Schwarze Madonna von EinsiedelnMaria Himmelfahrt - Mariä Aufnahme in den Himmel 15.8.

Ganz erlöst – mit allen Konsequenzen

Noch Geheimnis des Glaubens: die Aufnahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele, ganzer Mensch, ganz Frau bis in alle Ewigkeit.

 

 

Konzentriert gibt die Präfation am Beginn des Eucharistischen Hochgebets wieder, was katholische Christen am Fest Maria Himmelfahrt feiern:

„In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und das Werk deiner Gnade zu rühmen. Denn heute hast du die jungfräuliche Gottesmutter in den Himmel erhoben, als Erste empfing sie von Christus die Herrlichkeit, die uns allen verheissen ist, und wurde zum Urbild der Kirche in ihrer ewigen Vollendung. Dem pilgernden Volk ist sie ein untrügliches Zeichen der Hoffnung und eine Quelle des Trostes. Denn ihr Leib, der den Urheber des Lebens geboren hat, sollte die Verwesung nicht schauen. Darum preisen wir jetzt und in Ewigkeit dein Erbarmen und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit: Heilig ..."


Diese verdichtete Sprache setzt die urchristliche Erfahrung der Auferstehung Christi voraus. Langes theologisches Meditieren über Maria und ihren Sohn und eine spirituelle Versenkung in ihre Biographie haben die Kirche in der Erkenntnis sicher gemacht: Maria ist wirklich mit Leib und Seele aufgenommen in den Himmel, denn sie ist ganz erlöst – vom Beginn ihres irdischen Lebens an bis zu ihrer Vollendung. Das Fest Maria Himmelfahrt widerspricht damit allen leibfeindlichen Tendenzen. Was an ihr geschehen ist, dürfen alle für sich erhoffen, die an Christus glauben.

 

Ostererfahrung

Älter als die Evangelien sind die Briefe des Apostels Paulus. Sie sprechen immer wieder von Tod und Auferstehung Jesu. Das ist für die Urkirche die absolut erstaunliche Tatsache, ihre Urerfahrung: Da ist einer, den der Tod nicht halten konnte, der auferstanden ist, der lebt. Offenbar haben die ersten Christen schnell verstanden, dass die Macht des Todes so im Fundament erschüttert ist: Was an Christus geschehen ist, gilt jedem Menschen, jedem Christen. Denn Christus ist von Gott als erster lebendig gemacht worden, dann folgen alle, die zu ihm gehören (vgl. 1. Korintherbrief 15,23: 2. Lesung am Festtag). Noch stärker sagt es der Epheserbrief: Er, Gott, „hat uns mit Christus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben." (Eph 2,6: Lesung im Stundengebet des Festes Maria Himmelfahrt)

 

Übertragbar auf Maria?

Was aber mag einer Frau, die Gott das irdisch-menschliche Leben geschenkt hat, widerfahren, wenn sie selbst einmal stirbt? Muss nicht von ihr in besonderer Weise gelten, dass sie von Gott lebendig gemacht wird, weil sie ganz besonders eng zu Christus gehört? Muss Gott ihr nicht an allererster Stelle einen Platz mit Christus zusammen im Himmel geben? – Weil Maria schon im Ursprung ihres Daseins von Gott erwählt, gehalten und begnadet ist, lebt sie ihre Freiheit als volle und ganze Entscheidung. So antwortet sie auf die Ankündigung der Empfängnis Jesu mit einem schlichten „ja, mir geschehe nach deinem Wort". In diesem einfachen Satz aber schenkt sie sich mit jeder Faser ihrer Existenz. Sie bleibt in Gott mit dieser Antwort des Glaubens, nichts trennt sie hier oder auf ihrem weiteren Lebensweg von ihm. Weil nichts sie von Gott trennt, ist Maria ganz erlöst bis in die Wurzeln ihres Daseins hinein und bis in die letzten Konsequenzen, also bis in den Tod hinein und das, was danach folgt.

