Christi HimmelfahrtChristi Himmelfahrt

Erhöhung Christi und – hoffentlich – des Menschen

Nichts wäre irriger als zu meinen, Christus ziehe sich durch seine Himmelfahrt in den verdienten Ruhestand zurück. Sein Gang zum Vater ist vielmehr ein Anfang.

 

Das Hochfest Christi Himmelfahrt wird – wie jedes christliche Festgeheimnis und wo immer möglich – mit der Eucharistiefeier begangen. In ihr wird je neu deutlich gemacht, dass wir immer alles feiern: Die Messetexte, insbesondere das Credo und das Eucharistische Hochgebet, rufen die Heilsaspekte von der Schöpfung bis zum Höhepunkt der Selbstoffenbarung Gottes im Christusereignis in Erinnerung. Mit dem Pascha-Mysterium, dem "Geheimnis des Glaubens", verstehen wir Ostern nicht isoliert als Faktum der Auferweckung Jesu von den Toten. Zum gläubigen Verständnis des Osterereignisses gehören Leid und Tod Jesu, sein Hinabsteigen in das Reich des Todes, seine Auferweckung und Himmelfahrt, seine Geistsendung und das freudige Erwarten seiner Wiederkunft. Dies alles formt unser Verständnis für das, was davor war (biblische Überlieferung), was ist und stärkt unsere Hoffnung auf das, was noch kommen wird.

 

Vom 50tägigen Osterfest zur ausgefalteten Festabfolge

Christi Himmelfahrt wurde von daher in den ersten christlichen Generationen nicht als eigenes Fest begangen sondern war selbstverständlich als ein Teilaspekt des Osterfestes zusammen mit der Geistsendung gefeiert worden, 50 Tage lang.
"Vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschien" heisst es nun aber in der Apostelgeschichte vom Auferstandenen (Apostelgeschichte 1,3). Wenn in der Bibel von 40 Tagen die Rede ist, handelt es sich immer um eine bedeutungsschwangere (Heils- oder Buss-)Zeit, die auf einen Abschluss hin zielt, man denke etwa nur an das 40tägige Fasten Jesu in der Wüste als Vorbereitung auf sein öffentliches Wirken. Lukas mag also mit der Zahl 40 auf die Intensität der nachösterlichen Christuspräsenz hingewiesen haben, die aber in eine andere, eine schwierige Zeit, jene der Kirche, hineinmünden musste.
Wurden die Christen bis Mitte des vierten Jahrhunderts noch systematisch verfolgt und war ihre Theologie lange stark von der Naherwartung des Wiederkommens Christi geprägt, begann nun eine lange Epoche der Konsolidierung der Kirche als Staatsreligion. In diese Zeit fällt auch die chronologische Ausfaltung der verschiedenen Aspekte des Pascha-Mysteriums: die Geistsendung wird auf das jüdische Wochenfest 50 Tage nach Pessach datiert: Pfingsten. Die von Lukas genannte Zahl der 40 Tage erhält nun historisierenden Charakter. So wird, was lange zusammen gedacht und gefeiert wurde, entfaltet und in der Folge zunehmend isoliert.
Die fortschreitende Verselbständigung von Himmelfahrt und Pfingsten bildeten eine Reihe von z.T. fragwürdigen Bräuchen aus. Wenn etwa während Jahrhunderten zur Lesung der Himmelfahrtsschilderung die Osterkerze ausgeblasen wurde, verhalf dies wohl eher zur Verunklarung als zum theologischen Verständnis des zugrunde liegenden Ereignisses. Die jüngste Neuordnung der Liturgie hat versucht, den österlichen Bogen wieder deutlicher bis nach Pfingsten hin auszuspannen: 7 x 7 + 1 Tage lang Ostern feiern.

 

Himmelfahrt Christi als unser aller Destination

Die Texte der Liturgie zum Hochfest Christi Himmelfahrt sind denn auch durchgängig von der theologischen Bedeutung des Himmelfahrtsgeschehens als Teil des Pascha-Mysteriums geprägt und heben drei Bedeutungsebenen hervor.
Eine erste christologische Ebene unterstreicht mit den biblischen Texten die Erhöhung Jesu zur Rechten des Vaters: "Denn er ist heute als Sieger über Sünde und Tod aufgefahren in den Himmel. Die Engel schauen den Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Richter der Welt, den Herrn der ganzen Schöpfung." (Präfation I). In der Himmelfahrt kommt somit das Bekenntnis zum Sohn Gottes zum Ausdruck, der den Weg der Erniedrigung gehorsam gegangen ist, im Kreuzestod von der liebenden Macht des Vaters bestätigt und zum wahren Leben erweckt wurde. Er und der Vater sind eins; sein Platz ist zur Rechten des Vaters. Durch Gottes Selbstentäusserung im Sohn und durch seine Mission ist er legitimiert als Herr und Richter der ganzen Schöpfung.
Diese Endstation beim Vater ist aber nicht ihm reserviert. Im Hinabstieg in die Tiefen der Hölle und seinem österlichen Triumph hat er alle an sich gezogen (Johannes 12,32). Er will, dass alle eins sind mit dem Vater. Dies drückt der Fortgang der Präfation so aus: "Er kehrt zu dir heim, nicht um uns Menschen zu verlassen, er gibt den Gliedern seines Leibes die Hoffnung, ihm dorthin zu folgen, wohin er als erster vorausging." Aussagen über die Herrlichkeit Christi sind immer auch Aussagen zur Erlösung, die er uns versprochen hat. Diese Hoffnung drückt auch das Tagesgebet aus: "In der Himmelfahrt deines Sohnes hast du den Menschen erhöht. Schenke uns das feste Vertrauen, dass auch wir zu der Herrlichkeit gerufen sind, in die Christus uns vorausgegangen ist".
Dabei wirkt er jetzt schon "vom Himmel her" heilend für die ganze Welt durch seine sakramentale Präsenz im zeit- und ortsübergreifenden Hier und Jetzt. So ist die Himmelfahrt, der Heimgang zum Vater als Voraussetzung zu deuten, neu und universell präsent zu sein und zu wirken. Die historisch-räumliche Gegenwart Christi in Palästina in den 30er Jahren unserer Zeitrechnung war darauf angelegt, entgrenzt zu werden zu einer universalen Heilspräsenzweise. Dies wird gewirkt durch den Geist Gottes. Pfingsten gehört also engstens zum Verständnis von Himmelfahrt dazu.

