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Krabbeln, Kommunion und Christ-Sein

Rituale sind in – und Familiengottesdienste? Ja, mit kleinen Zeichen im Alltag. Ja, wenn Sakramente und Lebenslauf zusammenfallen. Und auch sonntags. 

 

Ein Kreuzzeichen, ein Abendritual: Liturgisches Leben fängt im Kleinen an. Viele erwachsene Christen erinnern sich gerne an das Kreuzzeichen, das die Mutter und manchmal auch der Vater, vor dem Schulweg oder bei einer Reise auf die Stirn zeichnete. Wahrscheinlich haben sie das nicht als Liturgie verstanden. Das ist zu unscheinbar im Vergleich mit einem Gottesdienst von etwa einer Stunde. Und doch: Es ist ein Segenszeichen und der Segen steht auch am Ende der meisten Gottesdienste.

 

Oder ein Abendritual: Es ist sicher nicht das Nachtgebet aus der Tagzeitenliturgie, die Komplet, aber es hat schon eine gewisse Ähnlichkeit damit. Ein Tagesrückblick – was war gut heute, oder was? – entspricht der Gewissenserforschung am Anfang der Komplet, wahrscheinlich wird ein Lied gesungen, gebetet und am Ende steht vielleicht auch hier das Kreuzzeichen. Worte von Schutz und Geborgenheit gehören dazu – in der Komplet sind das Psalmen, die genau dies aussprechen und zusagen. Ein Abendritual steht an derselben Stelle wie das kirchliche Nachtgebet. Und wer im „normalen Leben" nicht gebetet hat, der wird das in der Liturgie auch schwierig finden. - Kreuzzeichen und Abendritual: eine kleine, alltägliche Liturgie im Familienleben. Eltern können ihren Kinder auch in dieser Hinsicht viel Gutes mit auf den Weg geben. Familien sind wichtig.

 

Krabbeln, feiern und gefeiert werden

Liturgisches Leben fängt im Kleinen an. Und es fängt mit den ganz Kleinen an – in Krabbelgottesdiensten, die manchmal auch „Fiire mit de Chliine" heissen (von den Säuglingen bis zu den Fünfjährigen). Familien-Liturgie wird in kleinen Schritten zur gemeinsamen Feiern mit anderen Familien. Bei Krabbelgottesdiensten sind vielleicht Grosseltern dabei, die den Eltern einen Nachmittag zu Zweit ermöglichen, oder der Ehemann, der an diesem Tag für die Kinderbetreuung übernommen hat. Mit zunehmendem Alter der Kinder werden die Frauen als Vorbereitende und Mitfeiernde immer präsenter. Gerade in die Vorbereitung durch Mütter und durch Katechetinnen fliesst viel Energie und Liebe ein. Und die Familie? Das ist in dieser Phase selten die typische Kleinfamilie, Vater-Mutter-Kind, eher sind es zwei Personen aus unterschiedlichen Generationen, die mitmachen.

 

Keine Regel ohne Ausnahme: Als das Kind getauft wurde, war das sicher auch ein Familiengottesdienst. Der Ritus der Taufe, ein Sakrament, und damit mehr als eine kleine Liturgie im Familienleben steht am Anfang aller liturgischen Feiern im Lebenslauf. Aber natürlich war es auch ein Familienfest. Eltern, Grosseltern, Geschwister, als Taufpaten, vielleicht Freunde kamen – vielleicht hatte die Feier eher privatem Charakter, aber immerhin: die ganze Familie war zusammen in der Kirche.

 

Glauben lernen

In voreucharistischen Gottesdiensten (vor der Kommunion: erste und zweite Klasse) werden die Männer noch seltener, die Mütter sind wiederum sehr engagiert. Ehren- und nebenamtlich tragen Frauen die Gottesdienste zusammen mit Liturgie-Verantwortlichen in der Pfarrei.

