Vere dignumPräfation

Viele Gründe Dank zu sagen

Dankbarkeit verwandelt Menschen. Das Hochgebet verwandelt nicht nur die Gaben von Brot und Wein, sondern Menschen. Kein Wunder also, wenn der Dank hier gross geschrieben wird!

 

Angenommen, Sie wollen jemandem danken: Sagen Sie nur ein einziges Wort - „Danke" oder „Merci"? Legen Sie in dieses Wort all ihre warmen Empfindungen und alle Motive für ihren Dank hinein? Ihr Danke wäre ein wirklich grosses Wort! Aber vielleicht liegt Ihnen sogar noch mehr daran, zu sagen, was so besonders war, dass es sie mit Dank erfüllt. Sie werden wahrscheinlich einzelne Erfahrungen und Motive ihres Dankes hinzufügen. Genau dies geschieht in der Messe durch die Präfation: Sie nennt ein bestimmtes Motiv für unseren Dank gegenüber Gott.

 

Danken können und dürfen ...

In der Messe danken Christen in der Gemeinschaft aller Mitfeiernden, in der Gemeinschaft der Kirche Gott. Danken zu können, gehört zum Christsein, wenn nicht sogar zum Menschsein. Danken erleichtert und bereichert das Leben. Wer danken kann, lässt sich nicht wegschwemmen von dem, was täglich so alles schief gehen kann. Deshalb ist es gut, den Dank zu fühlen und ihn auch auszusprechen - gegenüber Menschen, gegenüber Gott - als einzelne und als Gemeinschaft. Den Dank empfinden: das kann und soll immer wieder im Alltag geschehen, spätestens aber abends vor dem Schlafengehen; es kann jeden Tag geschehen, aber was jeden Tag geschehen kann, entgleitet leicht zwischen allen anderen Aktionen. Deshalb ist es gut, dem Dank für die vergangene Zeit immer wieder am Sonntag nachzuspüren - jede und jeder für sich. Vielleicht war Gott am Werk in dem, was gelungen ist? Vielleicht hatte er sogar da seine Finger im Spiel, wo mir etwas zerbrochen ist, weil er mir dadurch etwas zeigen wollte? Die Dankmotive in den Präfationen kennen durchaus auch diese Nachtseite, das Zerbrochene, wenn sie den Tod Jesu am Kreuz in den Dank hineinnehmen - im Wissen, dass das Zerbrechen nicht das Letzte ist, sondern das Leben als Auferstehung Jesu von den Toten. Eine Präfation für die Osterzeit sagt, was das für uns bedeutet: "Durch ihn erstehen die Kinder des Lichtes zum ewigen Leben, durch ihn wird den Gläubigen das Tor des himmlischen Reiches geöffnet. Denn unser Tod ist durch seinen Tod überwunden, in seiner Auferstehung ist das Leben für alle erstanden."

 

... für die Person Jesu Christus ...

Der gemeinsame Dank von Christen ist also letztlich der Dank für eine Person: für Jesus Christus. Wahrscheinlich richtet sich ja schon auf der rein menschlichen Ebene der tiefste Dank auf eine Person: den geliebten Mann oder die geliebte Frau, die Kinder, die Eltern, Freunde und Freundinnen ... Manchmal spüren wir besonders: Es ist nicht selbstverständlich, dass es diese Menschen gibt, und der Dank zielt über diese Personen hinaus auf den, der uns geschenkt hat, dass wir diesen Menschen begegnen oder sogar mit ihnen leben dürfen. So ähnlich haben Christen von den Anfängen an empfunden: Es ist nicht selbstverständlich, dass Gott Jesus zu den Menschen schickte, ihnen seine liebende und vergebende Nähe zusagte und das auch im Sterben noch durchhielt. Der Dank für Jesus und das, was er für die Menschen, was er für uns getan hat, steht deshalb im Mittelteil vieler Präfationen. Im Dank für Jesus Christus wird er selber ganz gegenwärtig. Das ist so ähnlich, wie uns Menschen ganz gegenwärtig sind, an die wir mit grosser Dankbarkeit denken - nur unvergleichlich dichter und deshalb auch noch einmal anders, weil Jesus selbst ganz bei denen ist, die mit Dank seiner gedenken.

