AbschlussarbeitAmen

Mehr als „Ja" und „Amen"

Amen - das ist mehr als einfach ein christliches O.K.! Amen heisst: Es steht fest und es gilt, ja ich stimme zu! Das Amen ist ein altes, noch immer starkes Wort.

 

 

Zustimmung aus der Menge

Das Amen ist ein starkes Wort und deshalb mehr als das gequälte, unverbindliche Ja-und-Amen-sagen. Die kurzen, knappen Worte sind entscheidend, wo nicht nur ein Einzelner oder eine kleine Gruppe, sondern ein grosse Menge von Menschen ihre Zustimmung nachdrücklich kundtun wollen. Im Sport ist das offensichtlich: Wenn der Ball ins Tor geht, sammelt sich die ganze Begeisterung in nur ein Wort: goal! Tor! Die Zustimmung der Fans zu ihrer Mannschaft macht nicht viele Worte – ein einziges, stürmisch zugerufen reicht völlig.
Den wiederholten, lebhaften Zuruf eines einzigen Wortes gibt es auch im Gottesdienst. Die Liebhaber klassischer Musik werden vielleicht zuerst an das Halleluja von Händel denken. Die Fans von Gospelchören denken sicher zuerst an das nur aus dem einen Wort bestehende „Amen". Das hebräische Amen des jüdischen Gottesdienstes blieb in der christlichen Liturgie von Anfang an und bis in die modernen Volkssprachen unübersetzt. Gerade weil das Amen unübersetzt geblieben ist, verbindet es Christen aller Sprachen und Konfessionen. Die Kraft dieses kurzen Wortes ist so stark, dass sich bis heute keine Übersetzung durchsetzen konnte.

 

Zustimmung in der Liturgie

Zur Zustimmung gehört, dass man das Gesprochene auch verstanden hat. Paulus, der will, dass man auch mit dem Verstand betet, schreibt: „Wenn du nur im Geist den Lobpreis sprichst und ein Unkundiger anwesend ist, so kann er zu deinem Dankgebet das Amen nicht sagen; denn er versteht nicht, was du sagst" (1 Kor 14,16).
Als Antwort wird das Amen am Schluss eines Lobpreises gesprochen. Ich habe verstanden, erkläre mich einverstanden und bekenne mich zu dem, was vor dem Amen im Gebet an Gott gerichtet worden ist. Wir kennen das feierliche Amen als Antwort auf das eucharistische Hochgebet, dem ein langer Dialog mit Gott vorausgeht. Den abschliessenden Lobpreis des Hochgebets – „Durch ihn und mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre jetzt und in Ewigkeit" – beantworten alle Feiernden mit einem nachdrücklichen Amen. Sie tun damit kund: Was der Priester im Hochgebet gesagt hat, das haben wir mit dem Herzen verstanden, dem stimmen wir zu, dazu stehen wir. Das kurze Wort ist ein Schwergewicht.
Es folgt auch auf ein Bittgebet, das mit einem Lobpreis Gottes endet: „denn dein ist das Reich und die Kraft ...": Amen. Auch Glaubensbekenntnis ist das Amen: Wir sprechen das Amen aber auch nach dem kurzen Dialog zwischen dem Kommunionspender und den Empfängern: Der Leib Christi – das Blut Christi! – Amen! Oder anders gesagt: So ist es.

 

Christus - Ja und Amen in Person

Für Paulus ist in der Person Jesus Christus das Ja Gottes zu den Menschen verwirklicht. „Er ist das Ja zu allem, was Gott verheissen hat. Darum rufen wir durch ihn zu Gottes Lobpreis auch das Amen." (2 Kor 1,20) Und in der Offenbarung des Johannes ist Jesus selber das grosse Amen: „So spricht Er, der ‚Amen' heisst" (Offb 3,14). Das Amen birgt deshalb in seinem Innersten die Quelle unseres Glaubens: Jesus Christus. Ein gewichtiges liturgisches Wort wird biblisch zum Namen einer Person – da ist mehr als „Ja" und „Amen".

 

Jürg Stuker / Gunda Brüske

Stichwort

  • Grundwort der jüdischen und christlichen Liturgie
  • hebräisch für: das stimmt, gilt, ist wahr
  • als Ausdruck nachdrücklicher Zustimmung zu Lobpreis und Gebet
  • Christus selber ist das Amen (Off 3,14)

Wider-Worte

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„Leider hat das Amen seinen akklamatorischen [zurufend-bestätigenden] Charakter weithin verloren, so dass es schliesslich ganz widersinnig vom Vorbeter selbst und vom Alleinbeter gesprochen werden kann. Wo es die Gemeinde spricht, ‚donnert' es kaum mehr, wie das Hieronymus einst für die römischen Basiliken bezeugte, zumal die zweite Silbe meist verschluckt statt betont wird. Entwertet wird das Amen auch durch seinen häufigen Gebrauch."

 

Rupert Berger

 

Geistlicher Impuls

Was sollen wir aus unsern Worten machen, aus unsern Gedanken, unsern Gebärden, unsern Blicken, wenn nicht ein jubelndes „Amen"?

 

„Wir können ‚Amen' zu dem Wort sprechen, das gesagt hat: ‚Es werde Licht.' Wir können ‚Amen' sagen zu dem, der gesagt hat: ‚Ich bin, der ich bin.'

 

Durch das ‚Amen' schliesst der Mensch sich der Wahrheit an, dem Jubelschrei des Sieges, dem Lobgesang der Glorie. Was ist der Lobgesang der Glorie, wenn nicht die Selbstbestätigung des aufleuchtenden Seins? Der Mensch muss sich in einen Jubelschrei verwandeln, er muss zu dem lebendigen Amen werden, das von der Erde zum Himmel aufsteigt. Was sollen wir aus unseren Seelen und Leibern machen, wenn nicht Stimmen, welche sprechen: ‚Amen'? Was sollen wir aus unsern Worten machen, aus unsern Gedanken, unsern Gebärden, unsern Blicken, wenn nicht ein jubelndes ‚Amen'? Das ‚Amen' spricht zu dem, der die Fülle ist: ‚Ja, Herr.' Wo das ‚Amen' nicht ist, ist die Leere, die uns bedroht, der Abgrund, der uns verschlingt. ...

 

Welch ein Wort ist doch das ‚Amen', das gesprochen wird vor und nach dem Gebet! ‚Amen!' Dieses Wort fasst alles zusammen, was die Kräfte der menschlichen Seele von der Herrlichkeit Gottes wünschen können. ...

 

Über den Stimmen der Menschen ertönen noch andere Stimmen: Das ‚Amen' der Erde begleitet das ‚Amen' des Himmels.

 

‚Und alle Engel umstanden den Thron, die Greise und die vier Tiere und fielen vor dem Thron auf ihr Angesicht nieder und beteten Gott an.

 

Sie sprachen: Amen! Segen und Liebe, Weisheit und Danksagung, Ehre, Macht und Gewalt sei unserm Gott, in alle Ewigkeit, Amen!"

 

Ernest Hello, Worte Gottes. Olten und Köln 21950, 254-256