen, was man nicht mehr sagen kann" (Augustinus).
Bruder Klaus horcht nicht nur in sich hinein und auf den Geist, der in ihm singt; in der Ranftschlucht dringt in seine Zelle und an sein Ohr von aussen das ununterbrochene Rauschen der Melchaa. Je nach Wasserstand plätschert der Bach leise, oder er braust mit tosendem Lärm. Das Rauschen wirkt besänftigend oder aber unheimlich und bedrohlich. Es steht für die unbändige Kraft des Geistes Gottes, der wirkt, wo und wie er will, der belebt, aber auch erschüttert.

Christus begegnen

Die Kraft des Geistes ist umwälzend, wie die 2. und 3. Zeile dieser Strophe deutlich machen. Hier klingt das liturgische Motiv des "wunderbaren Tausches" (admirabile commercium) an. Die Wendung findet sich mehrfach in den Texten der Weihnachtsliturgie, und in einer der ältesten Osterpräfationen; sie beschreibt das Christusgeheimnis der Menschwerdung und der Auferstehung: Gott wird Mensch, damit die Welt göttlich wird. Jesus nimmt den Tod auf sich, damit der Mensch ewige Leben gewinnt.
In seiner Einsiedelei betrachtet Bruder Klaus das Meditationsbild mit der Christusikone im Zentrum und dem Kranz von Strahlen, die von Christus ausgehen und zu ihm hinführen. In der Betrachtung dieses Bildes führt der Geist Gottes ihn zur Erkenntnis Christi, zur Begegnung mit Christus von Angesicht zu Angesicht. Darauf spielt wohl die letzte Zeile der zweiten Strophe an, was dann in der dritten Strophe weitergeführt wird.
Dies dritte Strophe setzt ein mit dem Ruf: O Weisheit. Christus ist die Weisheit, die Bruder Klaus in dem Bild entgegenkommt. Doch nun treten wir, die den Hymnus singen, mit Bruder Klaus vor das Bild und erkennen mit den Augen des Glaubens: Die Schöpfung Gottes ist von seiner Gnade zutiefst durchdrungen. Anstelle von Gnade könnte man hier auch wieder vom Geist reden, der als feurige Glut in Erscheinung tritt und die Welt zu Gott heimführt. Der Ausruf des Staunens erinnert an die erste der O-Antiphonen in der Adventszeit, die ebenfalls mit den Worten "O Weisheit" beginnt.

Frieden bringen

Der Hymnus spricht von Bruder Klaus nicht in der Vergangenheit. Der Heilige bleibt für uns lebendig. Das wird in der letzten Strophe deutlich. Bruder Klaus wird nun mit Namen angesprochen. Wir heutigen Beterinnen und Beter rufen zu ihm: Wie du damals von Gottes Wort getroffen wurdest und aus der Kraft dieses Wortes heraus segensreich als Friedensstifter für die Menschen und das Land gewirkt hast, so mögest du heute für uns als Vorbild in Erscheinung treten und in unsere Zeit hinein als Fürsprecher wirken.
Silja Walter schrieb den Hymnus zu Bruder Klaus 1995 für das Kirchengesangbuch der deutschsprachigen Schweiz, das damals in Vorbereitung war und drei Jahre später erschien. Der Hymnus wird zu einer Melodie aus dem 17. Jahrhundert gesungen.

Josef-Anton Willa, 3.9.2019

Dieser Beitrag wurde unterstützt durch Mittel des Freundeskreises Liturgisches Institut.

Liturgisches Institut
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