 

... gegenüber Gott mit allen Chören der Engel

An wen richten Christen ihren Dank? Nach dem Dialog zwischen Priester und Gemeinde (siehe in der Seitenspalte Ablauf), am Anfang des Eucharistischen Hochgebets, beginnt der Dank mit den Worten: In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, immer und überall zu danken. Der Dank der Feiernden richtet sich also nicht an Jesus selbst, sondern an den, der ihn den Menschen geschenkt hat: den Gott, der als Vater die Quelle allen Segens ist. Die Motive des Dankes im Mittelteil der Präfation sprechen von der Gabe für uns, die Einleitung der Präfation und die Überleitung zum Sanctus sprechen vom Geber selbst, nein genauer: sie sprechen zum Geber, zu Gott als dem Vater Jesu Christi. Der Dank verlangt nach einem, an den man den Dank richten kann. Das passiert in den beiden rahmenden Sätzen am Beginn und Ende der Präfation. Dieser Rahmen ist keine Nebensache. In den rahmenden Sätzen ist immer von danken und preisen die Rede und dieses Danken und Preisen geschieht aktuell, weil die Präfation als Gebetswort an Gott adressiert ist. Die Präfation ist deshalb ein Lobpreis Gottes, bei dem das vergangene Geschehen - in der Schöpfung oder in der Neuschöpfung durch Leben, Sterben und Auferstehen Jesu - in den Worten des Dankes ganz gegenwärtig ist.

 

Im Dank schwingt immer ein Lob auf den mit, dem wir dankbar sind. Und weil wir Menschen nicht die einzigen sind, die Gott loben, leitet die Präfation zum Lobpreis des Sanctus über: Darum preisen wir dich mit den Kerubim und Serafim und singen mit allen Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit: Heilig...

 

Gunda Brüske

Stichwort

  • Wortbedeutung: Vorrede, hier als Anfang, Beginn der eigentlichen Oratio (Rede) des Hochgebets.
  • Die Präfation nennt in ihrem Mittelteil besondere Motive für den Dank der Kirche.
  • Römische Liturgie: die Präfation wechselt nach Fest und Anlass und verbindet sich mit verschiedenen Hochgebeten (Ausnahme: 4. Hochgebet, Hochgebete für besondere Anliegen, Kinderhochgebete, Versöhnungshochgebet); östliche Liturgien: immer nur eine Präfation für ein bestimmtes Hochgebet.
  • Von etwa 1000 n. Chr. bis Mitte 20. Jh.: 11 verschiedene Präfationen, heute über 80 Präfationen.
  • Dem feierlichen Charakter entsprechend gibt es mehrere gregorianische Präfationstöne.

Praxis-Tipp

Kindermesse

Kindermesse:

 

"Zur Förderung der Teilnahme können auch bestimmte Zusätze dienen, zum Beispiel die Nennung von Dankmotiven, bevor der Priester den Dialog der Präfation beginnt." (Direktorium für Kindermessen Nr. 22)

 

Direktorium für Kindermessen

 

Geistlicher Impuls

"Der christliche Gottesdienst ist im Geist des Konzils zunächst zu verstehen ... als Dienst Gottes selbst am Leben der Menschen und der Kirche und erst in abgeleiteter Weise ... als liturgischer Dankbarkeitsdienst der Christen Gott gegenüber. Dies bedeutet, dass der Christ seine erste und grundlegende Weise des Tuns im Danken findet und dass er auf ursprüngliche Weise im Danken tätig wird. Denn vom Gottesdienst her erweist sich der Mensch als ... ein verdanktes und dankbares und deshalb nicht nur liturgiefähiges, sondern geradezu liturgiebedürftiges Lebewesen."

 

Kurt Koch (1995)

 

Facts

"In der Präfation sagt die Kirche durch Christus im Heiligen Geist dem Vater Dank für all seine Werke, für die Schöpfung, die Erlösung und die Heiligung. Die ganze Gemeinde schließt sich dann dem unablässigen Lobpreis an, den die himmlische Kirche, die Engel und alle Heiligen dem dreimal heiligen Gott singen."

 

Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 1352

 

Ablauf

Dialog vor der Präfation:

 

Priester: Der Herr sei mit euch.
Alle: Und mit deinem Geiste.
Priester: Erhebet die Herzen.
Alle: Wir haben sie beim Herrn.
Priester: Lasset uns danken dem Herrn, unserem Gott.
Alle: Das ist würdig und recht.

 

Präfation (Priester):

 

Einleitung: In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Vater im Himmel, zu danken und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Mittelteil: Denn in dir leben wir, in dir bewegen wir uns und sind wir. Jeden Tag erfahren wir aufs neue das Wirken deiner Güte. Schon in diesem Leben besitzen wir den Heiligen Geist, das Unterpfand ewiger Herrlichkeit. Durch ihn hast du Jesus auferweckt von den Toten und uns die sichere Hoffnung gegeben, dass sich an uns das österliche Geheimnis vollendet.
Überleitung: Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel und singen vereint mit ihnen das Lob deiner Herrlichkeit:

 

Sanctus (alle):

 

Heilig, heilig, heilig ...

 

(als Beispiel hier: Präfation für Sonntage im Jahreskreis VI)