Die Vision der MariaVerkündigung des Herrn 25.3.

Mit Verstehenshilfen von ganz oben

Gottes Willen tun, schön und gut. Maria fragt dazu gleich einmal bei einem seiner Engel nach. Ihr Ja-Wort trägt durch - von der Geburt Jesu bis zu seinem Tod und darüber hinaus.

 

Beide – Jesus wie Maria – haben sich zu ihrer Antwort dem Allerhöchsten gegenüber durchringen müssen. Maria fragte erst nach und brauchte die Verstehenshilfen des Engels, bevor sie ihr Einverständnis gab. Und Jesus hat "mit lautem Schreien und unter Tränen" und "durch Leiden den Gehorsam gelernt", (Hebräerbrief 5,7.8). Sein Ja zum Willen Gottes ist ihm nicht leicht gefallen. So aber wurde er zum "Immanuel", das heisst: zum "Gott mit uns". Gottes Wille ist, mit den Menschen zu sein – von der Verkündigung der Geburt Jesu an bis heute in jeder liturgischen Feier und im Leben der Menschen.

 

Eine Himmlische Botschaft in dichter Sprache

Das Fest der Verkündigung des Herrn steht in direkter Abhängigkeit vom Weihnachtsfest. Neun Monate vor dem Geburtstag Jesu wird die Verkündigung seiner Geburt an Maria gefeiert: 25. Dezember – 25. März. Weihnachtlich klingen deshalb auch die Lesungen des Festes. Das Evangelium gehört zur Kindheitsgeschichte Jesu nach Lukas (Lukas 1,26-38). Der Engel Gabriel kündet Maria die Geburt eines Kindes an, auf dessen Bedeutung eine Reihe biblischer Anspielungen hinweisen: "Er wird gross sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben ... das Kind wird heilig und Sohn Gottes genannt werden." (Lukas 1,32-33.35).

 

Was der Engel sagt, ist keine einfache Sprache. Sie ist für den unvorbereiteten Hörer auf Anhieb kaum zu verstehen, denn die Worte des Engels beziehen sich auf den ersten Teil der Bibel. Sie sind ein dicht gewobener Text von Anspielungen und Hinweisen, welche einen „Kon-Text" herstellen. Das heisst, sie lassen andere Bibelstellen anklingen und zeichnen zusammengenommen ein vielschichtiges und facettenreiches Bild vom Rang und der Aufgabe des (un)erwarteten Kindes.

 

Ein Kind als Zeichen Gottes

Die erste Lesung (Jesaja 7,10-14) ist solch ein zentraler Verweistext. Darin ist ebenfalls von der Geburt eines Kindes die Rede. Ahas, dem König von Jerusalem, wird ein göttliches Zeichen angeboten: "Erbitte dir vom Herrn, deinem Gott, ein Zeichen!" Ahas lehnt allerdings unter einem frommen Vorwand ab; er will sich nicht eindeutig durch das göttliche Angebot verpflichten lassen. Der Prophet Jesaja sagt dennoch ein göttliches Zeichen an: die Geburt eines künftigen königlichen Nachkommen: "Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben."

 

Dieses Königskind wird als Spross des Ahas auch Nachkomme Davids sein und dessen Thron erben. Ihm ist göttlicher Beistand nicht nur persönlich zugesagt. Er verkörpert regelrecht die Zusage von Hilfe und Heil für das ganze Volk Gottes.

 

Die Hoffnung auf dieses Kind ist im Laufe der Jahrhunderte nicht verloren gegangen. Die ersten Christen haben dieses verheissene Kind in Jesus von Nazaret wiedererkannt. Dies erzählt das Lukasevangelium sehr anschaulich in der Weihnachtsgeschichte. Die Engel erscheinen den Hirten und verkünden: "Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr" (Lukas 2,11). Um ihren Retter und Herrn erkennen zu können, brau-chen die Hirten allerdings ein Erkennungszeichen. Darum fahren die Engel fort: "Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt." Das Kind in der Krippe ist also das leibhaftige Zeichen, dass "Gott mit uns" ist.

 

Vom Kind in der Krippe ist aber erst in neun Monaten die Rede. Erstmals ist nichts zu sehen und zu hören. Und trotzdem hat Gott sein Zeichen gegeben und Neues begonnen. Es ist unscheinbar und doch real.

 

Fiat – Ja

Auch die zweite Lesung ist mit Bedacht gewählt. Sie stammt aus dem Hebräerbrief (10,4-10) und legt Worte aus Ps 40 (= Antwortpsalm) Christus in den Mund. Mit ihrer Hilfe deutet der Hebräerbrief das Leben und den Auftrag Christi. Christus nimmt die Sünden weg, indem er Ja zum Willen Gottes sagt und sein Leben für die Menschen hingibt. Der entscheidende Satz lautet entsprechend der griechischen Übersetzung: "Ja, ich komme, um deinen Willen zu tun" (Hebräerbrief 4,9 = Psalm 40,8f).

 

Die Antwort Mariens im Evangelium: "Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast" (Lukas 1,38), lässt die Antwort Christi in der zweiten Lesung anklingen: "Ja, ich komme, um deinen [= Gottes] Willen zu tun". Das heisst: In der Menschwerdung Jesu sind der Wille Gottes und der Wille des Menschen in einzigartigem Gleichklang.

