Abendmahl Brot und Wein Erhart Mitzlaff 1953Brot und Wein

Alltägliches, himmlisches Leben

Ritus statt Event - Brot und Wein und nicht Gourmetereignis. Die Liturgie macht aus Dingen unserer Alltagswelt einen Erfahrungsraum der Transzendenz.

 

Brot und Wein waren für die Menschen des antiken Mittelmeerraums, in dem sich das Christentum entwickelt hat, ganz vertraute, wesentliche Lebensmittel: Gebacken aus Weizenmehl und Wasser mit oder ohne Zugabe von Sauerteig, gekeltert aus Trauben zu rotem Wein. Die Liturgie greift alltägliche Vollzüge auf und macht sie transparent für die Erfahrung des Heils. Die Lebensmittel werden Mittel zum Leben: eines Lebens, das nicht mehr enden wird, weil der Auferstandene die Seinen um seinen himmlischen Tisch versammelt.

 

Nahrung und Freude

Brot und Wein stehen für die Gesamtheit des menschlichen Lebens. Sie repräsentieren zwei Bereiche, die untrennbar zu ihm gehören: (all)tägliches Leben und Fest. Brot ist bis heute das Grundnahrungsmittel schlechthin. Die Bitte um das tägliche Brot im Vaterunser ist nichts anderes als die Bitte um eine stabile Basis für unser ganzes Leben. Der Wein hingegen gehört im Mittelmeerraum seit jeher zum Fest, ist Zeichen der ausgelassenen Freude und des Überflusses.

 

Beide Aspekte – die Notwendigkeit der am Leben erhaltenden Nahrung und die Freude des Genusses – greift das Gabengebet des fünften Sonntags im Jahreskreis auf: „Herr, unser Gott, du hast Brot und Wein geschaffen, um uns Menschen in diesem vergänglichen Leben Nahrung und Freude zu schenken." Alles, was dieses vergängliche Leben ausmacht, Arbeit und Mühe, aber auch Freude und Fest, wird in Brot und Wein auf den Altar gelegt und Gott geweiht.

 

Gabe und Hingabe

Brot und Wein sind Produkte menschlicher Arbeit und werden daher zum Ausdruck der menschlichen Existenz. Jedoch geht dem Schaffen des Menschen stets die Natur als Geschenk Gottes voraus: Ohne Getreide und Trauben als Gaben der Schöpfung gibt es kein Brot und keinen Wein als Produkte des Menschen. So ist die Richtung der Gabe eine wechselseitige, wie die Begleitgebete zur Gabenbereitung bekennen: „Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit" und „Du schenkst uns den Wein, die Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit".

 

In der Gabenbereitung ist die Darbringung von Brot und Wein Zeichen dafür, dass die feiernde Gemeinde sich selbst hingibt, sich selbst als Gabe, „als lebendiges und heiliges Opfer" (Römerbrief 12,2) für Gott zum Altar bringt. Diesen Gedanken hebt etwa das Gabengebet des vierten Sonntags im Jahreskreis hervor, in dem es heißt: „Herr, unser Gott, wir legen die Gaben als Zeichen unserer Hingabe auf deinen Altar."

 

Zeichen der Freiheit und der Nähe Gottes

Beide Nahrungsmittel spielen in der Bibel an vielen Stellen eine besondere Rolle. So wird im Alten Testament das Volk Israel in der Wüste durch das Manna, das „Brot vom Himmel", am Leben erhalten (Exodus 16). Das „Brot vom Himmel" war ein Zeichen der Nähe Gottes Israel auf dem mühsamen Weg aus der Knechtschaft in die Freiheit. Die Befreiung aus der Macht des Todes durch den österlichen Überschritt vom Tod am Kreuz zum Leben der Auferstehung verbindet sich wieder mit dem Lebens-Zeichen des Brotes: „In der Nacht, da er verraten wurde, nahm er das Brot ...".

 

Und nicht zufällig stellt das Johannesevangelium (2,1-12) das Wunder von Kana an den Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu. Schon die alttestamentlichen Propheten hatten das letzte und nie mehr vergehende Heil im Bild des Festmahls gefasst, bei dem der Wein nicht fehlen darf: „Der Herr der Heere wird auf diesem Berg für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten und erlesenen Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen. ... Er beseitigt den Tod für immer. Gott, der Herr, wischt die Tränen ab von jedem Gesicht." (Jesaja 25, 6 und 8). Die Verwandlung von Wasser zu Wein während des Hochzeitsfestes charakterisiert deshalb Jesu ganze Botschaft und sein ganzes Wirken: Jetzt bricht das nie mehr endende Heil an, denn Gott selber erscheint bei den Menschen und lässt sie seine heilende Nähe erfahren. Er beseitigt durch sein Sterben und Auferstehen den Tod für immer.

 

Die Schöpfungsgaben Brot und Wein waren tief in die Beziehungsgeschichte Gottes mit den Menschen hineinverflochten – lange bevor Jesus sie in die Hand nahm und den Lobpreis darüber sprach.

 

Leib und Blut Christi

Im Zentrum der Eucharistiefeier kehrt sich die Richtung des Gebens endgültig um: wir geben nichts mehr, wir empfangen umso mehr. Brot und Wein werden als eucharistische Gestalten, als Leib und Blut Christi, zum größtmöglichen Geschenk Gottes an uns, zum Geschenk seiner Nähe und Gegenwart. Im Gottesdienst gibt es zwei Grundbewegungen: eine von Gott zu den Menschen herab und eine von den Menschen zu Gott hinauf. Wie sich beide Linien kreuzen, lässt sich vielleicht an keiner Stelle deutlicher erkennen als an den eucharistischen Gaben Brot und Wein.

