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Das Kreuz als Krone tragen

Typisch katholisch, ein katholisches Markenzeichen scheint das über den Körper geschlagene Kreuz zu sein. Typisch christlich, das Kreuzzeichen ist ein Schlüssel zum Glauben.

 

 

Zeichen der Liebe Gottes

Das Kreuz ist für Christen Zeichen ihres Glaubens. Denn Christus hat durch sein Sterben am Kreuz im Licht seiner Auferstehung den Tod für immer besiegt. Die Botschaft, die vom Kreuz ausgeht ist für Christen Gottes Kraft für ihr Leben. Paulus schreibt im ersten Brief an die Korinther, Kapitel 1, Vers 17: „Das Wort vom Kreuz ist denen, die verlorengehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft." In diesem Sinne schreibt auch der heilige Johannes Chrysostomus († 407) im Kommentar zum Römerbrief 3,6: „Das Kreuz bedeutet für den Christen die Tatsache der unaussprechlichen Liebe Gottes zu den Menschen, es ist das Symbol der höchsten Fülle göttlichen Erbarmens." Wenn wir auf das Kreuz schauen oder uns mit dem Kreuz bezeichnen, dürfen wir uns an diese Liebe Gottes erinnern. Die Bezeichnung mit dem Kreuz ist aber immer auch Erinnerung an die Taufe, durch die unser Leben in das Geheimnis des Kreuzes und der Auferstehung Christi getaucht worden ist. Verbunden mit Weihwasser verdichtet sich diese Tauferinnerung, wenn Christen mit einem Segensgestus sich selbst bekreuzigen.

 

Das „kleine" und das „grosse" Kreuzzeichen

Grundsätzlich spielt es keine Rolle mit welcher Kreuzform man sich ausserhalb einer gottesdienstlichen Feier selber bezeichnet. In den ersten christlichen Jahrhunderten beschrieb man bei der Selbstsegnung das Kreuz nur auf die Stirn mit einem Finger der rechten Hand. Im dritten Jahrhundert schreibt Tertullian: „Bei jedem Schritt und Tritt, bei jedem Eingehen und Ausgehen, beim Anlegen der Kleider und Schuhe, beim Baden, bei Tisch, beim Lichtanzünden, beim Schlafengehen, beim Niedersitzen und bei jeder Tätigkeit drücken wir auf unsere Stirn das Kreuzzeichen." Auch die Bezeichnung des Mundes und der Brust mit dem Kreuz wird schon früh bezeugt.

In der Eucharistiefeier bezeichnen wir uns dreimal mit dem Kreuzzeichen. Zu Beginn und am Schluss der Eucharistiefeier mit dem „grossen" und bei der Verkündigung des Evangeliums mit dem „kleinen" Kreuzzeichen.

Die Selbstbekreuzigung mit dem „grossen" Kreuzzeichen erfolgt mit den ausgestreckten Fingern der rechten Hand, die vom Haupt zur Brust und von der linken zur rechten Schulter geführt werden und ist seit dem ersten Jahrtausend üblich. Die Feiernden erinnern sich, dass sie sich im Namen des dreifaltigen Gottes versammelt haben und ihr gottesdienstliches Feiern, aber auch ihre Sendung in der Welt, durch Gottes Segen begleitet wird.

Das ältere „kleinere" Kreuzzeichen hat sich bei der Verkündigung des Evangeliums durchgesetzt: Wir wollen für das Evangelium Christi mit „offener" Stirn eintreten und es auch unserem Verstand zu eigen machen, wir wollen es mit unserem Munde bekennen und es in unserem Herzen bewahren.

Das Kreuzzeichen wird auch über Personen oder Sachen bei Segnungen gezeichnet. Dies darf nicht magisch verstanden werden, denn mit dem Kreuzzeichen wird zumeist eine gesprochene Segensbitte verbunden. Das Kreuzzeichen wird auf diese Weise eine Geste, die ein Segensgebet begleitet, wie wir das z. B. bei der Segnung von Weihwasser kennen.

 

Das Kreuz betrifft unser ganzes Menschsein

Dass Christen mit ihrem ganzen Menschsein in das Zeichen des Kreuzes hineingenommen sind, kommt zum Ausdruck, wenn Taufbewerber auf ihrem Vorbereitungsweg zur Taufe (Katechumenat) in einer eigenen Feier mit dem Kreuz bezeichnet werden:


„Empfange das Kreuz auf deine Stirn. Christus selbst beschützt dich mit diesem Zeichen seiner Liebe.
Empfange das Zeichen des Kreuzes auf die Ohren, damit du das Wort des Herrn bereitwillig hörst.
Empfange das Zeichen des Kreuzes auf die Augen, damit du die Herrlichkeit Gottes erkennst.
Empfange das Zeichen des Kreuzes auf die Brust, damit Christus durch den Glauben in deinem Herzen wohnt.
Empfange das Zeichen des Kreuzes auf die Schulter, damit du die Herrschaft Christi gerne trägst."

 

Das Zeichen des Kreuzes ist so Schlüssel des Glaubens, mit dem sich durch die Taufe das Tor zum ewigen Leben öffnen lässt. Es begleitet Christen vom Beginn ihres Christwerdens bis hin zu ihrem Begräbnis, an dem über der Dunkelheit ihres Grabes das Kreuz Christi errichtet wird und das Licht der Auferstehung hoffnungsvoll hineinleuchtet.

 

Jürg Stuker

 

Praxis-Tipp

Im Namen des Vaters,
der uns ausgedacht und geschaffen hat,

und des Sohnes,
der in die Tiefe unseres Menschseins hinabgestiegen ist,

und des Heiligen Geistes,
der das Linke zum Rechten wendet,
der das Unbewusste und Unbekannte in uns verwandelt,
damit es ausgerichtet wird auf Gott.

 

Gebet syrischer Christen

 

Wider-Worte

„Sie zog sich das erste knöchellange Kleid an, das sie seit vielen Jahren besessen hatte, und bekreuzigte sich andächtig mit Chanel Nr. 16. Als Tommy um eins vorfuhr, hatte sie ihre Person in den schmucksten aller Gärten verwandelt."

 

F. Scott Fitzgerald, „Zärtlich ist die Nacht" (Roman)

 

Geistlicher Impuls

Das Kreuz wie eine Krone tragen

"Niemand schäme sich also des ehrwürdigen Zeichens unserer Erlösung, der größten aller Wohltaten, durch die wir leben, durch die wir sind. Wir wollen vielmehr das Kreuz Christi wie eine Krone tragen. Denn durch das Kreuz wird ja unser ganzes Heil vollbracht. So oft jemand wiedergeboren wird, ist das Kreuz dabei; so oft er genährt wird mit jener geheimnisvollen Speise, so oft jemand geweiht wird, so oft irgendeine andere Handlung vorgenommen wird, überall steht dieses Zeichen des Sieges und zur Seite. Deshalb zeichnen wir es voll Eifer auf die Häuser, Wände und Fenster, auf die Stirn und auf das Herz. Ist es ja doch das Sinnbild unserer Erlösung, unserer gemeinsamen Befreiung, sowie der Güte unseres Herrn. ... Wenn du dich bekreuzest, erfülle deine Stirn mit großer Zuversicht, mache deine Seele frei."

 

Johannes Chrysostomus (349-407)