Darbringung von Gaben für die EucharistieGabenbereitung

In Brot und Wein die Welt zum Altar tragen

„Herr, wir bringen in Brot und Wein unsere Welt zu dir", behauptet ein modernes Lied. Unsere Welt: wir selbst also inbegriffen. Gabendarbringung sozusagen „all inclusive"?

 

Zeichen unserer Hingabe

In einer kleinen Schwesterngemeinschaft habe ich erlebt, wie dies ganz eindrücklich geschehen kann: Eine Schwester hat eine Schale mit Hostien in der Hand. Der Priester hält eine leere Schale oder einen Teller (die sogenannte Patene), den er dann auf dem Altar stellen wird. Beide stehen ein bis zwei Schritte weit voneinander entfernt am Eingang des Altarraums. Nun geht jede Schwester nach vorne, nimmt eine Hostie und legt sie auf die Patene, die der Priester hält. Dazu wird ein gregorianischer Choral gesungen. Er unterstützt das Schreiten und die Sammlung. Alle Mitfeiernden schliessen sich den Schwestern an. Jede und jeder bringt eine Hostie zum Altar. Jede und jeder kann etwas von sich mit in die Gabenbereitung hineinlegen. Wir stellen unsere Welt vor Gottes Angesicht hin. „Herr, wir bringen in Brot und Wein unsere Welt zu dir. Du schenkst uns deine Gegenwart im österlichen Mahl." Nicht allein das Brot der Hostien und der Wein werden gewandelt. Wir und unsere Welt werden verwandelt. Denn wir erhalten das Brot anders zurück, als wir es hineingelegt haben, weil Jesus sein Leben, Sterben und Auferstehen in unsere Schöpfungsgaben hineingegeben hat. Die Gabenbereitung ist der Beginn dieser Verwandlung von uns und unserer Welt.

 

Am Anfang ist immer alles ganz einfach.

Jesus isst mit seinen Jüngern, Tag für Tag. Diese kümmern sich darum, dass etwas auf dem Tisch steht, Brot, manchmal Fisch, und beim letzten, feierlichen gemeinsamen Mahl auch Wein. Und Er nimmt entsprechend jüdischem Brauch das Brot und den Wein und spricht einen Segen darüber. In einem späteren jüdischen Gebetbuch finden wir einen Segen, wie ihn Jesus selber gesprochen haben könnte:

 

„Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du das Brot aus der Erde hervorbringst. Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du die Frucht des Weinstocks erschaffen."

 

Was hier geschieht, ist ganz einfach und doch elementar: Ein Tisch wird bereitet, ein kurzes Segensgebet wird gesprochen. So etwas ist in jüdischen und christlichen Familien seither immer wieder geschehen. Vielleicht auch bei Ihnen Zuhause. Im Verlauf dieses letzten Mahles am Abend vor seinem Tod verbindet Jesus die Gabe des Brotes und Weines jedoch mit seiner Lebens(hin)Gabe für die Menschen. Was er ihnen hinhält, ist nicht mehr genau dasselbe, wie das, was sie auf den Tisch gestellt haben: Etwas wird anders mit Brot und Wein, wenn Jesus sein Leben, Sterben und dann auch Auferstehen in Brot und Wein hineinlegt (denn nach der Auferstehung hat er wieder mit den Seinen Mahl gehalten, das Brot genommen und es gesegnet).

 Am Anfang ist also alles recht einfach. Aus diesem Anfang ist die Eucharistiefeier (auch Messe genannt) entstanden. Wer sich in ihre einzelnen Teile – Gabenbereitung, Eucharistisches Hochgebet und Kommunion - Teile vertieft, dem wird am Ende vielleicht immer noch als Geheimnis erscheinen, was Christen hier feiern, aber nicht als Rätsel oder Hokuspokus. Ganz einfach und doch gleich schon sehr tief ist, was am Anfang steht - das Bereiten des Tisches und das Nehmen der Gaben - und als Gabenbereitung in liturgischer Form zu jeder Messe gehört.

 

Einen Tisch bereiten

Wie decken Sie Ihren Tisch? Ich mache das beim Frühstück eher schlaftrunken und mechanisch. Aber wenn ich Gäste habe, dann ist das anders: Welche Tischdecke wäre gut? Welches Geschirr? Papierservietten oder doch die schöneren aus weissem Stoff? Die Gedanken gehen immer wieder zu den Gästen hin: Erinnerungen an die letzten Begegnungen, Vorfreude auf das Beieinandersein oder vielleicht auch einmal Sorge, weil etwas noch nicht restlos Geklärtes das Zusammensein stören könnte, weil ein schwieriger Gast dabei ist, weil ich selber innerlich nicht so ganz aufgeräumt bin ... Einen Tisch bereiten ist mehr, als Gegenstände auf einer Oberfläche anzuordnen. Einen Tisch bereiten, das heisst immer auch: mich selbst auf das Beisammensein vorbereiten, offen werden und den einen oder anderen seelischen Alltagsmüll rechtzeitig beiseiteschaffen, meine kleine Wohn- und Küchenwelt auf die Gäste hinordnen, eben wirklich für sie einen gastlichen Tisch bereit halten. Das Bereiten des Tisches ist Einstimmung auf eine Begegnung und eine Bereitung meiner Welt auf das Zusammensein mit den Gästen hin.

