LobpreisDurch ihn und mit ihm und in ihm

Wer lobt, lebt Beziehung

Jedes musikalische und dramaturgische Werk hat einen krönenden Abschluss, ein Finale. Beim Hochgebet ist es die Doxologie, der Lobpreis auf den dreifaltigen Gott.

 

Das Hochgebet, Höhepunkt und Mitte der Eucharistiefeier, trägt den Charakter eines Hymnus, es ist ein einziges grossartiges Lob- und Dankgebet, das „der Priester, in der Rolle Christi an der Spitze der Gemeinde stehend, an Gott richtet, im Namen des ganzen heiligen Volkes und aller Umstehenden" (SC 33). Es hat eine Ouvertüre (den Einleitungsdialog und die Präfation) und ein Finale (die Doxologie). Im feierlichen Abschluss klingt der lobpreisende Grundton des ganzen Gebetes in konzentrierter Form nochmals an, bevor die Gemeinde mit dem Amen ihre Zustimmung bekundet:

 

Durch ihn und mit ihm und in ihm
ist dir, Gott, allmächtiger Vater,
in der Einheit des Heiligen Geistes
alle Herrlichkeit und Ehre
jetzt und in Ewigkeit. Amen.

 

Ein solches Lob auf den dreifaltigen Gott begegnet uns - in unterschiedlichem Wortlaut - häufig im Gottesdienst. Er bildet den Abschluss von Gesängen (vor allem Psalmen und Hymnen der Tagzeitenliturgie) und Gebeten (z.B. Tagesgebet, Vaterunser, Rosenkranzgebet). Gott die Ehre geben, ihn loben und verherrlichen, ist Grundzug und Wesenskern christlicher wie jüdischer Liturgie überhaupt.

 

„Alle Herrlichkeit und Ehre"

Was aber bedeutet es eigentlich, Gott zu loben? Wenn wir einen Menschen loben, geschieht das nicht immer ohne Absicht: Der Schüler oder die Angestellte werden gelobt, damit sie weiterhin fleissig sind. Der Chef wird gelobt, um ihn bei Laune zu halten. Wir wissen aber auch: Echtes, aufrichtiges Lob kennt keine Hintergedanken, es ist absichtslos und zweckfrei. Wenn wir eine Person ehrlichen Herzens loben und ehren, meinen wir damit: Ich habe Freude an dir, ich schätze dich, es ist „herrlich", dass es dich gibt. Loben ist verwandt mit lieben und mit danken. Wer lobt, wird selber innerlich aufgerichtet.
Auch Gott zu loben ist freudiger, zweckfreier Ausdruck von Dankbarkeit als Antwort auf die Erfahrung, dass es ihn gibt. Gott ist nicht auf unser Lob angewiesen. Wir brauchen ihn nicht wohlwollend zu stimmen. Doch das Lob Gottes tut uns selber gut. Wer Gott zu loben weiss, der sieht die Welt und die Menschen in einem anderen Licht, der findet viele Gründe, dankbar zu sein. Er entdeckt unverdiente Gaben Gottes in seinem Leben und freut sich an ihnen, während andere die gleichen Geschehnisse als Selbstverständlichkeiten oder glückliche Zufälle betrachten und ihnen kaum Beachtung schenken.
In einer Präfation für die Wochentage heisst es: „In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und deine Größe zu preisen. Du bedarfst nicht unseres Lobes, es ist ein Geschenk deiner Gnade, dass wir dir danken. Unser Lobpreis kann deine Grösse nicht mehren, doch uns bringt er Segen und Heil durch unseren Herrn Jesus Christus."

 

„Durch ihn und mit ihm und in ihm"

Wenn wir jemanden aufrichtig loben, dann haben wir nicht uns selber im Blick, sondern wenden uns ganz frei und offen der anderen Person zu. Wir zeigen Interesse an ihr und sind ihr freundschaftlich verbunden.
Wie aber können wir einen fernen, unsichtbaren, „allmächtigen" Gott loben, der jedes menschliche Begreifen und Verstehen übersteigt? Nicht wenige Zeitgenossen stellen sich Gott als unbestimmte Macht und Energie im Weltall vor. Sie kommen darum kaum auf die Idee, Gott zu loben. Er steht ihrem Alltagsleben fern. Meistens vergessen sie ihn und nehmen ihn allenfalls in einer Notsituation in Anspruch. Können wir Gott also überhaupt loben und eine Beziehung zu ihm pflegen?
Der Schlussteil des Hochgebetes gibt uns die Antwort darauf: Wir können es durch, mit und in Jesus Christus. Denn er hat den Menschen gezeigt, wer und wie Gott ist, ja in seiner Person begegnet uns Gott selber. In Christus hat Gott ein menschliches Gesicht bekommen.
Jesus Christus hat die Menschen gelehrt, Gott persönlich anzusprechen, ihn „Vater" zu nennen. Sein Leben war eine einzige lobpreisende Hingabe an den himmlischen Vater, bis zur Hingabe in den Tod.

