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Fragen aus der Praxis

 

 

 

Können Sie mir mitteilen, wer den Segen „Es segne uns der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist“ spenden darf? Ich war immer der Meinung, dass dieser Segen auch an eine Weihe gebunden ist. (A.Z. in M.)

Der Segen am Schluss eines Gottesdienstes unterscheidet sich hinsichtlich des Textes und der Gebärde, je nachdem, ob er von einer geweihten Person oder von einem Laien ausgeführt wird.

Geweihte Personen eröffnen den Segen mit dem dialogischen Ruf: "Der Herr sei mit euch ..." Sie sprechen der Gemeinde den Segenswunsch zu, also in der Euch-Form: "Es segne euch der allmächtige Gott, ..." oder "Das gewähre euch der dreieinige Gott ..." Entsprechend vollziehen sie die Segensgeste zum Volk hin oder (vor allem beim feierlichen Segen) breiten die Hände über die zu Segnenden aus.

Laien hingegen sprechen eine Segensbitte aus, die sie selber mit einschliesst (inklusive Form), die also in der Uns-Form steht. Gleichzeitig bezeichnen sie sich selber mit dem Kreuz.

Die Segensformel: "Es segne uns der allmächtige Gott, ..." ist also für Laien korrekt.

Das Schweizer Vorsteherbuch für Laien "Die Wortgottesfeier" sieht als einfache Segensbitte vor: "Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben." (S. 54). Das entsprechende deutsche Feierbuch verwendet: "Der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes komme auf uns herab und bleibe bei uns allezeit." (Wort-Gottes-Feier, Trier 2004, S. 63).

An bestimmten Tagen und zu feierlichen Anlässen ist eine entfaltete Segensbitte möglich. Sie schliesst mit: "Das gewähre uns der dreieinige Gott ..." oder mit "So segne uns der allmächtige Gott ..." (Wortgottesfeier S. 75-81).

Josef-Anton Willa

 

 

Psalm mit oder ohne „Ehre sei dem Vater ...“?

Am Sonntag trage ich als Kantorin in der Messe nach der 1. Lesung einen Psalm aus dem KG vor und möchte wissen, ob ich die Doxologie wie im Schott Messbuch weglassen oder wie im KG auch vortragen muss. Gibt es eine geschriebene oder ungeschriebene Regel? Wie lautet sie? (D.S.)

Schon beim Mönchsvater Benedikt im 6. Jh. war es üblich, die Psalmen mit der Doxologie "Gloria Patri..." abzuschliessen und ihnen dadurch eine christliche Deutung zu geben. Diese Regelung gilt auch heute für die Psalmen in der Tagzeitenliturgie (vgl. die Allgemeine Einführung in das Stundenbuch Nr. 123).

Der Psalm in der Messe hingegen, der sogenannte Antwortpsalm, hat kein "Gloria Patri". Ausdrücklich ist dies in den Rubriken des "Graduale Simplex" (1967; 2. Aufl. 1975) vermerkt.

Der Grund, warum der Antwortpsalm ohne Doxologie zu singen ist, liegt in der besonderen liturgischen Stellung: Der Antwortpsalm war ursprünglich eine Lesung. Er gehört zur Schriftverkündigung, ist Teil der Leseordnung und entsprechend im Lektionar (und im Schott Messbuch) zu finden. Wie die Lesungen wird er vom Ambo aus vorgetragen, während die Gemeinde zuhört (und sich mit einem Kehrvers beteiligt).

Das KG hat die Psalmen mit Doxologie abgedruckt, weil sie auch für die Tagzeitenliturgie dienen sollen. Das Vorsängerbuch des KG, das Cantionale, führt die Doxologie hingegen nicht auf.

Josef-Anton Willa

 

An welche Stelle im Gottesdienst gehören Segnungen? Wo soll man spezielle Segnungen wie Wassersegnung an Epiphanie oder Brotsegnung am Agathatag vornehmen? (T.W.)

Das Benediktionale sieht Segnungen im Rahmen der Messfeier nach der Homilie oder vor dem Schlusssegen vor (vgl. Nr.23 der Pastoralen Einführung; oder einzelne Feierformulare, beispielsweise die Kerzen für den Blasiussegen S. 51, oder die Segnung des Johannisweines S. 38). Dies gilt entsprechend auch für eine Wort-Gottes-Feier.

