
querlesen: Geistlicher Impuls
Kirchenjahr
"Alle Festtage der Kirche sind Gedächtnistage an geschichtliche Heils-, also Befreiungstaten; sie künden konkrete Befreiung, deshalb stiftet ihre Mitfeier Freiheit, und die Festfeier bleibt unerfüllt, wenn die Feiergemeinde nicht die solidarische Sorge für die Menschen ihrer Umwelt übernimmt. Die terminlich wiederholten Feste der Kirche bezeugen die stete Gefährdung des menschlichen Daseins, auch die stete Gefährdung der Kirche selbst - sofern sie des Glaubens gebrechen kann; sie bezeugen, daß das Dasein nur dann und dort gut ist, wo eine vergangene Heilstat - das Paschamysterium Jesu Christi - in einer solchen ureigenen Betroffenheit als die eigene Befreiung übernommen wird, so dass dadurch Zukunft in Freiheit sich eröffnet. Die sich wiederholenden Feste der Kirche hören nie auf, die Christen in das entscheidende solidarische Verhalten wahrer Betroffenheit einzupflichten: mit dem Martyrer Jesus Christus für das Heil der anderen einzustehen, weil unser Schicksal in Gefährdung und möglicher Freiheit gemeinsam ist."
Angelus Albert Häussling OSB (1974)
> Artikel lesenAmen
Was sollen wir aus unsern Worten machen, aus unsern Gedanken, unsern Gebärden, unsern Blicken, wenn nicht ein jubelndes „Amen“?
„Wir können ‚Amen’ zu dem Wort sprechen, das gesagt hat: ‚Es werde Licht.’ Wir können ‚Amen’ sagen zu dem, der gesagt hat: ‚Ich bin, der ich bin.’
Durch das ‚Amen’ schliesst der Mensch sich der Wahrheit an, dem Jubelschrei des Sieges, dem Lobgesang der Glorie. Was ist der Lobgesang der Glorie, wenn nicht die Selbstbestätigung des aufleuchtenden Seins? Der Mensch muss sich in einen Jubelschrei verwandeln, er muss zu dem lebendigen Amen werden, das von der Erde zum Himmel aufsteigt. Was sollen wir aus unseren Seelen und Leibern machen, wenn nicht Stimmen, welche sprechen: ‚Amen’? Was sollen wir aus unsern Worten machen, aus unsern Gedanken, unsern Gebärden, unsern Blicken, wenn nicht ein jubelndes ‚Amen’? Das ‚Amen’ spricht zu dem, der die Fülle ist: ‚Ja, Herr.’ Wo das ‚Amen’ nicht ist, ist die Leere, die uns bedroht, der Abgrund, der uns verschlingt. …
Welch ein Wort ist doch das ‚Amen’, das gesprochen wird vor und nach dem Gebet! ‚Amen!’ Dieses Wort fasst alles zusammen, was die Kräfte der menschlichen Seele von der Herrlichkeit Gottes wünschen können. …
Über den Stimmen der Menschen ertönen noch andere Stimmen: Das ‚Amen’ der Erde begleitet das ‚Amen’ des Himmels.
‚Und alle Engel umstanden den Thron, die Greise und die vier Tiere und fielen vor dem Thron auf ihr Angesicht nieder und beteten Gott an.
Sie sprachen: Amen! Segen und Liebe, Weisheit und Danksagung, Ehre, Macht und Gewalt sei unserm Gott, in alle Ewigkeit, Amen!“
Ernest Hello, Worte Gottes. Olten und Köln 21950, 254-256
> Artikel lesenSanctus
„Etwa 25 Jahre war Jesaja alt, als er, um das Jahr 740 vor Christus, zum Propheten berufen wurde. Er schaut Jahwe selbst, über dem Tempel thronend, umgeben von seinem Hofstaat, und er vernimmt, wie dieser vor der aufzehrenden Allheiligkeit Jahwes seine Existenz rettet: die Serafim rufen einander unaufhörlich mit einer Kraft, die die Grundmauern des Tempels erbeben lässt, zu, was sie sehen und nun bekennen: Jahwe ist heilig (Jes 6,1-4). Diesen Bekenntnisruf des Hofstaates um Jahwe nimmt die Gemeinde Gottes als ihren eigenen Bekenntnisruf auf, das Prophetenbuch zitierend ..., weil mittels des Rollenzitates die Liturgiegemeinde sich selbst definiert: Sie steht jetzt an der Stelle der Serafim, der Ort ihres Gottesdienstes ist der Himmel, die Gegenwart Gottes selbst, Erde und Himmel sind geeint, und wer in der Gemeinde mitfeiert, ist nicht mehr sündiger und gottferner Mensch, er ist wie der Prophet Gott Schauender, wie die Serafim ein Gott Bekennender, er ist, als Mensch in der Zeit, den rettenden Heilstaten Gottes Gleichzeitiger und darf sich als solcher mittels des Rollenzitates, definieren – nicht in abstrakter ... Belehrung, sondern im Mitspielen einer Geschichte, die zu stiften Gott niemals mehr aufhört, solange es Menschen gibt.“