 

„Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir. Unter diesen Zeichen bist du wahrhaft hier" – mit diesen Worten tastet sich Thomas von Aquin in seinem Reimgebet „Adoro te devote/Gottheit tief verborgen" an das unermessliche Geheimnis der Gegenwart Gottes in der Unscheinbarkeit von Brot und Wein heran. Gott gibt sich selbst für uns – am Kreuz in der aus Liebe frei gewählten Selbsthingabe Jesu und jedes Mal neu in der Feier der Messe. Er reicht uns „das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist" (Johannes 6,51), über das Christus sagt: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm" (Johannes 6,56).

 

Die Kommunion stiftet Gemeinschaft mit Gott. Ebenso schafft sie Gemeinschaft untereinander, denn: „Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot" (1 Korintherbrief 10,16f.). Das himmlische Gastmahl, zu dem Jesus Menschen aus allen Völkern einlädt, bricht an – noch immer verborgen unter den Zeichen von Brot und Wein:

 

„Jesus, den verborgen jetzt mein Auge sieht,
stille mein Verlangen, das mich heiß durchglüht:
lass die Schleier fallen einst in deinem Licht,
dass ich selig schaue, Herr, dein Angesicht."

 

(letzte Strophe des Adoro te devote in der Übersetzung von Petronia Steiner)

 

Alexander Zerfaß/Gunda Brüske

Stichwort

Brot für die Eucharistiefeier
  • hergestellt aus Weizenmehl und Wasser
  • urspr. von den Gläubigen mitgebracht, oft in schön gestalteten Formen wie z.B. einem Kranz
  • später Auszierung durch Hostienstempel, Achten auf besonders weisse Farbe: beides Zeichen der Ehrfurcht vor dem Brot für die Eucharistiefeier
  • ab 9.-11. Jahrhundert ausschliessliche Verwendung von ungesäuertem Brot: es lässt sich dünner, heller und bröselfreier backen
  • das Brot für die Eucharistiefeier soll als Speise erkennbar sein (AEM 283, siehe auch unten Facts)

Wein für die Eucharistiefeier

  • ursprünglich Rotwein
  • im Westen später Präferenz für weissen Wein aus praktischen Gründen (Reinigung der Kelchwäsche)
  • Messwein: siehe unten Facts

Wider-Worte

"Brot und Wein - das ist eine kulinarische Partnerschaft mit langer Tradition, die sich bis zu Abraham im Alten Testament zurückverfolgen lässt." (www.wein.de)

 

"Das ungesäuerte Brot für das eucharistische Mahl ist nicht so weich und kaufreundlich wie die Hostien, die mehr nach Oblaten als nach Brot schmecken. ... Es will wie normales Brot kräftig und in Ruhe gekaut werden." (Brotbackgruppe der Pfarrei Maria Geburt/Aschaffenburg)

 

Geistlicher Impuls

BROT UND WEIN

 

Ich esse das Brot.
Die Messe ist rot.
Choralmusik.
Und dann eine
Pause.

 

Ich trinke den Wein
und sinke hinein
in deinen Blick.
Dann geh ich nach
Hause.

 

Scheints fließt am Schluß
dein Feuerfluß
durch den, der aß.
Der reißt im
Drehen

 

ihn selbst und sein Zelt,
die Stadt und die Welt
geheim in das,
was Glaubende
sehen.

 

Silja Walter
in: Gesamtausgabe Bd. 9: Spiritualität. Freiburg/Schweiz 2004, 452

 

Facts

281. Nach dem Beispiel Christi hat die Kirche stets Brot und Wein mit Wasser für die Feier des Herrenmahles verwendet.

 

282. Das Brot zur Feier der Eucharistie muß aus reinem Weizenmehl bereitet und noch frisch sein und, nach dem Brauch der lateinischen Kirche, ungesäuert.

 

283. Die Aussagekraft des Zeichens verlangt, daß man die Materie der Eucharistie tatsächlich als Speise erkennt. Daher soll das eucharistische Brot, auch wenn es ungesäuert ist und in der herkömmlichen Form bereitet wird, so beschaffen sein, daß der Priester bei einer Gemeindemesse das Brot wirklich in mehrere Teile brechen kann, die er wenigstens einigen Gläubigen reicht. Die kleinen Hostien sind jedoch keineswegs ausgeschlossen, falls die Zahl der Kommunizierenden oder andere seelsorgliche Überlegungen sie erforderlich machen. Das Brotbrechen, das in apostolischer Zeit der Eucharistiefeier ihren Namen gab, bringt die Einheit aller in dem einen Brot wirksam und deutlich zum Ausdruck. Ebenso ist es ein Zeichen brüderlicher Liebe, da dieses eine Brot unter Brüdern geteilt wird.

 

284. Der Wein für die Eucharistiefeier muß "vom Gewächs des Weinstockes" (vgl. Lk 22,18) stammen und naturrein, das heißt ohne Beimischung von Fremdstoffen sein.

 

Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch (1975)

 

Lesetipp

Panis angelorum

Oliver Seifert (Hg.), Panis angelorum – Das Brot der Engel. Kulturgeschichte der Hostie. Ostfildern 2004.