Oekumenisches Taufgedaechtnis_Dom_Hildesheim_2014

Ökumenisches Taufgedächtnis

Positiv denken

Leben aus dem, was verbindet, gibt Kraft, um Trennendes zu überwinden. Die Taufe verbindet Christinnen und Christen mit ihrem Ursprung, Jesus Christus, und untereinander.

 

Ein Taufgedächtnis, das Christinnen und Christen unterschiedlicher Kirchen zusammen feiern, ist zugleich Selbstvergewisserung der eigenen Taufe wie Station auf dem Weg zur vollen Gemeinschaft. Tatsächlich ging das Taufgedächtnis als eigenständige Feierform auf ökumenische Initiativen zurück. Insbesondere auf Kirchen- und Katholikentagen fanden seit 1986 ökumenische Taufgedächtnisfeiern statt. Anlässe gibt es viele: die Gebetswoche für die Einheit der Christen, die ökumenische Schöpfungszeit, in der Schweiz den Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag und andere Feiern.

 

Die Taufe - das sakramentale Band der Einheit

Die Taufe verbindet nahezu alle christlichen Kirchen miteinander, auch wenn die Praxis sich unterscheidet. Sie ist Zeichen der Einheit, auch dort, wo es noch keine volle Kirchengemeinschaft gibt und eine gemeinsame Eucharistiefeier nicht möglich ist. Die Feier eines Taufgedächtnisses ist ‚kirchenpolitisch korrekt‘, ohne dass sie als blosse Notlösung angesehen darf, wurzelt sie doch tief im biblisch begründeten sakramentalen Handeln der Kirchen. Zugleich wird damit der Anspruch weiterverfolgt, den das Ökumenismusdekret „Unitatis redintegratio“ (1964), das darauf aufbauende „Ökumenische Direktorium“ (Neuausgabe 1993) und die Enzyklika „Ut unum sint“ (1995) stellen. Zentral ist die immer wieder zitierte Aussage im Ökumenismusdekret: „Die Taufe begründet also ein sakramentales Band der Einheit zwischen allen, die durch sie wiedergeboren sind. Dennoch ist die Taufe nur ein Anfang und Ausgangspunkt, da sie ihrem ganzen Wesen nach hinzielt auf die Erlangung der Fülle des Lebens in Christus.“ (UR 22) Ökumenische Dokumente wie das sog. „Lima-Papier“ (1982) formulierten wesentliche Übereinstimmungen bezüglich der Taufe, aber auch das Ziel: „Die Notwendigkeit, die in der Taufe begründete Einheit wiederzugewinnen, gehört zum Zentrum der ökumenischen Aufgabe und ist entscheidend für die Verwirklichung echter Partnerschaft innerhalb der christlichen Gemeinschaften.“ Die Selbstverpflichtung zur ökumenischen Zusammenarbeit in der Charta Oecumenica (2001) wurde inzwischen von verschiedenen Kirchen übernommen.

 

Taufgedächtnis feiern

Inzwischen gibt es zahlreiche Arbeitshilfen zum Taufgedächtnis aus den Kirchen der Ökumene und sehr gutes Material für verschiedene Anlässe mit Gestaltungsvorschlägen und Texten. Das liturgische Buch „Die Wort-Gottes-Feier am Sonntag“ (hg. vom Liturgischen Institut in Freiburg im Auftrag der Bischöfe der deutschsprachigen Schweiz 2014) hat nicht nur ein Kapitel zum Taufgedächtnis, sondern auch einen Anhang mit zusätzlichem Material für ein ökumenisches Taufgedächtnis.