 

Spätestens in den voreucharistischen Gottesdiensten feiern auch Geschwister mit – die Gemeinschaft der Kinder-Kirche wird immer vielfältiger. Möglich, dass eine Mutter die Kinder von Freunden mitbringt und den Kreis der Mitfeiernden über die eigene Familie hinaus erweitert. Ausserdem kommen vielleicht Kinder aus der zweiten Ehe hinzu. Die gegenüber früheren Zeiten veränderte Lebenssituation von Familien spiegelt sich auch im Gottesdienst! Feiern und erleben Familien heute als ganze Familie, vielleicht auch als gemischt-konfessionelle, den Gottesdienst mit? Wohl eher nicht. Und das nicht nur wegen dem gegenüber früheren Zeiten viel höheren Anteil an Alleinerziehenden.

 

Und wieder gibt es eine Ausnahme von der Regel, wieder geht es um ein Sakrament: Bei der Erstkommunion kommen doch wieder alle, wie auch immer die Familie zu diesem Zeitpunkt der Familiengeschichte zusammengesetzt sein mag. Alle? Auch jene, die einer anderen Kirche angehören und deshalb im Normalfall die Kommunion nicht mit ihren Kindern zusammen empfangen können? Auch jene, denen Kirche gleichgültig ist, oder jene, die mit der Kirche nichts mehr zu tun haben möchten? Familien im Gottesdienst: Das kann bei der Feier der Erstkommunion zur Herausforderung werden!

 

Wegbleiben oder hingehen – das ist hier die Frage

Kommen Eltern und Kinder nach der Erstkommunion weiterhin in die Kirche? Familien wären wichtig, um im Glauben und in der Feier des Glaubens weiter zu wachsen. Doch hier geht manches auseinander. Vielleicht werden einige Erstkommunikanten Ministranten. Sie „dienen" in der normalen sonntäglichen Messe – Eltern (beide?), vielleicht Geschwister, sitzen im Volk. Oder Grosseltern (Eltern?) kommen mit ihren Enkeln zu den Familiengottesdiensten, die in vielen Pfarreien regelmässig stattfinden. Wie die voreucharistischen Gottesdienste sind sie (fast) ganz auf die Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet. Symbolische Aktionen, direkte Anrede der Kinder, Lesungen oder zusätzlich dazu Geschichten in kindgerechter Sprache. Auch die drei Kinderhochgebete gehören dazu. Das Direktorium für Kindermessen (siehe rechts unter Links) finden sich dazu viele Anregungen.

 

Aber sind das Familiengottesdienste? Oder soll man sagen, es sind Kindergottesdienste mit Erwachsenen? Werden Familienmänner und -frauen hier ausschliesslich über ihre Kinder angesprochen oder findet das Glaubensleben von Erwachsenen mit seinen ganz anderen, natürlich auch kritischen Fragen auch einen Ort? Oder sind die Erwachsenen (nur) über die Kinderkatechese in der Vorbereitung der Gottesdienste beteiligt und als mehr oder weniger Zuschauende und Zuhörende?

 

Noch Familie – und nicht mehr Familiengottesdienst

Sind die Kinder einmal im Jugendalter hört es meist ganz auf mit dem Familiengottesdienst. Ein Elternteil, der früher die Kinder begleitet hat, kommt vielleicht weiterhin – als verheirateter oder nicht erheirateter ‚Single', als Einzelne(r). Jugendliche dagegen können nicht so leicht zur Sonntagsmesse oder einer sonntägliche Wortgottesfeier bewegt werden. Die Uhrzeit stimmt nicht, der Geschmack ist anders als der übliche liturgische Standard. Jugendliche Ministranten dagegen bleiben noch eine gewisse Zeit. Nun aber oft ohne ihre Eltern und ohne die Grosseltern.

 

Und wieder bleibt eine Ausnahme: die Firmung, wieder ein Sakrament. Ob man da aber noch von einem Familiengottesdienst sprechen kann? Die Familie kommt ja. Aber spätestens bei der Hochzeit – nochmals ein Sakrament und ein ritueller Übergang in eine neue Lebensphase – spricht keiner mehr von einem Familiengottesdienst, obwohl wahrscheinlich wieder die ganze Familie versammelt ist, womöglich sogar mit vielen Kindern.

