Lektionar10 Gebote für Lektoren

1. Informiere dich frühzeitig!

In der Sakristei ist es – ausser in einem Ausnahmefall – zu spät. Wichtig ist: Was ist die zentrale Aussage des Textes, auch im Zusammenhang mit den anderen Lesungen? Wenn am Sonntag vor dem Evangelium nur eine Lesung genommen wird, sollte schon bei der Einteilung der Lektorinnen und Lektoren klar sein, welche das ist.

 

2. Besorge dir den Text im Druckbild des Lektionars!

Die Überschriften der Lesungen und die Sprechzeilen erleichtern das eigene Verständnis der Texte und den sinngemäßen Vortrag. Das Druckbild des Lektionars findet sich im Schott-Messbuch und für die jeweils aktuellen Sonntage und Hochfeste auf www.wortgottesfeier.de (unter „Leseordnung).

 

3. Lies dir den Text selbst laut vor!

Beim lauten Lesen und zugleich Hören spürst du selbst, wenn du eine Stelle nicht ganz verstanden hast oder wenn die Betonung nicht stimmt. Zugleich erkennst du Stolperfallen wie schwierige Wörter oder kannst klären, wie fremde Wörter oder Namen zu betonen sind.

 

4. Versuche zu klären, was du nicht verstehst!

Bei genauem Hinhören ist manche Schriftstelle gar nicht so klar, wie ein oberflächliches Lesen vermuten lässt. Manchmal hilft eine Fussnote in einer Bibelausgabe oder ein Bibelwörterbuch weiter, aber auch eine Nachfrage bei jemandem, der sich besser auskennt, ist keine Schande.

 

5. Sei rechtzeitig in der Sakristei!

Es kann vorkommen, dass der Vorsteher oder die Vorsteherin des Gottesdienstes noch einen speziellen Wunsch zum Vortrag der Lesung hat oder aus einem bestimmten Grund eine andere Lesung wählt oder die Fürbitten erst mitbringt oder sonst noch etwas zu regeln ist.

 

6. Übe deinen Dienst in Ruhe und selbstbewusst aus!

Gehe erst, wenn die Gemeinde ihr „Amen" zum Tagesgebet gesprochen hat, zum Ambo. Stelle dich aufrecht hin, prüfe, ob das Lektionar richtig aufgeschlagen ist. Warte, bis Gemeinde, Vorsteher und Dienste sich gesetzt haben. Nimm die Gemeinde in den Blick, wenn du ankündigst: „Lesung aus ..." und wenn du die Gemeinde ansprichst: „Schwestern und Brüder!"

 

7. Denk daran: Du bist Mittler des Wortes Gottes!

Augenkontakt ist wichtig, um Kommunikation herzustellen. Zu viel Augenkontakt erweckt den Eindruck, was du sagst, sei dein eigenes Wort, besonders, wenn die Zuhörenden direkt angesprochen werden. Dass der Text eines anderen gelesen wird, kommt zum Ausdruck, wenn die Augen beim Lesen grundsätzlich auf dem Buch ruhen und nur gelegentlich mit einem kurzen Aufblicken gleichsam der Text weitergereicht wird.

 

8. Vergiss nicht: Du bist Zeuge!

Einer Gemeinde Gottes Wort aus der Heiligen Schrift vorzutragen, ist immer auch ein Glaubenszeugnis. Je mehr du persönlich für das stehst, was du vorliest, desto besser kann die Botschaft ankommen. Die hohe Würde des Lektorendienstes besteht darin: Du darfst Gottes Wort deinen Schwestern und Brüdern zusprechen. Worte Wie: „Der Friede sei mit euch!", „Habt keine Furcht!"

 

9. Lass dir Zeit!

Hören verlangt Aufmerksamkeit und Zeit. Damit das Wort ankommen kann, bedarf es – vor allem nach wichtigen Aussagen – einer Zeit, bis es nach dem akustischen Hören in den Herzen der Zuhörenden ankommen kann.

 

10. Beende den Dienst in der gleichen Ruhe, mit der du ihn begonnen hast!

Mache nach dem letzten Satz eine kleine Pause, bevor du zur Gemeinde sagst: „Wort des lebendigen Gottes". Warte dann ab, bis sie ihre Antwort gegeben hat, bevor du den Ambo verlässt.

 

Eduard Nagel (11.12.2013)