Welches der geeignete Ort im liturgischen Ablauf ist, hängt von der Art der Segnung und der Möglichkeit des Einbezugs in den Gottesdienst ab. Eine Segnung nach der Homilie bzw. im Anschluss an den Wort-Gottes-Teil kann das vernommene Wort zeichenhaft zur Darstellung bringen. Eine Segnung vor dem Schlusssegen betont die Verbindung von der Feier in den Lebensalltag hinein. Sie eignet sich m.E. besonders für Gegenstände, die nach der Feier mitgenommen oder miteinander geteilt werden, z.B. Agathabrot, Johanniswein, Salz usw.

Josef-Anton Willa

 

Sind Novenen etwas Katholisches? Seit wann werden Novenen gebetet? Was bedeutet der Name Novene? Gibt es verbindliche Texte dafür? (M.H.)

Die Bezeichnung "Novene" stammt von den neun Tagen (lat. novem) des Gebetes bzw. der Andacht, die in der Regel auf ein grösseres liturgisches Fest vorbereiten. Die Dauer von neun Tagen geht evt. auf den antiken Totenkult zurück, wo neun Tage lang in besonderer Weise um den Verstorbenen getrauert wurde. Es gibt auch private Formen von Novenen in persönlichen oder allgemeinen Notlagen (etwa als Bittgebet an bestimmte Heilige als Fürsprecher). Vorbild der Novene ist das Gebet der Jüngergemeinde nach Apg 1,13f.

Ein frühes Zeugnis für eine Novene vor Weihnachten gibt es bereits im 8. Jahrhundert. Doch den eigentlichen Aufschwung nahmen die Novenen ab dem 17. Jahrhundert. Sie sind Teil der katholischen Volksfrömmigkeit, gehören also nicht eigentlich zur offiziellen Liturgie. Einzig die Pfingstnovene hat insofern die Liturgie beeinflusst, als die liturgischen Texte zwischen Himmelfahrt und Pfingsten in besonderer Weise von der Bitte um das Kommen des Heiligen Geistes geprägt sind. Eigene, verbindliche Formulare für Pfingstnovenen gibt es aber nicht.

Die Novenen sind von ihrer Herkunft her typisch katholisch. Doch gerade die Pfingstnovene wird gern ökumenisch gefeiert, denn die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten gilt auch als Gebetszeit um die Einheit der Christen.

Die täglichen Gebete können natürlich frei gestaltet werden. Sinnvoll ist ein Wechsel von über die neun Tage gleichbleibenden und täglich wechselnden Elementen. Auch kann jeder Tag einem besonderen Anliegen gewidmet sein oder von einer anderen Gruppierung der Pfarrei gestaltet werden.

Josef-Anton Willa

 

An welchen Stellen in der Messfeier machen die KommunionhelferInnen eine Kniebeuge?
 

Die Kniebeuge ist eine Ausdrucksform der Ehrfurcht und Hochachtung. Sie gilt in der Liturgie besonders dem Geheimnis der Gegenwart Jesu Christi in den Zeichen von Brot und Wein. Durch eine ehrfürchtige Haltung geben die KommunionhelferInnen und alle, die mit den eucharistischen Gaben zu tun haben, der feiernden Gemeinde ein Glaubenszeugnis.

Während der Brotbrechung treten die KommunionhelferInnen von ihrem Platz an den Altar. Wenn sie aus dem Kirchenschiff kommen, ist es sinnvoll, dass sie ein Zeichen der Verehrung zum Altar hin tun, bevor sie den Altarraum betreten.

Im Normalfall wird die Kommunion vom Altar und nicht vom Tabernakel aus gespendet, um die Teilnahme der ganzen Gemeinde an der gerade gefeierten Messe deutlich zum Ausdruck zu bringen. Wenn dennoch konsekrierte Hostien aus einer früheren Eucharistiefeier ausgeteilt werden sollen, gehen KommunionhelferInnen bei der Brotbrechung zum Tabernakel, öffnen ihn, machen eine Kniebeuge, entnehmen ihm die Hostiengefässe und tragen sie zum Altar.

Nach dem Austeilen bringen die KommunionhelferInnen die Gefässe mit den eucharistischen Gaben zum Altar oder zum Kredenztisch. Die übriggebliebenen Hostien werden zum Tabernakel getragen; nachdem die Hostiengefässe hineingestellt wurden, wird wiederum eine Kniebeuge gemacht und der Tabernakel geschlossen.

