Eine Auswahl HostienBrotbrechung

Christus für uns und wir mit ihm für die Welt

Gebrochenes Brot: Zeichen von Hingabe, Einheit und Aufforderung zum Teilen

 

 

Brot brechen: eucharistische Spiritualität im Alltag

Weit verbreitet ist der Brauch, einen neuen Brotlaib vor dem Anschnitt jeweils mit einem Kreuz zu bezeichnen. Mutter oder Vater zeichnet am Frühstückstisch mit dem Messer ein kleines Kreuz in den Brotboden, bevor sie oder er daran geht, das Brot für den Zmorge der ungeduldig wartenden Kinder anzuschneiden.

 

So schlicht dieses Zeichen ist, so eindeutig bezeugt es authentische eucharistische Spiritualität im Alltag. Am Familientisch werden ja nicht einfach nur Mäuler gestopft. Hier wirkt fort, was wir in der Messe feiern: Communio, Liebesgemeinschaft mit Christus und untereinander. Das kleine Ritual unterbricht für einen kurzen Augenblick den geschäftigen Alltag; einen Augenblick des Innewerdens, dass das „tägliche Brot" keine Selbstverständlichkeit ist. Dass „Kräfte der Natur" und viel „Mühe des Menschen" in diesem Grundnahrungsmittel stecken. Dass uns Jesus gelehrt hat, darum zu bitten und dafür dankbar zu sein. Dass er sich selbst als Brot des Lebens für die Welt verstand. Dass es Brot für alle geben muss. Dieses Ritual knüpft somit direkt am Brotbrechen in der Eucharistie an.

 

Das frühchristliche Herrenmahl: das Brotbrechen

Die Evangelisten berichten übereinstimmend, dass Jesus, wie wohl schon oft zuvor und wie das jeder jüdische Hausvater tat, auch beim Abschiedsmahl das Fladenbrot nahm, Dank sagte, es brach und den Jüngern reichte.
Paulus, der wie wir beim Abschiedsmahl Jesu selbst nicht dabei war, verdanken wir den ältesten Bericht dieser Szene: „Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!" (1 Kor 11,23f)

 

Auch andere Stellen in der Schrift zeigen, wie stark für die Christen der ersten Generationen die Identifikation der schlichten Geste des Brotbrechens mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn war. Lukas verdanken wir das Zeugnis der Emmausjünger, die den Herrn am Brechen des Brotes erkannten: „Da ging ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn (Lk 24,31). Derselbe Autor verwendet in der Apostelgeschichte wiederholt den Ausdruck „Brotbrechen" für das Zusammenkommen der jungen Gemeinde zum Gebet: „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten." (Apg 2,42; s. auch 2,46 und 20,7)

 

Über den für ein gemeinschaftliches Mahl rein praktisch notwendigen Vorgang des Teilens des grossen Fladenbrotes hinaus sah die junge Gemeinde Christi also im Brotbrechen das Wesen der Sendung Christi symbolisiert. Er stiftet Gemeinschaft, die sich im Teilen des einen Brotes ausdrückt. Er selbst ist dieses Brot, an dem wir Anteil erhalten. Das Brot ist der Leib Christi, an dem wir partizipieren oder, anders gesagt: kommunizieren. Die versammelte Gemeinde feiert, was sie im Mahl des geteilten Brotes zu werden aufgetragen ist: Leib Christi.

 

Das Brechen dieses einen Brotes weist aber auch auf Jesu Lebensopfer hin. Im Gedenken an das letzte Abendmahl mit ihrem Meister, die Nacht vor seinem Tod, als er dies Mahl auf seinen hingegebenen Leib und sein vergossenes Blut für die Welt hin deutete, hat die junge Gemeinde im gebrochenen Brot und dem herumgereichten Weinkelch den zerschundenen Leib Christi gesehen. Denn auch die traditionellen Tieropfer sahen vor der Verbrennung immer eine Trennung von Fleisch und Blut vor, was die Lebensvernichtung verdeutlichte und für die Wirksamkeit des Opfers entscheidend war. Beim Kommunizieren am Leib und Blut Christi, der nun als geschlachtetes Lamm Gottes gedeutet wird, finden die den Tod symbolisierenden Elemente zusammen und schenken Leben: Anteil am neuen Leben des von den Toten erstandenen Christus.