 Wenn Christen Eucharistie feiern, bereiten sie ebenfalls einen Tisch, den Altar. Dazu gehört auch hier das Decken des Tisches mit einem Tuch, das Bringen von Lebensmitteln und Gefässen. Ist auch dieses Bereiten eine Einstimmung auf eine Begegnung und ein Bereiten oder Hinstellen meiner, nein: unserer Welt? „Herr, wir bringen in Brot und Wein unsere Welt zu dir" – stimmt das? Oder wie muss es gehen, damit es stimmt?

 

Den Tisch mit den Gaben der Schöpfung decken ...

Brot als Grundnahrungsmittel und Wein als Zeichen des Festes sehen für eine Welt: für die Welt als Gottes gute Schöpfung. Das jüdische Tischgebet sagt es ausdrücklich: Gott hat Brot und den Weinstock geschaffen. Das Gebet, das der Priester meist still über das Brot und den Kelch spricht, hat dieses jüdische Gebet zum Vorbild:

 

„Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt.
Du schenkst das Brot, die Frucht der Erde

und der menschlichen Arbeit.
Wir bringen dieses Brot vor dein Angesicht,
damit es uns das Brot des Lebens werde.

 

Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt.
Du schenkst uns den Wein, die Frucht des Weinstocks

und der menschlichen Arbeit.
Wir bringen diesen Kelch vor dein Angesicht,
damit er uns der Kelch des Heiles werde."

 

Brot und Wein stehen als Zeichen der Schöpfung und der menschlichen Arbeit auf dem Altar. Die Schöpfung ist Fundament für unser Leben in dieser Welt. Die Arbeit gehört ebenso wesentlich dazu. Wir selber gehören dazu, unsere Kinder, unser Partner, Freunde, Kollegen. Unsere Freude, unser Liebe, unser Dank gehört zu dieser Welt, aber ebenso unsere Sorge oder Wut oder Angst. So wie sich beim Bereiten eines Tisches für Gäste, die wir Zuhause empfangen, unsere Welt hineinwebt in unsere Vorbereitung, so können wir unsere Welt auch in der Gabenbereitung im Geiste mit dem liturgischen Geschehen verbinden. Aber wie soll das gehen?

 

... durch das Herbeibringen von Brot und Wein

In den ersten christlichen Jahrhunderten brachten die Gläubigen in die Messe verschiedene Naturalgaben mit, so ähnlich wie jetzt in manchen Pfarreien beim Erntedankfest. Sie wurden während der Gabenbereitung von den Gläubigen nach vorne getragen. Ein Teil von diesen Gaben, Brote und Wein, wurden gleich für die Eucharistiefeier verwendet. Der Zelebrant nahm sie von den Diakonen in Empfang. Darin lebt das Nehmen Jesu bei dem Mahl mit den Jüngern weiter. Der andere und weitaus grössere Teil der Naturalgaben war für die Armenfürsorge der Christen bestimmt. Daraus hat sich die Sammlung der Kollekte entwickelt, wie sie noch heute praktiziert wird.

Wer seine Gabe für die gemeinsame Feier zum Altar trug, der konnte sich und seine Welt ganz anders dort hineinlegen oder hineingeben, als es heute in den meisten Fällen möglich ist. Die Gaben werden heute meist von einem Tisch (der sogenannten Kredenz) in der Nähe des Altars zum Altar getragen. Der Weg ist kurz und das Ganze spielt sich in einiger Entfernung von den Mitfeiernden ab. Wenn der Tisch mit den Gaben am Eingang des Kirchenraums steht und Ministrantinnen und Ministranten die Gaben durch den Mittelgang schreitend nach vorne tragen, wird deutlicher, dass es unsere Schöpfungsgaben sind - unsere Welt. Es bleibt auch mehr Zeit, unsere persönliche Welt im Geiste zu den Hostien in der Schale zu legen: unseren Dank oder auch unsere Not, auf dass sie sich alles vor Gottes Angesicht verwandelt. Das Gabengebet für den 19. Sonntag im Jahreskreis bringt zum Ausdruck, was wir in der Gabenbereitung tun und was wir erhoffen:

 

"Herr, unser Gott,
wir bringen die Gaben zum Altar,
die du selber uns geschenkt hast.
Nimm sie von deiner Kirche entgegen
und mache sie für uns zum Sakrament des Heiles."