Josef-Anton Willa

 

Gilt Schwarz noch immer als liturgische Farbe beim Begräbnis? (Monika Schmid, Gemeindeleiterin, Illnau-Effretikon, siehe Gästebuch)

Im Beitrag über die liturgischen Farben im Dossier "hören und sehen" wird Rupert Berger mit dem Hinweis zitiert, dass bei der Liturgie für Verstorbene violette Paramente verwendet werden können und weiterhin auch Schwarz als liturgische Farbe möglich ist. Berger bezieht sich hier auf die aktuell gültige Allgemeine Einführung in das Messbuch (Nr. 308): "Schwarz kann bei der Liturgie für Verstorbene verwendet werden." Nr. 310 nennt bei Messen zu bestimmten Feiern (wie u.a. dem Begräbnis) weisse oder festliche Farben. Damit stellt sich die Frage, welche Farbe für die Feier des Begräbnisses sinnvoll und angemessen erscheint. Dabei liegt die Kompetenz zur Regelung bei den Diözesen.

Für die weisse Farbe spricht der österliche Charakter der Begräbnisliturgie. Auch der Rückbezug zur Taufe des oder der Verstorbenen kann für die Verwendung weisser Gewänder sprechen. Es sind vor allem starke liturgietheologische Gründe, die für Weiss beim Begräbnis sprechen. Diese Gründe dürfen aber nicht dazu führen, die Wirklichkeit des Todes sozusagen österlich zu nivellieren und den Ernst des Todes als Erfahrung der Trauernden zu überspringen. Bei der Wahl der liturgischen Farbe sollte neben der theologischen Seite die menschliche im Auge behalten werden. In unserem Kulturraum war und ist Schwarz eine Farbe von festlichem Ernst. Bei offiziellen Anlässen ist diese Bedeutung noch immer erhalten. Schwarz war und ist nicht nur die Farbe des Todes oder gar der Hoffnungslosigkeit. Die Regelung der Allgemeinen Einführung ermöglicht es der Pastoral auf die jeweiligen Umstände auch farblich angemessen zu reagieren. Deshalb ist grundsätzlich zu begrüssen, dass nicht weltweit nur eine einzige liturgische Farbe für das Begräbnis festgelegt ist.

Leo Zogmayer, Casel

Leo Zogmayer, Casel

Heute gibt es künstlerisch anspruchsvolle liturgische Gewänder, die Schwarz und Weiss verbinden. Leo Zogmayer hat eine weisse Casel entworfen, die auf der Vorderseite einen schwarzen Längsbalken und auf der Rückenseite einen schwarzen Querbalken zeigt. Mit dem schwarzen Kreuz auf weissem Grund, das sich aus beiden Seiten ergibt, ist der österliche Überschritt vom Tod zum Leben auf eine Weise zum Ausdruck gebracht, die die Erfahrung des Todes nicht verleugnet, sondern von Ostern her versteht und aushält. Diese Casel entspricht sowohl der Liturgie für Verstorbene wie der menschlichen Situation der Trauernden.

Gunda Brüske

Weshalb beten wir für unsere Verstorbenen? (J. B.)

„Gedenke unserer Brüder und Schwestern, die entschlafen sind in der Hoffnung, dass sie auferstehen. Nimm sie und alle, die in deiner Gnade aus dieser Welt geschieden sind, in dein Reich auf, wo sie dich schauen von Angesicht zu Angesicht.“ (Einschub für die Verstorbenen im 2. Hochgebet.) - Mit Fürbitten für alle Menschen bei Gott einzutreten fordert bereits der erste Timotheusbrief (2,1-4). Alle Menschen, das sind nach dem Verständnis der Alten Kirche nicht nur die jetzt Lebenden, sondern auch die in Christus Gestorbenen. Denn auch der Tod kann die Solidargemeinschaft der Glaubenden in der Einheit des Leibes Christi nicht zerstören: „Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle mit.“ (1 Kor 12,26) So beten Christen seit den ersten Jahrhunderten für ihre Verstorbenen. Wie Paulus sind wir also sicher, dass uns nichts von Christus trennen kann – auch der Tod nicht (vgl. Röm 8,38ff). Die Verstorbenen leben in Christus, aber auf eine Weise, die wir noch nicht kennen.

