schoepfungszeit thumbSchöpfungsZeit

Die ökumenische Aktion SchöpfungsZeit steht für christliches Engagement zur Bewahrung der Schöpfung. Die Schweizer Bischöfe empfehlen, dieses Anliegen auch im Gottesdienst aufzunehmen.

Das Liturgische Institut hat Anregungen dazu zusammengestellt:

 

 

 

Was ist die SchöpfungsZeit?

Der 1986 gegründete, ökumenische Verein „oeku Kirche und Umwelt" führt jährlich vom 1. September bis 4. Oktober die Aktion „SchöpfungsZeit" durch. Ziel ist es, das christliche Engagement für die Bewahrung der Schöpfung zu fördern (www.oeku.ch).
Im Anschluss an die dritte europäische ökumenische Versammlung in Sibiu von 2007 empfehlen die Schweizer Bischöfe, das Anliegen der oeku in Katechese, Erwachsenenbildung und Liturgie aufzunehmen (vgl. SKZ 175 [2007] Nr. 50, S. 881).
Der 1. September gilt bei den orthodoxen Kirchen als der Tag der Schöpfung. Der 4. Oktober ist der Gedenktag des Hl. Franz von Assisi. Zwischen diesen beiden Daten liegt die SchöpfungsZeit. Sie schliesst das Erntedankfest und den Eidgenössischen Dank- Buss- und Bettag mit ein.
In zahlreichen Texten der Liturgie begegnet uns das Lob des Schöpfers, wird an das Werk der Schöpfung und die Geschöpflichkeit des Menschen erinnert. Psalmen und Hymnen des Stundengebetes sind davon geprägt. Aus den eucharistischen Hochgebeten spricht eine eigentliche „Schöpfungsfreudigkeit" (Theodor Schnitzler). Das Kirchengesangbuch kennt ein eigenes Kapitel mit Schöpfungsliedern und -gebeten.

 

Schöpfungsmotive in liturgischen Gebeten und Gesängen

„Seh ich den Himmel, das Werk deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt: Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?"
(Psalm 8, 4-5)

 

Am Anfang steht das Staunen. Ein sternenübersäter Nachthimmel kann auch heute noch Menschen begeistern. Gerade wer in Städten und Agglomerationen wohnt (die Mehrheit in unserem Land!), weiss die Schönheit und das Erholsame der Natur zu schätzen. In ihr begegnet uns Leben in einer Fülle, die menschliches Mass übersteigt. Wir spüren, dass wir nicht Herren des Lebens sind, sondern Teil eines grösseren Ganzen.

 

„Wir danken dir, Gott. Denn wunderbar sind deine Werke. Die ganze Welt hast du erschaffen: Die Sonne gibt uns Licht und Wärme, sie lässt das Korn und die Früchte reifen. Blumen und Tiere, Wälder und Wiesen – alles ist für uns da. Du gibst uns Menschen Verstand und Phantasie. Wir bauen Häuser und Strassen. Wir können vieles erfinden, was uns das Leben leichter macht" (Drittes Hochgebet für Messfeiern mit Kindern).

 

Das Staunen führt zum Lobpreis. Wir anerkennen den Schöpfer und verstehen uns selber als Teil seines Werkes, als seine Geschöpfe. Wir verdanken unser Dasein nicht eigener Leistung, doch sind wir aufgerufen, an der Schöpfung Gottes mitzuwirken. Die Anerkennung der Schöpfung als vorgegebener Lebensordnung führt zu einem ehrfürchtigen, sorgsamen Umgang mit ihr.

 

„Du hast die Welt mit all ihren Kräften ins Dasein gerufen und sie dem Wechsel der Zeit unterworfen. Den Menschen aber hast du auf dein Bild hin geschaffen und ihm das Werk deiner Allmacht übergeben. Du hast ihn bestimmt, über die Erde zu herrschen, dir, seinem Herrn und Schöpfer, zu dienen und das Lob deiner grossen Taten zu verkünden durch unseren Herrn Jesus Christus" (Präfation für Sonntage V).