 

„Brotbrechen" wird somit in frühchristlicher Zeit zum treffenden Namen der ganzen Feier, was – im wahrsten Sinne des Wortes – nachvollziehbar ist.

 

Gut gemeint, aber voll daneben: Verdunkelung des Zeichens im Lauf der Geschichte

Je weniger die Gläubigen des Lateinischen mächtig waren und je mehr die Liturgie an den Klerus delegiert wurde, desto mehr bildete sich eine Schau- und Anbetungsfrömmigkeit heraus und desto weniger wurde mehr kommuniziert. Seit dem Spätmittelalter ging man so selten zur Kommunion, dass kirchenrechtlich vorgeschrieben werden musste, wenigstens einmal jährlich, nämlich an Ostern, hin zu gehen. Man kommunizierte meist geistig, d.h. sehend, betend die Heilsfrüchte der Messe erhoffend, während der Priester kommunizierte. Das änderte sich wesentlich erst Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Initiative Pius X., der die häufige Kommunion propagierte. Die Messe war de facto aber längst zur Priestermesse erstarrt und blieb es vorderhand: der Priester allein kommunizierte während der Messe, die er am Hochaltar zelebrierte. Dazu bedurfte es nur einer einzigen Hostie, die er in zwei Hälften brach, diese zu den Kommunionvorbereitungsgebeten wieder zusammenschob, kurz zeigte und sie dann konsumierte. Die Gläubigen, die die Messe „hörten" oder dazu sangen oder beteten, kommunizierten ausserhalb der Messe, vorher oder nachher, und zwar aus dem Tabernakel. Ihnen wurde aus einem Speisekelch kleine, weisse Hostien gereicht, die in einer früheren Messe konsekriert wurden.

Brotfladen

 

Wiederherstellung der Zeichenhandlung durch die Liturgiereform - theoretisch zumindest

Die vom II. Vatikanischen Konzil lancierte Messbuchreform stellte dieses wichtige Zeichen wieder her. Die Kommunion möglichst unter beiden Gestalten, Brot und Wein, soll als Abschluss des Hochgebets und somit als Ziel und Höhepunkt der Danksagung und Anbetung die Einheit des Leibes Christi, der Kirche, ausdrücken.
Dabei soll – idealerweise – das eine Brot geteilt werden, was den Vorschriften des Messbuchs unmissverständlich zu entnehmen ist (s. Randspalte). Von „Laien-", „Priester-„ und „Konzelebrationshostien" zu reden, ist somit schlicht Unfug, und als Priester die einzige grössere Hostie, gebrochen und wieder zusammengeschoben, selbst zu konsumieren, ist ein Wider-Sinn; einer, der wohl in der Kirchengeschichte während Jahrhunderten gepflegt wurde, was ihn deshalb freilich nicht weniger absurd erscheinen lässt.

 

Die Mütter und Väter, die zuhause das Brot vor dem Anschnitt mit dem Kreuz bezeichnen, haben diesen tiefen Sinn der Eucharistie trotz der mangelhaften Brotbrech-Praxis mancher Priester verstanden. Dass mehr und mehr gelegentliche oder gar regelmässige Kirchgänger ein eucharistisches Wunder erleben und tiefer verstehen, dazu kann bereits ein bewussterer und sorgfältigerer Umgang mit den Zeichen verhelfen, die der Herr uns zu tun aufgetragen hat.

 

Peter Spichtig op

Stichwort

  • Am Brotbrechen erkennen die Jünger den Auferstanden (vgl. Lk 24,31); die Apostelgeschichte und die frühen christlichen Gemeinden bezeichnen ihre sonntägliche eucharistische Zusammenkunft gar als „Brotbrechen".
  • Verlust der starken Symbolik durch Klerikalisierung der Messe seit dem Hochmittelalter: nur noch der Priester kommuniziert in der Messe. Der Ritus ist reduziert auf die Brechung der einzigen Hostie, der des Priesters.
  • Seit Beginn des 20. Jahrhunderts Propagierung des häufigen Kommunionempfangs – vor oder nach der Messe, was zunehmend als absurd empfunden wird.
  • Liturgiereform stellt Brotbrech-Ritus wieder her: Grosse Hostie(n), die wirklich in mehrere Stücke gebrochen werden können sollen.