Gleichzeitig wissen wir, dass heute und wohl auch in der Stunde unseres Todes in uns noch viel steckt, dass uns von Christus trennt. Wenn ein Mensch stirbt, ist das, was durch die Taufe in ihm grundgelegt ist und nun sein Leben ganz durchdringen will, kaum je an ein Ende gekommen. Sünde ist das, was noch immer von Christus trennt, das was noch der positiven, guten Grundentscheidung unseres Glaubens widerstrebt. Es gehört zum Ernst christlicher Existenz, dass die Sünde und ihre Folgen nicht einfach „weggezaubert“ werden. Vielmehr traut Christus uns zu, sie in ihm zu überwinden und so ein ganzer Mensch zu werden, dessen Grundentscheidung für Gott alle Fasern seiner Existenz durchdringt: ein Mensch, der vollkommen transparent geworden ist für das Licht der Gnade. Dieser Prozess ist mit dem Tod nicht beendet, ja wahrscheinlich erkennen wir erst dann, wenn wir mit seinen Augen auf das abgeschlossene Leben blicken, wie weit wir noch vom dem entfernt sind, was Gott mit uns vor hatte. Das wird vielfach eine bittere, letztlich aber eine heilsame Erkenntnis sein. In diese Situation hinein sprechen wir unser Gebet für die Verstorbenen. Es ist eine Fortsetzung unserer Liebe und unserer Solidarität für jene, die den schmerzhaften Prozess heilender Selbsterkenntnis nun zu Ende leben, um aber bald, so beten und wünschen wir, sein ewiges Licht als Quelle der Freude endgültig erfahren zu dürfen.

Gunda Brüske

 

Woher kommt der Brauch, dass die Glocken und die Orgel vom Gründonnerstag bis zu Ostern schweigen? (S. H.)


Es ist richtig, dass am Gründonnerstag während des Glorias die Glocken läuten, um dann bis zur Osternacht zu schweigen. Desgleichen schweigen in diesem Zeitraum Orgel und andere Instrumente, dürfen aber im Notfall den Volksgesang unterstützen.
Der Verzicht auf das Orgelspiel am Karfreitag und Karsamstag sowie das Schweigen der Glocken an diesen Tagen kann auf eine alte Tradition zurückgeführt werden:
Bereits im 9. Jh. deutet Alamarius das Verstummen der Glocken als ein Zeichen der Demut, in welcher die Kirche sich der Demut von Christus anschliessen will. An Stelle der Glocken traten hölzerne Klappern. Alamar meint, dass der Klang dieser Klappern demütiger sei als der des Erzes der Glocken.
Einen Hinweis auf das Verstummen der Kirchenglocken nach dem Gloria in der Gründonnerstagmesse finden Sie auch im Messbuch: „Zum Gloria läuten die Glocken. Darauf schweigen sie bis zur Osternacht.“ (MB, Messe vom Letzten Abendmahl, Nr. 3.)
In Bezug auf das Spielen der Orgel finden wir im Zeremoniale für die Bischöfe (Nr. 40.) folgenden Hinweis, der auch für die Gottesdienste in den Pfarreien gilt:
„Gesang und Musik sollen dem Charakter der liturgischen Zeit bzw. dem Anlass entsprechend ausgewählt werden. Gemäss römischem Brauch können folgende Regelungen eingehalten werden:
Von Aschermittwoch bis zum Gloria in der Osternacht sowie in den Feiern für Verstorbene sollen Orgel und andere Instrumente nur zu Begleitung des Gesanges eingesetzt werden, ausser am Sonntag Laetare (4. Sonntag der österlichen Busszeit) sowie an Hochfesten und Festen.
Nach dem Gloria der Abendmahlsmesse des Gründonnerstags bis zum Gloria der Osternacht sollte vollständig auf Instrumentalmusik verzichtet werden, falls es sich nicht empfiehlt, Orgel und andere Musikinstrumente nur zur Begleitung des Gesangs einzusetzen.
In der Adventszeit sollen Musikinstrumente nur in dem Masse verwendet werden, wie es der freudigen Erwartung dieser Zeit entspricht, ohne jedoch die volle Weihnachtsfreude vorwegzunehmen.“
Der Verzicht auf das Orgelspiel kann mit dem Fehlen von Blumenschmuck während der Fastenzeit, dem Verhüllen von Bildern und dem Kreuz, dem Wegfallen des Halleluja-Rufes und des Glorias verglichen werden. Diese Elemente treten in der Osternacht und in der ganzen Osterzeit dann wiederum um so deutlicher in den Vordergrund. Es empfiehlt sich deshalb besonders in der Fastenzeit auf das Orgelspiel beim Ein- und Auszug zu verzichten, aber auch z. B. während der Gabenbereitung. Der Verzicht auf Glocken und Orgelspiel am Karfreitag und Karsamstag ist auch Ausdruck unserer Trauer während der „Grabes-Ruhe“ Christi.

Jürg Stuker

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