LobpreisschaleHalleluja

Jauchzen und Jubeln im Gottesdienst?

Freude und Begeisterung im öffentlichen Raum kundzutun, fällt uns heutigen Menschen nicht leicht. Es braucht passende Orte und Zeiten dazu, wie die Fasnacht oder die Sportarena.

 

Im gewöhnlichen Alltag wird von uns eher sachliches, beherrschtes Auftreten erwartet, ohne Gefühlsausbruch, Lärm und lautes Reden. Auch in der Kirche verhalten wir uns meist ruhig und zurückhaltend, um die Andacht der anwesenden Personen nicht zu stören.
Das war und ist aber nicht immer und überall so. Schon die Psalmen laden zu Begeisterungsstürmen ein: „Ihr Völker alle, klatscht in die Hände; jauchzt Gott zu mit lautem Jubel" (Psalm 47). Aus den frühen Zeiten der Kirche wird uns berichtet, wie die Gläubigen im Gottesdienst spontan ihre Stimme zu lautem Rufen und Singen erheben. Dabei spielt ein Wort eine wichtige Rolle: Halleluja! Zusammen mit den Psalmen übernahmen die Christen diesen hebräischen Gebetsruf unübersetzt aus dem jüdischen Gottesdienst. Er ist in allen christlichen Kirchen zum Jubelruf und Freudengesang par excellence und zu einem der häufigsten und beliebtesten liturgischen Formeln überhaupt geworden. In jeder Messfeier wird das Halleluja vor der Verkündigung des Evangelium gesungen (ausser in der Fastenzeit). Vor allem aber ist die fünfzigtätige Osterzeit davon geprägt; es gibt kaum ein Osterlied, in dem nicht ein Halleluja gesungen wird.

 

Wie das Halleluja klingt

Das Halleluja kann die verschiedensten musikalischen Formen annehmen: vom schlichten Kehrvers in der Psalmodie bis hin zum grossartigen Chorgesang in Händels Oratorium „Der Messias". Aufgrund seiner Lautgestalt ist es zum Jubelruf prädestiniert. Auf dem doppelten Konsonanten L schwingt sich der Gesang empor. Die Wiederholung des Konsonanten erinnert an das zufriedene Lallen eines Kleinkindes. Nach einem Zwischenhalt auf dem Vokal U gibt das J einen neuen Impuls und mündet in ein langgezogenes A. Auf diesem Schlussvokal macht sich der Gesang bisweilen selbstständig; er entwickelt sich zu einem wortlosen Jubilieren, im gregorianischen Choral Jubilus genannt.
Ähnlich wie die Rufe: Hurra, Bravo, Juhui usw. kann auch das Halleluja nicht einfach bloss dahingesagt werden. Es ist eines der wenigen Elemente der Liturgie, die wegfallen, wenn sie nicht gesungen werden.

 

Was das Halleluja bedeutet

Die Lautgestalt des Halleluja hat einen tieferen Sinn. Halleluja bedeutet „Preiset Ja(hwe)". Es ist ein Kraftwort, denn es enthält den Namen Gottes. Die Christen beziehen die Anrufung Gottes auf Jesus Christus, der in der liturgischen Versammlung gegenwärtig ist. Im Halleluja bekennen sie, dass Christus Gott ist. Sie verkünden, dass der Gekreuzigte lebt und die ganze Schöpfung am Sieg des Lebens über den Tod teilhaben lässt. Angesichts dieser Freudenbotschaft verschlägt es einem die Sprache: Die Wirklichkeit des neuen, österlichen Lebens, die mit Jesus Christus in die Welt eingetreten ist, übersteigt alle Worte. Die Buchstaben beginnen zu tanzen. Das Halleluja ist der Gesang der Befreiten: „Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendete, da waren wir alle wie Träumende. Da war unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel" (Psalm 126,1).

 

Freude und Begeisterung sind Merkmale christlichen Lebens und sollen ausstrahlen und anstecken. Darum hat auch das Jauchzen und Jubeln im Gottesdienst seinen Platz. Allerdings ist nicht eine oberflächliche Freude gemeint, sondern jene österliche Freude, die um die Wirklichkeit von Leiden und Sterben weiss. Das Halleluja ermöglicht es, dieser Freude Ausdruck zu verleihen, als wortloser Jubel und beredtes Zeugnis.

 

Josef-Anton Willa

Geistlicher Impuls

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Auferstehungslied

 

Den meine Seele liebt,
der ist das Licht.
Er spricht: Ich bin
das Licht der Welt.
Wir stehn darin.
Halleluja!

 

Den eure Seele liebt,
der ist ja da!
Dringt ohne Ton
durch alle Nacht,
Licht in Person.
Halleluja!

 

Er wandelt dich,
er wandelt mich,
zieht Finsternis in sich.
Er stirbt daran,
steht auf und lebt,
sein Reich bricht an!
Halleluja!

 

Silja Walter (* 1919)

 

Facts

"Auch das 'Halleluja' oder, je nach der Zeit des Kirchenjahres, der andere Ruf vor dem Evangelium bildet 'ein selbständiges Element' des Wortgottesdienstes der Messfeier. In diesem Ruf vor dem Evangelium nimmt die Gemeinde der Gläubigen den Herrn, der zu ihr sprechen will, auf, begrüsst ihn und bekennt singend ihren Glauben.

 

Das 'Halleluja' (in der Fastenzeit der andere entsprechende Ruf vor dem Evangelium) muss gesungen werden, und zwar nicht nur vom Kantor, der den Ruf anstimmt, oder von der Schola, sondern von der ganzen Gemeinde. Dabei stehen alle."

 

Pastorale Einführung in das Messlektionar Nr. 23.

 

"Vom Beginn der Fastenzeit bis zur Osternacht entfällt das 'Halleluja' in allen Gottesdiensten, und zwar auch an Hochfesten und Festen."

 

Paschalis sollemnitatis (1988), Nr. 18


Links

Bildimpuls zu Lobpreisschale von Cornelia Patschorke