 

Gunda Brüske

Stichwort

"Familiengottesdienste sind Gemeindegottesdienste, bei denen Eltern mit ihren Kindern in besonderer Weise in die Vorbereitung und in die Feier einbezogen sind.
Auf das schwache Glied in der 'Familienkette' soll besonders geachtet werden. Das bedeutet, dass in einem Familiengottesdienst Kinder einen besonderen Platz haben. Natürlich sind deren Eltern, die mitgestalten und mitfeiern ebenso wichtig."

 

Toni Fiung (Ehe- und Familienseelsorger), Boxen

 

Praxis-Tipp

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Mit Kindern den Glauben feiern. Eine Arbeitshilfe zur Gestaltung von Gottesdiensten mit Kindern. Herausgegeben im April 2008 vom Erzbistum Köln - Hauptabteilung Seelsorge.

 

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Geistlicher Impuls

Segen des Vaters - Segen des Sohnes

 

„Ich habe viele Gedichte über ihn (meinen Vater) geschrieben. Ich vermisse ihn sehr; es ist schade, dass er nicht mehr da ist. Der Vater wirkte, wenigstens auf mich, keineswegs autoritär. ... Bis an den Tag meiner Priesterweihe gab er mir immer das Kreuzzeichen auf die Stirn, wenn ich schlafen ging oder mich verabschiedete. Das fand ich schön und ich hatte es gern.

 

Am Abend meiner Priesterweihe sagte er: ‚Von nun an sollst du es bei mir tun.' Ich habe es einmal getan, als er tot war. Der Vater war während seiner Ferien in Italien gestorben. Als der ... Sarg mit seiner Leiche im Hauptbahnhof in Amsterdam eintraf, wollte ich ihn irgendwie identifizieren. Ich ließ den Sarg öffnen. ... Da habe ich ihm das Kreuzzeichen auf die Stirn gedrückt, zum ersten und letzten Mal.

 

In der heiligen Nacht 1971 wurde mein Sohn Tjeerd-Pieter David geboren. Ich habe ihm sofort ein Kreuzlein auf die Stirn gedrückt und gesagt: ‚Du bist Tjeerd-Pieter David, und Gespenster gibt's nicht!"

 

Huub Oosterhuis (geb. 1933)


Facts

"Die Liturgie der Messfeier selbst enthält viele sichtbare Elemente, auf die bei Kindern größter Wert zu legen ist. Das gilt vor allem für die im Laufe des Kirchenjahres anstehenden anschaulichen Elemente wie zum Beispiel Kreuzverehrung, Osterkerze, Lichter am Fest der Darstellung des Herrn, unterschiedliche liturgische Farben und liturgischer Schmuck.

 

Ausser diesen sichtbaren Elementen, die zur Feier selbst und zum Ort der Feier gehören, können andere geeignete verwendet werden, die den Kindern ermöglichen, die Grosstaten Gottes in der Schöpfung und Erlösung mit den Augen wahrzunehmen und sie durch Anschauen zum Beten anregen. Die Liturgie darf nie als ein trockener und nur begrifflicher Vorgang erscheinen."

 

Direktorium für Kindermessen (1973), Nr. 35

 

Vollständiger Text

 

Lesetipp

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Wir Kinder im Hause des Herrn. Grundkurs Kinderliturgie.

Herausgegeben vom Arbeitskreis Kinderliturgie Würzburg. Deutscher Katecheten-Verein. München 2007.

 

Ein Kurs for KursleiterInnen, um den vielen Frauen, die in Kinder- und Familiengottesdienste mitarbeiten, ein Grundverständnis für die Liturgie mit und für Kinder zu vermitteln. Es geht sowohl um Grundlagen der liturgischen Feier wie um Methoden - alles ist sehr übersichtlich angeordnet und für die Weitergabe aufbereitet (z.B. Kopiervorlagen).

 

Bestellmöglichkeit über den Buchshop des Deutschen Katecheten-Vereins und über den Buchhandel.

 

Links

Familien feiern Kirchenjahr

 

Familien und Pastoral. Den Wandel pastoraler Familienarbeit gestalten. Arbeitshilfe der Kath. Kirche.