Neugetaufte SchulkinderTaufkerze

"Lebe als Kind des Lichtes ..."

Wes Geistes Kind bist du? - Auf diese Frage können wir als Getaufte antworten: Wir sind Kinder des Lichtes. Die Taufkerze erinnert uns daran.

 

 

Der Vater oder die Patin/der Pate hat sie bei unserer Taufe an der Osterkerze entzündet. Später haben wir es vielleicht selber getan oder werden es noch tun: bei der Erstkommunion, bei der Firmung, bei der Trauung oder bei einer Segensfeier zum Ehejubiläum. An Wegmarken unseres Glaubenslebens verbindet uns die Taufkerze mit dem Anfangsereignis: Wir sind in der Taufe zu Lichtträgern geworden. Uns wurde zugesagt: „Empfange das Licht Christi".

 

Lichtvolle Gemeinschaft der Getauften

Ihren Ursprung hat die Taufkerze in der Feier der Osternacht. Schon seit dem 4. Jahrhundert ist es üblich, dass im wichtigsten Gottesdienst des Kirchenjahres die Christen eine Kerze an der Osterkerze entzünden als Zeichen ihrer Zugehörigkeit zu Christus, dem Auferstandenen. Er ist das wahre Licht der Welt, das die Finsternis der Nacht und des Todes besiegt hat. Mit brennenden Kerzen in den Händen ziehen die Gläubigen hinter der Osterkerze in die Kirche ein und vernehmen das Feierliche Osterlob, mit brennenden Kerzen erneuern sie ihr Taufversprechen. In diese lichterfüllte gottesdienstliche Versammlung werden die Neugetauften aufgenommen. Ihnen bzw. Ihren Eltern oder Paten wird darum nach der Taufhandlung eine brennende Kerze überreicht. Der Ritus der Taufkerze hat auch ausserhalb der Osternacht Eingang in die Tauffeiern Eingang gefunden.

 

Erwachsene, die in der Osternacht getauft werden, empfangen in der gleichen Feier auch das Sakrament der Firmung und können – als Höhepunkt ihrer Eingliederung in die Kirche – zum ersten Mal an der Eucharistie teilnehmen. Das ist die eigentliche Reihenfolge auf dem Weg zum Christwerden (christliche Initiation), auch wenn nach heute gängiger Praxis die Erstkommunionfeier vor der Firmung stattfindet. Wenn die Kommunion- und Firmkinder ihre Taufkerzen anzünden, wird deutlich, dass die drei Sakramente zusammen gehören (Initiationssakramente).

 

Licht für die Welt

Auch auf unserem weiteren Lebensweg kann uns die Taufkerze begleiten, damit wir nicht vergessen, wes Geistes Kind wir sind. Die Redewendung geht zurück auf ein ermahnendes Wort Jesu an seine Jünger (Textvariante von: Lukasevangelium 9,55). Wie gehen wir mit dem uns anvertrauten Licht Christi um? Stellen wir es „auf den Leuchter, so dass es allen im Haus leuchtet" oder „stülpen wir ein Gefäss darüber" (Matthäusevangelium 5,15)? Als Kinder des Lichtes sind wir beauftragt, in das Dunkel der Welt hineinzuleuchten und den Menschen von der Hoffnung zu erzählen, die uns erfüllt (1. Petrusbrief 3,15). Eine schöne, wiederkehrende Gelegenheit, sich dieser ehrenvollen Aufgabe bewusst zu werden, ist das Anzünden der Taufkerze im Rahmen einer kleinen Familienfeier am Tauftag (s. Praxis-Tipp).

 

Und vielleicht wird jemand unsere Taufkerze noch ein letztes Mal für uns anzünden, wenn wir es selber nicht mehr tun können: an der Osterkerze bei unserem Sarg. Sie wird dann zum Hoffnungszeichen, dass das Licht des Lebens weiter brennt und sich ganz mit dem Licht Christi vereint.

 

Josef-Anton Willa

 

Praxis-Tipp

Haus-Liturgie

 

Neben dem Geburtstag kann auch der Tauftag in der Familie begangen werden. Im Rahmen einer kleinen Andacht entzündet der Vater oder die Mutter die Taufkerze, liest ein Schriftwort vor und segnet die Anwesenden mit Weihwasser. Zur Feier kann der Pate/die Patin des Taufkindes eingeladen werden. Das jährlich wiederkehrende Taufgedächtnis erinnert an die Würde und Berufung des Christseins und findet selbstverständlich für jedes getaufte Familienmitglied statt. Es kann auch mit dem Namenstag verbunden werden.

 

Geistlicher Impuls

Du bist Licht geworden in Christus. Lebe als Kind des Lichtes, bewähre dich im Glauben und gehe mit allen Heiligen dem Herrn entgegen, wenn er kommt in Herrlichkeit.

 

Die Feier der Eingliederung Erwachsener in die Kirche (2001) Nr. 264.

 

Segne, o Licht, dieses Licht,
weil das, was wir in Händen tragen,
du geschaffen und geschenkt hast.
Mit diesen Lichtern, die wir anzünden,
vertreiben wir die Nacht von diesem Ort,
so wie du die Finsternis aus unserem Herzen vertreibst.

 

Wir sind dein Haus,
leuchtend vor dir, leuchtend in dir.
Ohne Fehler wollen wir leuchten
Und dich immer ehren.
In dir werden wir entflammt und nicht ausgelöscht.

 

Aus der Lichtweihe in der Osternacht der altspanischen Liturgie