 

Dem Dank für unsere Erlösung durch Jesus Christus, die wir in jeder Eucharistie feiern, geht der Dank für die Schöpfung voraus. Schöpfung und Erlösung gehören zusammen. Durch Christus wurde die Welt erschaffen, in ihm ist sie erlöst. Der gleiche Gott ist es, der in der Schöpfung und in der Geschichte wirkt, es ist sein Geist, der alles Leben schafft, erneuert und vollendet. In der Osternacht, der Nacht aller Nächte, wird darum der Bogen gespannt vom biblischen Schöpfungsbericht bis zum Auferstehungsevangelium. Osterlieder wie „Die ganze Welt, Herr Jesu Christ" sehen in der aufbrechenden Natur einen Hinweis auf die Auferstehung. Besonders am Sonntag, erster Schöpfungstag und Tag der Auferstehung, gedenken wir des gesamten schöpferischen Handelns Gottes.

 

„Gott, Schöpfer des Alls, du hast der Welt Bestand und Sein gegeben. Allen Geschöpfen hast du den Geist des Lebens verliehen. Heute hast du die Finsternis in Licht verwandelt, heute den Schöpfungsmorgen heraufgeführt, heute das Werk des Heils begonnen.
Du hast dem Menschen deinen Atem eingehaucht und ihn als dein Abbild geschaffen, als Abbild Gottes. Du hast ihn gekrönt mit Herrlichkeit und Ehre. Du hast ihm die Herrschaft übertragen, die Macht über die Vögel des Himmels, über die Fische im Meer und über die Tiere des Landes. Du hast ihm dein Wort gegeben und ihn in Freundschaft angenommen. Du hast ihm deinen Willen kundgetan, ihm deine Pläne eröffnet. Als er dich verliess und seine eigenen Wege suchte, hast du ihn nicht verneint, ihn nicht sich selber überlassen.
Durch Jesus Christus, deinen Sohn und in der Kraft des Heiligen Geistes hast du ihn neu geschaffen und in dein ewiges Reich berufen. Ja, heute hast du die Finsternis in Licht verwandelt, heute alles erneuert, heute den ewigen Morgen heraufgeführt" (Feierliches Lob IV, in: Wortgottesfeier S. 42-44).

 

Das Werk der Schöpfung ist kein einmaliger, abgeschlossener Akt am Anfang der Zeiten. Gott ist in jedem Heute schöpferisch tätig, lebensschaffend und lebenserhaltend. Jeder neue Morgen kündet davon, jedes Lebewesen, dem Gott Lebensatem gibt.

 

„Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. Sie alle warten auf dich, dass du ihnen Speise gibst zur rechten Zeit. Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein; öffnest du deine Hand, werden sie satt an Gutem. Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört; nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub der Erde. Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen und du erneuerst das Antlitz der Erde" (Ps 104,27-30).

 

Wenn der Mensch sich selbst zum Herrscher der Schöpfung macht und die Verwiesenheit auf den Schöpfergott ablehnt, dann geht ihm und der ganzen Welt der Lebensatem aus. Das spüren wir heute schmerzlicher denn je. An Gott als den Schöpfer der Welt zu glauben und ihn für seine Werke zu loben, beinhaltet mehr denn je auch, ihm unsere Ohnmacht zu klagen angesichts einer durch Umweltzerstörung bedrohten und bedrohlich gewordenen Schöpfung.

 

„Die Erde rollt. Wer fängt sie auf, wer fängt sie auf und hält sie in der Waage? ...
Die Erde stirbt an dir und mir, an mir und dir und ist doch gut geschaffen.
Die Erde ist des Herrn, die Erde ist des Herrn. Liebt die Erde, lobt den Herrn!" (KG 583).

 

Hinweis zur Berücksichtigung der „SchöpfungsZeit" in der Liturgie

Die Schweizer Bischöfe bitten die Pfarreiverantwortlichen, das Thema „Schöpfung" vom 1. September bis 4. Oktober in der Liturgie in geeigneter Weise einzubringen.
Dabei darf die spezifische Eigenschaft der Liturgie als Fest und Feier nicht ausser acht gelassen werden. In der Liturgie geht es um das zweckfreie Lob Gottes, nicht um die Behandlung von Themen. Insbesondere moralische Apelle sind zu vermeiden. Gott für seine Schöpfung zu loben, bildet die Voraussetzung für einen sorgsamen, verantwortungsvollen Umgang mit allen Geschöpfen. Das schliesst nicht aus, dass Anliegen und Sorgen unserer Zeit in der Liturgie Platz finden, etwa in der Predigt und in den Fürbitten.

 

Fürbitt-Modell

Gott, du hast die Welt wunderbar erschaffen und noch wunderbarer erlöst. In Dankbarkeit, aber auch in Sorge um deine Schöpfung tragen wir unsere Anliegen vor dich hin.