 

Totale Biographie

Ihre Biographie bildet eine einmalige Ganzheit, sie vollendet sich total in der Aufnahme im Himmel. Eindringlich und poetisch-paradox spricht Johannes von Damaskus davon (gestorben vor 754). Er wird in der Konstitution "Munificentissimus Deus" zitiert, mit der die leibliche Aufnahme Mariens viele Jahrhunderte nach der Einführung dieses Festes zum Dogma der katholischen Kirche wurde: „In der Geburt des Herrn blieb ihre Jungfräulichkeit unverletzt. So musste ihr Leib auch nach dem Tod unversehrt bleiben. Sie hat den Schöpfer als ihr Kind an ihrer Brust getragen, darum musste sie auch mit ihm im Himmelszelt weilen. Die Braut, die der Vater sich verlobt hatte, musste das Brautgemach im Himmel bewohnen. Sie hatte ihren Sohn am Kreuz gesehen. Das Schwert der Schmerzen, dem sie bei der Geburt des Kindes entgangen war, durchbohrte ihre Brust. Nun musste sie ihn auf dem Thron des Vaters schauen. Die Mutter Gottes musste besitzen, was ihrem Sohn gehört, und sie musste von allen Geschöpfen als Mutter und Magd Gottes verehrt werden." (aus dem Stundengebet des Festes Maria Himmelfahrt) Ihre Biographie kann nicht enden mit dem biologischen Tod, sie vollendet sich in der Teilhabe an der himmlischen Existenz ihres Sohnes.

 

In den Himmel aufgenommen

Der Himmel ist der Ort Gottes, kein Ort, der etwas mit Wolken, Meteorologie oder Raumfahrt zu tun hat, vielmehr ein Ort, nach dem wir so wenig greifen können wie nach den Wolken, ein Ort der immer höher und anders ist als jeder Ort, auf dem wir stehen können und sei es ein noch so weit entfernter unzugänglicher Planet. Niemand kann sich selbst an diesen Ort beamen. Auch Maria kann nicht aus eigener Kraft und Vollkommenheit in den Himmel auffahren. Die Sprache der Gebete ist eindeutig: „Du hast ... sie mit Leib und Seele zur Herrlichkeit des Himmels erhoben" (Tagesgebet am Festtag), „aufgenommen in den Himmel ist die Jungfrau Maria" (Ruf vor dem Evangelium), „... Maria, die du in den Himmel aufgenommen hast" (Gabengebet und Schlussgebet am Festtag). Gott handelt, nicht Maria. Deshalb heisst das Fest in der katholischen Kirche „Mariä Aufnahme in den Himmel".

 

Und was ist mit uns?

Jeder Gottesdienst feiert den Überschritt Jesu vom Tod zum Leben als Wirklichkeit, die auch uns gilt. Durch seine Auferstehung zieht Christus alles zum Leben hin (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 1085) – als erste von allen Menschen hat er seine Mutter ganz in seine Lebenssphäre als Auferstandener hineingezogen, ein für allemal und ganz, d.h. mit Leib und Seele. Weil er auferstehend dem Tod seine Basis entzogen hat und alles zum Leben hinzieht, muß zwar jede/jeder auf Christus Getaufe wie Maria den biologischen Tod sterben, aber er durchlebt ihn zum Leben ihn. Dafür ist Maria untrügliches Hoffnungszeichen und Quelle des Trostes (vgl. Präfation). Die Legende sagt das im Bild aus: Ihr Leichnam habe keinen Verwesungsgeruch, sondern wohlriechende Düfte verströmt. Als die Kräutersegnung in den Festgottesdienst eingeführt wurde, war diese Legende noch bekannt. Der Duft der Heilkräuter und Blumen, die auch heute noch an vielen Orten an Maria Himmelfahrt gesegnet werden, verbindet mit der Freude über die Schöpfung die Erinnerung an den Wohlgeruch Mariens als Hinweis auf die Bewahrung ihres Leibes in der Wirklichkeit der Auferstehung.