Praxis-Tipp

Gleich morgen kann die Bestellung bei der Kloster-Hostienbäckerei angepasst werden: viel mehr grosse Hostien, die in viele Teile gebrochen werden können, und entsprechend weniger kleine „Single-Hostien". Sogenannte „Priesterhostien" erst gar keine mehr bestellen, die braucht es für eine Gemeindemesse eigentlich in keinem Fall mehr.

 

Die alten, vergoldeten Tulpenkelche und die flachen Tellerpatenen haben ausgedient: Sie waren stimmig für die Messe, in der allein der Priester kommuniziert hatte. Sie gehören nun an einen würdigen Platz im Museum. Fürs nächste Kirchgemeindebudget könnte die Bestellung einer wirklich grossen, schönen, edlen Hostienschale bei einem Künstler angeregt werden.

 

Wider-Worte

"Dem Reinigen der Gefässe nach der Kommunion widmet man durchschnittlich ungleich mehr Aufmerksamkeit und entsprechend mehr Zeit als dem Brotbrechen. Die Dinge sind so geradezu auf den Kopf gestellt: Die vom Herrn gestiftete sakramentliche Handlung des Brotbrechens ist sozusagen in die Hostienbäckerei verlegt, das Reinigen der Gefässe hingegen zum Geschehen auf dem Altar geworden! Was bleibt da noch vom betenden Schauen des Pascha Jesu im Brotbrechen und von der Huldigung an eben diesen am Kreuz zerbrochenen und erhöhten Herrn im Gesang des Agnus Dei?"

 

August Jilek (1994)

 

Geistlicher Impuls

"Folglich müssen unsere Gemeinden, wenn sie Eucharistie feiern, sich immer bewusster werden, dass das Opfer Christi für alle ist und die Eucharistie darum jeden Christgläubigen drängt, selbst 'gebrochenes Brot' für die anderen zu werden und sich also für eine gerechtere und geschwisterlichere Welt einzusetzen.

 

Wenn wir an die Vermehrung der Brote und der Fische denken, müssen wir erkennen, dass Jesus heute immer noch seine Jünger auffordert, sich persönlich zu engagieren: 'Gebt ihr ihnen zu essen!' (Mt 14,16). Die Berufung eines jeden von uns ist wirklich die, gemeinsam mit Jesus gebrochenes Brot für das Leben der Welt zu werden."

 

Papst Benedikt XVI., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Sacramentum caritatis von 2007, Nr. 88

 

Facts

... Es ist wünschenswert, dass für die Kommunion der Gläubigen die Hostien möglichst in jeder Messe konsekriert werden; bei den vorgesehenen Gelegenheiten sollen die Gläubigen nach Möglichkeit die Kelchkommunion empfangen. Dadurch wird die Teilnahme am Opfer, das gefeiert wird, auch im Zeichen besser sichtbar.

 

Die Aussagekraft des Zeichens verlangt, dass man die Materie der Eucharistie tatsächlich als Speise erkennt. Daher soll das eucharistische Brot ... so beschaffen sein, dass der Priester bei einer Gemeindemesse das Brot wirklich in mehrere Teile brechen kann, die er wenigstens einigen Gläubigen reicht. Die kleinen Hostien sind jedoch keineswegs ausgeschlossen, falls die Zahl der Kommunizierenden oder andere seelsorgliche Überlegungen sie erforderlich machen. Das Brotbrechen, das in apostolischer Zeit der Eucharistiefeier ihren Namen gab, bringt die Einheit aller in dem einen Brot wirksam und deutlich zum Ausdruck. Ebenso ist es ein Zeichen brüderlicher Liebe, da dieses eine Brot unter Brüdern geteilt wird.

 

Allgemeine Einführung ins Messbuch (1975), Nr. 56 und 283

 

Musik

Der Gesang zur Brotbrechung ist das Agnus Dei. Es wird sooft wiederholt, bis das eucharistische Brot gebrochen und zur Kommunion bereit ist: „Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, erbarme dich unser / gib uns deinen Frieden" deutet den Vorgang des Brotbrechens auf das Heilsopfer Christi.

 

Ablauf

  • Brotbrechung
  • Mischung: der Priester senkt einen kleinen Teil der Hostie in den Kelch
  • Agnus Dei als Begleitgesang der ganzen Handlung
  • Stillgebet und Kniebeuge des Priesters
  • der Priester zeigt den Gläubigen das eucharistische Brot und lädt zum Kommunionempfang ein