 

V: Gott, Schöpfer und Erlöser, wir rufen zu dir:
A: Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu (KG 489)

 

  • Für alles, was lebt auf der Erde: die Pflanzen, die Tiere und die Menschen, die vielfach unter Ausbeutung und Zerstörung leiden und sich nach Erlösung sehnen.

Stille, V/A

  • Wir bitten besonders für die Menschen, die unter den Folgen von Dürre, Überschwemmungen und anderen Naturkatastrophen betroffen sind.

Stille, V/A

  • Für die einflussreichen Männer und Frauen in Wirtschaft und Politik, die es in der Hand haben, Weichen zu stellen zugunsten einer lebenswerten Welt für alle Menschen.

Stille, V/A

  • Für Forscherinnen und Forscher in Naturwissenschaft, Medizin und Technik, die vor der Fragen stehen, welche Errungenschaften für das Wohl der Menschen und der Umwelt nötig und sinnvoll sind.

Stille, V/A

  • Für alle, die sich für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen und dabei mit Rückschlägen und Widerständen rechnen müssen.

Stille, V/A

  • Für die kommenden Generationen: für unsere Kinder, damit sie in einer friedlichen und gerechten Welt gesund und froh aufwachsen.

Stille, V/A

 

Für uns selber und für alle Getauften, die in der Kraft des Geistes Jesu Christi befähigt und beauftragt sind, das Schöpfungswerk Gottes zu ehren und daran mitzuwirken.

Gott, wir danken dir für unsere Erde, die du aus Liebe geschaffen hast und die uns trägt und nährt. Wir vertrauen darauf, dass du sie in deiner Hand hältst und zur Vollendung führst durch deinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Liturgische Bausteine für eine Andacht als Lob auf die Schöpfung
(unter Verwendung des KG)

Hymnen und Lieder

 

Verantwortung für die Schöpfung (KG 570-585)
Singt das Lied der Freude (KG 180)
Danket Gott, denn er ist gut (KG 186)
Kein Friede unter den Menschen (KG 591)

 

Psalmen und Cantica

 

Psalm 8: Die Grösse des Schöpfers – Die Würde des Menschen (KG 793.1)
Psalm 19: Lob auf den Schöpfer (KG 639.1)
Psalm 33: Gottes Allmacht und Güte (KG 642.1)
Psalm 104: Lob des Schöpfers (KG 625.1 und 626.1); Lob der Schöpfung (KG 489.1)

Lobpreis vom Heilswirken Gottes nach Psalm 136 (KG 805)
Preislied nach Psalm 148 (KG 651.1)
Loblied nach Psalm 150 (KG 652.1)
Lobgesang nach Daniel 3 (KG 650.1)
Gebet nach Daniel 3 (KG 540)
Gebet nach Kol 1,15-20 (KG 252.1)

 

Schriftlesungen

 

Genesis 1,1-2,2 oder 1,1.26-31a: Die Erschaffung der Welt (1. Lesung Osternacht)
Genesis 9,8-15: Der Bund zwischen Gott und allen Lebewesen (1. Fasten-So B)
Römerbrief 8,14-23: Hoffnung auf die Erlösung der Welt (Allerseelen; 15. So A)
Römerbrief 11,33-36: Die Grösse Gottes (21. So A)
Kolosserbrief 1,12-20 (Christkönigssonntag) oder 1,15-20 (15. So C): Loblied auf Christus
Judit 16,13-15: Judits Lobgesang
Weisheit 11,22-26: Freund des Lebens

 

Gebete

 

Gottes gute Schöpfung (KG 586-587)
Freude an der Schöpfung (KG 698.1)
Tagesgebet zur Auswahl Nr. 5, in: Messbuch S. 306ff.
Segensgebet Nr. 9, in: Messbuch S. 570

Gebetstexte für Gottesdienste am Sonntag

Präfation für Sonntage V, in: Messbuch S. 406f.
Lobpreis für Gottes Schöpfung, in: Die Wort-Gottes-Feier (2014) S. 53f

Lobpreis Gottes am Sonntag, in: Die Wort-Gottes-Feier (2014) S. 51f
Kommuniongebet Schöpfung, in: Feierliche Kommuniongebete S. 34.

 

Siehe auch die folgenden Artikel im Liturgie-Portal:

Osternacht, Gabenbereitung, Wettersegen, Betruf, Laudes.


Dossier SchöpfungsZeit (pdf, 126 KB)

 

Schöpfungzeit in der Orthodoxen Kirche