 

Naive Weltflucht oder aber begründete Hoffnung als Katalysator der Menschlichkeit?

"Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel?" Die Zeit der Kirche, die Pfingstzeit – unsere Zeit – ist geprägt durch die Spannung zwischen dem Schon der heilenden Gegenwart Christi im Geist mitten unter uns und dem Noch nicht der erwarteten Neuschöpfung: "Der Herr wird wiederkommen, wie er jetzt aufgefahren ist" (Eröffnungsvers und letzter Satz der 1. Lesung: Apostelgeschichte 1,11). Noch ist nicht Himmel auf Erden. Dahin sollen wir aber streben, wenn wir im Gabengebet um die Gnade bitten, "dass wir uns über das Irdische erheben und suchen, was droben ist." Dass nicht Weltflucht gemeint ist, veranschaulicht auch obige Darstellung. Das gotische Fresko aus der Kirche St. Niklausen (OW) bildet den auffahrenden Christus zwischen Himmel und Erde ab. Er ist, wie es die Präfation sagt, "Mittler zwischen Gott und den Menschen". Die Fussabdrücke auf dem Berg zeigen, dass er Spuren hinterlassen hat, in denen auch wir gehen können. Sie führen uns alle dahin, wohin er uns vorausgegangen ist: zum Vater. Von dort her zeigt er uns jetzt schon, wozu wir berufen sind. Das Schon der gottdurchwirkten Welt ist deshalb wesentlich den umstehenden "Männern von Galiläa": der Kirche anvertraut. Die zur Verherrlichung berufen Glieder der Kirche sind aufgefordert, diese Hoffnung zu verbreiten, wie es im Evangeliumsvers zum Fest heisst (Matthäus 28,19f): "Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern. Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. Halleluja".

 

Peter Spichtig op

 

Stichwort

  • Österliches Herrenfest 40 Tage nach Ostern = Donnerstag der 6. Osterwoche
  • Inhalt seit Anfang Bestandteil des Glaubens der Kirche (vgl. Credo)
  • eigenes Fest seit 4. Jh.
  • biblisch: Apg 1,9-11; Lk 24,50-53; vgl. Mk 16,19
  • zwischen Himmelfahrt und Pfingsten: Bitte um die Gabe des Geistes (Novene)

Brauchtum

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In manchen historischen Kirchen (Beromünster, Hofkirche Luzern, Hitzkirch, Schwyz) lebt der in der Barockzeit verbreitete Brauch fort, die Himmelfahrt zu veranschaulichen, indem durch eine Öffnung der Kirchendecke eine Christusstatue aufgezogen wird.
Verbreitet waren in ländlichen Gebieten die Flurprozessionen mit Feldsegnung an Christi Himmelfahrt. Der Brauch hat sich da und dort erhalten, "zum Teil mit kärglicher Beteiligung der Bauernschaft" (Imfeld).
Beim spektakulären Auffahrtsritt in manchen Luzerner Landgemeinden ist (seit Beginn des 20. Jh.) der Pfarrer mit Monstranz bei den bisweilen Hunderten Reitern mit dabei (Beromünster, Altishofen, Hitzkirch, Ettiswil, Grosswangen, Sempach).

 

Geistlicher Impuls

Obwohl er dort ist, ist er bei uns, und obwohl wir noch hier sind, sind wir auch bei ihm. Das gilt bei ihm für seine Gottheit, seine Macht und seine Liebe. Wir vermögen es nicht wie er durch die Gottheit, aber wir vermögen es mit der Liebe, mit der Liebe zu ihm.

 

Augustinus (+ 430), Predigt auf Christi Himmelfahrt

 

Lesetipp

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Walter Heim, Volksbrauch im Kirchenjahr heute (Schriften der Schw. Gesellschaft für Volkskunde Bd. 67), Basel 1983, 102-104.

 

Links

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