Entzuenden der_OsterkerzeOsterkerze

"Lumen Christi - Christus, das Licht"

Licht breitet sich aus und erhellt die ganze Kirche. Die Prozession mit der Osterkerze zu Beginn der Osternacht ist einer der eindrücklichsten Augenblicke im Kirchenjahr.

 

Obwohl wir heute mit künstlichem Licht fast beliebig die Nacht zum Tag machen können, hat das Erlebnis von Dunkelheit nichts von seiner Faszination verloren. Es gehört zu den Grunderfahrungen menschlichen Lebens. „Wir tappen im Dunkeln" bedeutet wörtlich oder im übertragenen Sinn: Wir sind unsicher und wissen nicht weiter. Das Dunkle lähmt, hält gefangen, verhindert Leben und Wachstum.
Wo hingegen Licht ins Dunkel fällt, fühlen wir uns sicher und können uns frei bewegen. Von daher ist verständlich, dass in früheren Zeiten das Anzünden eines Lichtes am Abend eine besondere Bedeutung hatte. Die Menschen waren dankbar für das Licht in der Nacht, das ihnen Sicherheit und Orientierung bot. Die Christen, die sich abends versammelten, verbanden das Anzünden und Begrüssen des Lichtes mit der Bitte um den Schutz Gottes und um das Wiederkommen ihres Herrn.

 

Feuersäule

Der erste Teil der Osternachtfeier, die Lichtfeier, nimmt dieses abendliche Ritual auf. Im Licht des Osterfeuers versammelt sich die Gemeinde. Am Feuer wird die Osterkerze angezündet, in deren Schein die Menschen sich auf den Weg machen in die Kirche.
Als Gott vor Zeiten das Volk Israel aus der Knechtschaft in Ägypten befreit hat, ist er ihm nachts in Gestalt einer leuchtenden Feuersäule vorangezogen, um ihm den Weg zu weisen. An dieses Urereignis unseres Glaubens werden wir erinnert, wenn bei dem Gang in die dunkle Kirche die Osterkerze – gross wie eine Säule – vorangetragen wird.
In die stillschweigende Prozession hinein ruft der Diakon drei Mal: „Lumen Christi" (Christus, das Licht) und die Gemeinde antwortet mit „Deo Gratias" (Dank sei Gott). Die Umstehenden zünden ihre Kerzen an der Osterkerze an und reichen das Licht weiter. Es verbreitet sich in der Versammlung, es vermehrt sich und verbindet die Feiernden untereinander.

 

Morgenstern

Nach der Einzugsprozession erklingt das feierliche Osterlob (Exsultet). Darin wird das Licht der Osterkerze gepriesen, das die Finsternis der Nacht vertreibt. Die Osterkerze repräsentiert Christus, der durch die Auferstehung die Nacht des Todes vertrieben hat und den Menschen in den Nächten ihres Lebens aufleuchtet als der „wahre Morgenstern, der in Ewigkeit nicht untergeht". In der Osterkerze wird die christliche Hoffnung sichtbar, dass das Licht stärker ist als das Dunkel. Christus, der Morgenstern, gibt menschlichem Leben Sinn und Ziel, so dass das Tappen im Dunkeln ein Ende hat.

 

Licht der Getauften

Bei der Taufwasserweihe in der Osternacht tritt die brennende Osterkerze nochmals in Aktion. Sie wird in das Wasser eingetaucht mit den Worten: „Durch deinen geliebten Sohn steige herab in dieses Wasser die Kraft des Heiligen Geistes, damit alle, die durch die Taufe mit Christus begraben sind in seinen Tod, durch die Taufe mit Christus auferstehen zum ewigen Leben." Alle, die mit Wasser und Heiligem Geist getauft sind, gehören zu Christus, stehen in seinem Licht und bilden eine Gemeinschaft des Lichtes. Das wird deutlich, wenn bei der Erneuerung des Taufversprechens die Feiernden ihre Kerzen nochmals anzünden.