 

„Jetzt und in Ewigkeit"

Der Lobpreis, den Jesus Gott dargebracht hat, ist nicht nur ein historisches Ereignis. Mit der Auferstehung Jesu bleibt auch sein Lob bestehen „jetzt und in Ewigkeit". Darum können wir heute noch in das Lob Christi einstimmen und unserem Schöpfer, dem Geber alles Guten, danken. Wenn die Kirche in der Eucharistie Brot und Wein lobend und dankend darbringt, handelt Christus selbst. Dass er in den Gaben gegenwärtig ist, wird in den lateinischen Worten der Doxologie besonders deutlich: „Per ipsum et cum ipso et in ipso", wörtlich etwa: „Durch ihn hier, mit ihm hier und in ihm hier."

 

„In der Einheit des Heiligen Geistes"

Ein Lob, das von Herzen kommt, verbindet Personen untereinander. Jemanden völlig frei von Zwängen zu ehren und zu „verherrlichen", macht uns nicht klein, sondern gereicht uns selber zur Ehre. Einander ehren und respektieren ist die Basis partnerschaftlicher Beziehung. Auch das Lob Gottes geschieht nicht auf Kosten anderer, es schliesst niemanden aus, sondern stiftet Gemeinschaft. Wenn wir uns dem Lob Christi an den Vater anschliessen, dann tun wir dies als Gemeinschaft der Kirche „in der Einheit des Heiligen Geistes". Wo Gott durch Christus im Heiligen Geist gelobt wird, da ist Kirche. Die lobende Kirche verkündet der Welt, dass es einen persönlichen Gott gibt, der uns nahe sein will und mit dem wir in eine lebensstiftende Beziehung eintreten können.

 

Josef-Anton Willa

 

Stichwort

  • Doxologie ist der liturgische Fachausdruck für die feierliche Ausrufung der Herrlichkeit Gottes (griech. doxa = Glanz, Ehre, Herrlichkeit; logos = Wort)
  • Das „Ehre sei dem Vater" wird als kleine Doxologie, das „Gloria" als grosse Doxologie bezeichnet.
  • Ein Lob auf den dreifaltigen Gott findet sich häufig als Abschluss von Psalmen, Hymnen und Gebeten (z.B. Hochgebet).

Praxis-Tipp

Damit das wichtigste Amen der Messe das nötige Gewicht erhält, legt es sich nahe, es musikalisch reicher auszugestalten. Das Kirchengesangbuch bietet dazu mehrere Möglichkeiten (KG 122). Der Vorsteher kantilliert die Schlussdoxologie, so dass die Gemeinde das Amen daran anschliessen kann. Wenn die Akklamation durch Orgelbegleitung unterstützt wird, empfiehlt es sich, dem Vorsteher vor Beginn der Doxologie den Rezitationston anzugeben.

 

Weitere Beispiele von Vertonungen für ein erweitertes Amen finden sich in:

Die Messe. Ein kirchenmusikalisches Handbuch. Hg. von Harald Schützeichel. Düsseldorf 1991.

 

Wider-Worte

Nicht nur die Schlussdoxologie, sondern das ganze eucharistische Hochgebet wird von der Gemeinde durch die Akklamation „Amen" bestätigt. „Es ist das wichtigste Amen der ganzen Messe" (Inaestimabile donum. Instruktion der Kongregation für die Sakramente und den Gottesdienst von 1980, Nr. 4).

 

Gelegentlich begegnet man der Gewohnheit, dass die Doxologie von der Versammlung gesprochen oder gesungen wird. Das „Durch ihn und mit ihm und in ihm" hat aber nicht den Charakter einer Gemeinde-Akklamation, sondern bildet den Abschluss des Hochgebetes. Wie bei anderen Gebetsschlüssen (z.B. „darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn") hat es die Funktion, das gemeinsame, zustimmende Amen der Gemeinde zu ermöglichen.

 

Die Gottesdienstkongregation schreibt dazu: „In jeder Versammlung ist es gewöhnlich Aufgabe des Vorstehers, jene Handlung zu eröffnen oder zu beschliessen, deretwegen man sich versammelt hat. Im Fall der Eucharistie besteht der wesentliche Teil der ganzen Feier zweifellos im Eucharistischen Hochgebet, das mit der Präfation beginnt und bis zur Schlussdoxologie einschliesslich geht. ... Es kommt vor, dass in diesem ... Fall [d.h. der Ausweitung der Doxologie auf die ganze Versammlung] meistens das beschliessende Amen von niemandem oder von kaum jemandem gesprochen oder gesungen wird ..."

 

In: Notitiae 14 (1978) 304f.