 

Weihnachten und Ostern gehören zusammen

Was aber ist der Wille Gottes? Gott will nichts anderes als das Heil aller Menschen! Darum soll das neugeborene Kind auch "Jesus", das bedeutet übersetzt "der Herr schafft Heil", genannt werden. Wie Gott Heil schafft, wird nicht nur in der Menschwerdung, sondern letzten Endes in der Lebenshingabe Jesu und seiner Rettung aus dem Tod sichtbar. Darum stehen die Menschwerdung Jesu und sein Tod und seine Auferstehung in engstem Zusammenhang. Jesus Christus kommt in die Welt (= Advent und Weihnachten), um sein Leben für das Heil der Menschen hinzugeben (= Karfreitag und Ostern).

 

Durch das Datum 25.3. rückt das Fest der Verkündigung des Herrn sehr nahe an Ostern heran, gelegentlich fällt es auch in die Kar- oder Osterwoche. Der zeitlichen Nähe entspricht durchaus eine inhaltliche Beziehung. Übrigens hat mancher Künstler um diese innere Bezogenheit von Weihnachten und Ostern gewusst, wenn er – völlig unhistorisch – eine Kreuzesdarstellung in die Krippe hineingemalt hat.

 

Menschwerdung und Lebenshingabe Jesu sind Zeichen der Liebe Gottes zu den Menschen. Und die Auferstehung ist das göttliche Bestätigungszeichen für den Auftrag Jesu!

 

In der Liturgie geschieht, was die Glaubenden feiern

Die liturgischen Zeichen – Worte, Personen, Gesten, Dinge – sind mehr als hinweisende Zeichen. In ihnen wird das göttliche Geheimnis selbst gegenwärtig und wirksam. Somit ereignet sich in jedem Gottesdienst, was am Fest der Verkündigung besonders gefeiert wird: Gott spricht den Menschen an und schenkt ihm seine Nähe. Durch den Geist Gottes nimmt der hörende Mensch "das Wort" – also Christus selber – auf, lässt sich von ihm wandeln und bringt im Leben Frucht.

 

In einzigartiger Weise geschieht diese Wandlung in der Feier der Eucharistie. Sie ist das intensivste Zeichen für die stets aktuelle Gegenwart Gottes unter den Menschen. In ihr kommt Gott im verkündeten Wort zur Welt (Weihnachten) und gleichzeitig ist die Eucharistie Gedächtnisfeier des Todes und der Auferstehung Jesu Christi (Ostern).

 

Gott setzt seinen guten Willen, sein Ja zu den Menschen, durch. Aber nicht ohne den Menschen. In der liturgischen Feier wird das einmalige Geschehen an Maria, von dem im Festtagsevangelium die Rede ist, ein "typisches" Geschehen. Das heisst: Im Leben jedes Christen will Gott ankommen und leibhaft konkret werden.

 

P. Gregor Brazerol OSB

 

Stichwort

  • Verkündigung des Herrn ist ein Christusfest, da die weihnachtliche Menschwerdung des Wortes Gottes gefeiert wird.
  • Das Datum leitet sich von Weihnachten her: neun Monate vor dem 25. Dezember.
  • Fällt das Fest in die Kar- oder Osterwoche, wird es auf den Montag nach dem Weissen Sonntag verschoben.
  • Während des Credo knien die Gläubigen wie in der Weihnachtszeit zu den Worten "hat Fleisch angenommen" oder "empfangen durch den Heiligen Geist".

Brauchtum

Bauernregeln aus der Hompage der Wiener Pfarrei Stadlau (http://www.pfarrestadlau.at)

 

Wenn Maria wird verkündet, Storch und Schwalbe heimwärts findet.
Ist Marien schön und hell, gibt's viel Obst auf alle Fäll.
Lein, gesäet Marientag, wohl dem Nachtfrost trotzen mag.
Maria Verkündigung, kehren die Schwalben wieder um.
Maria bindet Reben auf und nimmt noch leichten Frost in Kauf.
Wenn der Sonnenaufgang an Mariä Verkündigung ist hell und klar, so gibt es ein gutes Jahr.
Schöner Verkündigungsmorgen, befreit von vielen Sorgen.
Ist Marien schön und klar, naht die ganze Schwalbenschar.
Ist Mariä Verkündigung schön und rein, wird das ganze Jahr recht fruchtbar sein.
Soviel Tage vor Mariä Verkündigung die Frösche quaken, soviel Tage müssen sie hinterher schweigen.

 

Geistlicher Impuls

"Den im Evangelium wiedergegebenen Worten und Gesten können wir entnehmen, wie Maria sich in ihrem Leben wirklich in die Worte der Propheten versenkte und das Kommen des Herrn mit ihrem ganzen Sein erwartete. Dennoch konnte sie nicht ahnen, wie dieses Kommen vonstatten gehen sollte. Vielleicht erwartete sie ein Kommen in Herrlichkeit. Um so überraschender war für sie der Moment, als der Erzengel Gabriel in ihr Haus eintrat und ihr sagte, dass der Herr, der Erlöser, in ihr und von ihr Fleisch annehmen und sein Kommen durch die verwirklichen wollte. Wir können uns die Befangenheit der Jungfrau gut vorstellen. Mit einem grossen Akt des Glaubens und des Gehorsams sagt Maria 'Ja': 'Ich bin die Magd des Herrn'. So wurde sie zur 'Wohnstatt' des Herrn, zum wahren 'Tempel' in der Welt und zur 'Tür', durch die der Herr in die Welt eingetreten ist."

 

Benedikt XVI., Vesper im Petersdom am 1. Adventsonntag, 26. November 2005

 

Links

Liturgische Texte

 

zum Bild von Brigitta C. Quast