 

Durch das Jahr – durch das Leben

Die Osterkerze ist die wichtigste Kerze in der Liturgie. Sie ist reich geschmückt und wird mit Weihrauch verehrt. Wie der Altar, das Evangelienbuch und die eucharistischen Gaben ist sie ein Zeichen dafür, dass der auferstandene Christus gegenwärtig ist, wenn sich die Menschen in seinem Namen versammeln. Während der Osterzeit steht sie im Altarraum und brennt bei jedem Gottesdienst.
Auch während des Jahres bis zum nächsten Osterfest begleitet die Osterkerze das Leben der christlichen Gemeinde. Sie brennt bei einer Taufe und bei einem Begräbnis. Denn Christus, das Licht, führt die Seinen auf dem Lebensweg durch den Tod zur Auferstehung.

 

Josef-Anton Willa

Praxis-Tipp

Die Bereitung der Osterkerze

 

Die Osterkerze kann mit einem Kreuz und fünf Weihrauchkörnern, den griechischen Buchstaben Alpha und Omega und der Jahreszahl verziert sein. Erfolgt die Ausschmückung in der Osternachfeier selbst, wird sie durch die Worte begleitet: „Christus, gestern und heute, Anfang und Ende, Alpha und Omega. Sein ist die Zeit und die Ewigkeit. Sein ist die Macht und die Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen." Die fünf Weihrauchkörner werden in das Kreuz eingefügt mit den Worten: „Durch seine heiligen Wunden, die leuchten in Herrlichkeit, behüte uns und bewahre uns Christus, der Herr. Amen." (Siehe: Messbuch, Karwoche und Osteroktav, 1996. S. 103-104).

Bei der Gestaltung der Osterkerze können Erstkommunionkinder oder andere Pfarreiangehörige mitwirken. Kinder lassen sich auch für die Verzierung von kleinen Kerzen für die Mitfeiernden der Osternacht begeistern.

 

Geistlicher Impuls

"O wahrhaft selige Nacht,
die Himmel und Erde versöhnt,
die Gott und Menschen verbindet!

 

In dieser gesegneten Nacht, heiliger Vater,
nimm an das Abendopfer unseres Lobes,
nimm diese Kerze entgegen
als unsere festliche Gabe!
Aus dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet,
wird sie dir dargebracht von deiner heiligen Kirche
durch die Hand ihrer Diener.

 

So bitten wir dich, o Herr:
Geweiht zum Ruhm deines Namens,
leuchte die Kerze fort,
um in dieser Nacht das Dunkel zu vertreiben.
Nimm sie an als lieblich duftendes Opfer,
vermähle ihr Licht mit den Lichtern am Himmel.
Sie leuchte bis der Morgenstern erscheint,
jener wahre Morgenstern,
der in Ewigkeit nicht untergeht:
dein Sohn, unser Herr Jesus Christus,
der von den Toten erstand,
der den Menschen erstrahlt im österlichen Licht;
der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit."

 

Auszug aus dem Osterlob (kürzere Form)


Facts

Der Platz für die Osterkerze

 

„Die Osterkerze hat ihren Platz entweder neben dem Ambo oder neben dem Altar; sie wird wenigstens zu allen grösseren liturgischen Feiern der Osterzeit angezündet, sei es Messe, Laudes oder Vesper, bis zum Pfingstsonntag. Danach wird sie in der Taufkapelle ehrfürchtig aufbewahrt, und bei Tauffeiern werden an ihr die Taufkerzen angezündet. Bei Begräbnisfeiern soll die Osterkerze an den Sarg gestellt werden zum Zeichen, dass der Tod des Christen sein persönliches Pascha ist. Ausserhalb der Osterzeit darf die Osterkerze nicht angezündet werden und auch nicht im Altarraum stehen."

 

Über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung. Rundschreiben der Kongregation für den Gottesdienst (1988) Nr. 99


Lesetipp

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Clara Vasseur, Altes neu entdecken: Die reiche Symbolik der Osterkerze. Beuroner Kunstverlag 2007.