 

Fest der Freude am Leib

„Das Wort ‚Leib' steht im Zusammenhang des heutigen Festes auch für Sinnlichkeit, Vitalität, (An-)Triebe, für die ganze Reichweite des Lebens. All das, was auch die Zwiespältigkeit des Leibes ausmacht: Hinfälligkeit, Bremswirkung für das Geistige, Sterblichkeit, ist in dieser Himmelfahrt überwunden. Es ist überaus wichtig, dass dieses Auf- und Angenommenwerden an einer Frau geschieht: In ihr bildet sich ab die ‚Erde', die Materie, die Schöpfung überhaupt, eben ‚Leiblichkeit', was in der archetypischen Zuweisung, wie Jung erkannt hat, weiblichen Charakter trägt. Anders gesagt: In diesem Fest wird die Liebe Gottes zu allem, was unsere irdische Natur ausmacht, begangen. Nicht Verweigerung, Verdrängung, asketische Bändigung unseres Leibes steht zur Debatte, sondern seine versprochene Ganzheit = Heiligung. Wenn sich Plotin nach einem Zeugnis des Origenes schämte, einen Leib zu haben, so könnte man hier von einem Fest der Freude am Leib sprechen." (Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz)

 

Gunda Brüske

 

Stichwort

  • Hochfest am 15. August
  • entstanden im 5. Jh. in Jerusalem
  • Kräutersegnung seit dem 10. Jh.
  • Dogmatisierung der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel 1950

Praxis-Tipp

Hier die Praxis aus einer österreichischen Pfarrei:

 

Bevor die Kräuter gesegnet werden, um diese am Schluss der Hl. Messe an die Gläubigen zu verteilen, stellen die Frauen für alle Kräuter aus der "Apotheke Gottes" einige davon vor und erklären den "symbolischen" Wert der Kräuter für eine Pfarrgemeinde, z.B.:
"Das Öl der Sonnenblumenkerne gibt ein gutes Hautpflegemittel. Wir danken allen, die durch ihre Mitarbeit überzeugen, andere dadurch motivieren und den Pfarrer besonders in der Seelsorge unterstützen".
Nach der Hl. Messe teilen die Frauen die Kräuter an die Gläubigen und laden zu einer Agape mit Kuchen, Brot und Wein.

 

Einleitendes Sprechstück zur Kräutersegnung (12 KB)

 

Brauchtum

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Kräutersegnungen gab es ursprünglich nicht nur am Fest Maria Himmelfahrt. Viele Kräuter sind erst Mitte August reif, so blieb die Segnung am 15.8. bis heute in vielen Pfarreien erhalten. Der Kräuterbusch besteht z.B. aus Wermut, Heidrich, Pfefferminze, Kamille und anderen Heilpflanzen. Oft werden auch Blumen eingebunden. Der Segen und die Schönheit der Schöpfung sind so in den Gottesdienst hineingenommen und verbunden mit der Bitte um das Heil des ganzen Menschen.

 

Geistlicher Impuls

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Ein jüdisches Sterbegebet spricht in Bildern, die denen der Ikonen erstaunlich nahe sind. Ob Maria selbst es schon kannte, ist jedoch ungewiss.

 

„Herr, allmächtiger Gott, Gott Israels,
in deiner Hand ist der Atem aller Lebendigen und der Geist jedes Menschen.
Nun ist der Augenblick gekommen,
in welchem ich meine Seele, die du mir gegeben, dir wieder zurückgeben soll.
Nimm du selbst sie von mir, dass sie, wie vom Kusse reiner Liebe berührt,
heiter dahinschreite und die Vorstellung von einem Todesengel
mich nicht ängstige, nicht schrecke.
Nimm mich auf im Schutze deiner Allmacht, dass ich im Schatten deiner Flügel geborgen sei.
Lass meinen Leib und meine Seele stets deine Gnade und deine Treue erfahren.
Engel der Barmherzigkeit sollen meine Seele aufnehmen und,
begleitet von den verklärten Seelen der Frommen, sie ins himmlische Eden bringen.
Meinem Leibe werde ungestörte Ruhe im Grabe,
bis dein Ruf ihn zur Auferstehung erwecken wird."

 

Lesetipp

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Erde singe - Ein Garten für unsere Kirche
dialogverlag Münster 2007
von Andrea Gabriele Fritz (Texte)

und Andreas Raub (Zeichnungen)

 

Geschichte des Gartens der Pfarrei Sankt Theresia in Münster - mit einer Fülle von Hinweisen und Anregungen, welche Pflanzen und Blumen sich zu welchen Anlässen als Kirchenschmuck eignen und welche Überlegungen die Auswahl und Pflege des Kirchenschmucks bestimmen können.

 

Links

Liturgische Texte am Vorabend

 

Liturgische Texte am Festtag