Das ökumenische Anliegen kann auf verschiedene Weise die Feier prägen: im fürbittenden Gebet für Christen aller Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, für, im gemeinsamen Bekenntnis zum dreifaltigen Gott, im Bussakt oder Schuldbekenntnis als Eingeständnis hinter dem Anspruch zurückgeblieben zu sein, eins zu sein in Christus und in der Kirche, im Segen als Sendung zum Leben in der Welt aus dem Glauben oder auch auch als Einladung zum Friedensgruss: „Knüpft das Band der Einheit gegen die Trennung, helft mit, dass Gottes Erde bewahrt wird, reicht die Hand der Versöhnung und gebt einander ein Zeichen des Friedens.“

 

Station auf dem Weg zur Einheit

Die Feier eines Taufgedächtnisses hält einerseits eine Wunde offen: Es erinnert daran, dass Christen ihre Einheit in Christus nicht so realisieren können, wie es der Botschaft Jesu entsprechen würde. Eucharistiegemeinschaft gibt es zwischen einzelnen Kirchen, doch leider nicht zwischen allen. Um so wichtiger ist es, auf die Vor-Gabe der gemeinsamen Taufe zu setzen und den Glauben gemeinsam zu bekennen. Das ist die Stärke des Taufgedächtnisses. Wer so handelt, verwurzelt sich neu in der Einheit zwischen Gott und den Menschen und den allen Getauften. Das Gedächtnis des Früheren im Heute der Feier ist ein starkes Zeichen auf dem Weg zur Erlangung der vollen Kirchengemeinschaft und damit eine wichtige liturgische Zielmarke. Sie stärkt das sakramentale Band der Einheit. Deshalb sollte diese neue Feierform weitere Verbreitung finden, damit Christen ihre Würde gemeinsam leben und ihr im Tun immer mehr entsprechen.

 

Gunda Brüske

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geistlicher Impuls

„In den neutestamentlichen Briefen werden die an Christus Glaubenden und Getauften als neue Menschen (vgl. Röm 6,4) und neue Schöpfung (vgl. 2 Kor 5,17) bezeichnet; sie sind Kinder des Lichts (vgl. Eph 5,8); in Christus zur Freiheit befreit (vgl. Gal 5,1) und gleichen Ranges, ob sie Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, Mann oder Frau sind (vgl. Gal 3,28). Sie sind berufen, vor Gott zu stehen und ihm zu dienen als auserwähltes Geschlecht und königliches Priestertum (vgl. 1 Petr 2,9; Offb 1,6). Die Taufe verleiht Christinnen und Christen eine einzigartige Würde.“

 

Die Wort-Gottes-Feier am Sonntag (2014), Pastorale Einführung Nr. 33

 

Praxis-Tipp

In den reformierten Kirchen der Schweiz ist die Frage eines Bekenntnisses umstritten. In den letzten Jahren wurde das so genannte Credo von Kappel ins Gespräch gebracht. Es eignet sich auch für ökumenische Gottesdienste.

 

Das Credo von Kappel

 

Praxis-Tipp

Wort-Gottes-Feier am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag (doc)

 

Wort-Gottes-Feier in der Gebetswoche für die Einheit der Christen (Pdf)

 

Lesetipp

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Taufgedächtnis und Glaubenserneuerung. Anregungen für gemeinsame Gottesdienste von Christinnen und Christen aus unterschiedlichen Tauftraditionen - Arbeitshilfe der Ökumenischen Centrale Frankfurt. 56 S.

 

Das Materialheft enthält:

  • konzeptionelle Überlegungen und Leitlinien zur Gottesdienstgestaltung,
  • einen konkreten Gottesdienstentwurf,
  • Informationen zur Taufgedächtnispraxis in den verschiedenen Traditionen,
  • Ergänzende liturgische Beispiele und Impulse,
  • methodisch-didaktische Anregungen zur Vorbereitung eines gemeinsamen Taufgedächtnisgottesdienstes
  • Auszüge aus jüngeren Dialogen zwischen täuferischen Freikirchen und anderen kirchlichen Traditionen.

Bestellung bei der ACK Deutschland

 

Links

Taufgedächtnis. Feuer und Wasser christlicher Existenz (Liturgieportal)

 

Taufgedächtnis und Tauferneuerung - eine ökumenische handreichung 2011 (Bistum Speyer und Ev. Kirche der Pfalz) /Pdf)

 

Glauben leben - Christsein in der Vielfalt der Kirchen - Taufgedächtnis 2010 (Deutsches Liturgisches Institut und Gottesdienst-Institut Nürnberg) (doc)

 

Arbeitshilfe der Vereinigten Ev.-luth. Kirche Deutschlands (2007) (Pdf)