Gunda Brüske

Stichwort

  • urspr. praktisch-manueller Vorgang
  • seit dem 3. Jh.: in manchen Gegenden Bringen der Gaben durch die Gläubigen in Prozession vor Beginn des Hochgebets, in anderen: Bringen der Gaben vor der Feier und Einzug mit den Gaben vor dem Hochgebet (daraus wird der sogenannte grosse Einzug in der orthodoxen Liturgie; im Westen fällt die Gabenprozession weg)
  • seit dem Mittelalter mehrere stille Gebete des Priesters zur Gabendarbringung. Sie waren dem Hochgebets sehr ähnlich (sogenannter kleiner Kanon), werden aber seit in der ordentlichen Form der nachkonziliaren Messe nicht mehr verwendet (stattdessen das links zitierte Gebet).
  • theologische Motive der Gabendarbringung: Dank für die Schöpfung, Hingabe, Darbringung und Opfer der Kirche, auch bittendes Gedenken.

Geistlicher Impuls

Ich bin_die_Tuer

 

ICH BIN das Licht der Welt.
Johannes 8,12

 

ICH BIN der Weinstock, ihr seid die Reben.
Johannes 15,5

 

ICH BIN die Auferstehung und das Leben.
Johannes 11,25

 

Ich will mich mit allen Fasern meines Seins
Deinem Licht aussetzen,
Dunkelheit bei Dir, Christus, ablegen.
Ich erfahre mich neu unter den Strahlen Deines Wortes.
Du, ewiger Lichtquell,
strömende Liebe,
Du offenbarst das Geheimnis des Wachstums.
Die Fruchtbarkeit des Weinstocks wird zum Zeichen
und berührt meine Angst vor der Sinnlosigkeit.
Du holst mich zusammen aus der Zerstreuung
und aus dem Getriebe des "Allen-Recht-Seins".
Du feierst das Fest der Vergebung
mit meinen Verlorenheiten.
In Deiner Umarmung werden sie bewusst.
Hartgefrorenes Misstrauen taust Du auf,
lässt Vertrauen einwurzeln — immer wieder
empfängst Du mich nach Tagen der Sprachlosigkeit,
nach Nächten des Todes.
Du rufst alles in mir zur Auferstehung, zum Leben.
Wie oft hast Du mein zielloses Dahingleiten gebündelt,
Du vielfach Verlassener, und mich gefunden,
so dass ich über Deine Treue erschrak.
Du hast meine Leblosigkeiten erwärmt
an Deinem Herzen.
Du Liebender, Du einfache Klarheit
über verworrenen Zeiten.
Reinigend und erneuernd kommst Du mir entgegen.
Das Blühen der Liebe lässt Du anbrechen
wie den Morgen.
Durch Dich, Jesus Christus,
wird mein Leben reifende Frucht.
Sr. Christamaria Schröter
Meditationstext zur Karte "Ich bin das Licht der Welt, ... der Weinstock ..., die Auferstehung und das Leben"

 

© Christusbruderschaft Selbitz

 

Bestellung der Faltkarte mit Bild und Meditationstext

 

Facts

Melchisedek bringt Brot zum Altar

Melchisedek bringt Brot zum Altar, aber Gott handelt im eucharistischen Beten der Kirche, wie die Hand Gottes aus den Wolken zeigt

 

„In der Eucharistiefeier werden Brot und Wein durch die Worte Christi und die Anrufung des Heiligen Geistes zu Leib und Blut Christi gewandelt. Der Anweisung des Herrn entsprechend führt die Kirche bis zu seiner Wiederkunft in Herrlichkeit zu seinem Gedächtnis das weiter, was er am Abend vor seinem Leiden getan hat: „Er nahm das Brot ...", „er nahm den Kelch mit Wein ...".

 

Brot und Wein werden geheimnisvoll Leib und Blut Christi, bleiben aber Zeichen für die Güte der Schöpfung. Darum danken wir bei der Gabenbereitung dem Schöpfer für das Brot und den Wein, die „Frucht der menschlichen Arbeit", zunächst aber „Frucht der Erde" und „des Weinstocks", Gaben des Schöpfers. Die Kirche erblickt in der Geste Melchisedeks, des Königs und Priesters, der „Brot und Wein" herbeibrachte (Gen 14, 18), ein Vorzeichen ihrer eigenen Opfergabe."


Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 1333

 

Ablauf

Herbeibringen der Gaben Brot und Wein zum Altar mit:
  • Gesang oder Instrumentalmusik oder Stille
  • meist auch Einsammeln der KollekteZurüsten des Altares und Bereiten des Kelches
  • Zurüsten des Altares und Bereiten des Kelches

Gabenbreitung

  • Die Gaben werden auf den Altar gestellt
  • mit Begleitgeben des Zelebranten über Brot und Wein (meist still) und
  • stillem Gebet des Zelebranten für sich selbst

evtl. Beweihräuchern von Gaben, Altar und Gemeinde

 

Händewaschung des Zelebranten

 

Gabengebet
  • Einladung zum Gebet (3 Formen)
  • Gabengebet