Angelus Albert Häussling (1991)
> Artikel lesenGeheimnis des Glaubens
Eucharistie: Sakrament des Gedenkens
„Gedenken heisst sich erinnern und in dem Erinnerten leben, es aufnehmen und bewahren. Aber wie soll man sich etwas in Erinnerung rufen ‚ohne es zu tun’? Wie kann man mit etwas leben, das nicht zu sehen ist, wie soll man es wahrnehmen, bewahren, ja gerade diese Erfahrung in ihrer ganzen Fülle bewahren? Christentum ist immer Bekenntnis, Annahme, Erfahrung. …
Ich habe eben gesagt, die auf Erden gefeierte Liturgie vollzieht sich im Himmel. Dabei ist entscheidend: Was im Himmel vollzogen wird, ist bereits vollzogen, existiert bereits, ist immer schon vollzogen, immer schon gegeben. Christus ist Menschen geworden, am Kreuz gestorben, in das Reich des Todes abgestiegen, er ist von den Toten auferstanden, zum Himmel aufgefahren und hat den Heiligen Geist gesandt. In der Liturgie, die uns zu feiern aufgetragen ist, ‚bis er wiederkommt’, wiederholen wir nicht noch stellen wir dar, sondern steigen empor in das Mysterium der Erlösung und des neuen Lebens, das einmal vollzogen wurden und uns ‚allezeit, jetzt, für immer, und in alle Ewigkeit’ geschenkt worden ist. In dieser himmlischen, ewigen Eucharistie einer anderen Welt steigt Christus nicht zu uns herab, wir steigen vielmehr zu ihm empor.“
Alexander Schmemann (1921-1983, russ.-orthodoxer Theologe)
> Artikel lesenSonntag
Joasch: Das Sabbatmeer?
Kerub: Da laufen alle Schöpfungstage,
einer nach dem andern ein.
Joasch: Die Schöpfungstage?
Da hinein? Ins Meer?
Kerub: Die laufen immerzu ins Meer
von Gottes Sabbatruhe ein.
Daraus entsteigt der neue dann,
der achte Tag.
Joasch: In Gottes Sabbatruhe –
Die Schöpfungstage
steigen aus dem Urgrund auf
und laufen durch die Zeiten
in den siebenten ein.
Ihm wird der achte Tag entsteigen.
Silja Walter,
Der achte Tag. Schauspiel in vier Akten
Halleluja
Auferstehungslied
Den meine Seele liebt,
der ist das Licht.
Er spricht: Ich bin
das Licht der Welt.
Wir stehn darin.
Halleluja!
Den eure Seele liebt,
der ist ja da!
Dringt ohne Ton
durch alle Nacht,
Licht in Person.
Halleluja!
Er wandelt dich,
er wandelt mich,
zieht Finsternis in sich.
Er stirbt daran,
steht auf und lebt,
sein Reich bricht an!
Halleluja!
Silja Walter (* 1919)
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Karfreitag
Gedenke, Herr, der grossen Taten, die dein Erbarmen gewirkt hat. Schütze und heilige deine Diener, für die dein Sohn Jesus Christus, sein Blut vergossen und das österliche Geheimnis eingesetzt hat … (Tagesgebet 1 am Karfreitag)
Gedenke deines Erbarmens, Jahwe, und deiner Gnade, die waltet von Anbeginn. (Ps 25,6 Jerusalemer Bibel)
Mit diesem Psalmruf Gedenke, Herr „beginnt die Kirche das erste Tagesgebet des Karfreitag. So menschlich betet die Kirche – geleitet vom Beispiel der Heiligen Schrift. Als ob Gott sein Erbarmen vergessen könnte, er, der Erbarmen und Liebe ist! Der Tag steht wie kein anderer unter dem Zeichen des Kreuzes, dem die Kirche in den Feierlichkeiten des Tages huldigt. Es ist das Zeichen gegen alle feindlichen Mächte. Es ist das Zeichen des Segens und der Heiligung. Aller Schutz und alle Heiligung haben im Kreuz ihren Ursprung.
Gross ist das Vertrauen der Betenden. Denn Christus hat für sie durch sein Blut das Paschamysterium eingesetzt. Hat er es nur durch (Leib und) Blut eingesetzt und nicht auch durch die Auferstehung? Dass nur das Blut genannt wird, hat seine Bedeutung für die Natur des Mysteriums. Es ist eine Opferhandlung, für die das Ausgiessen des Blutes charakteristisch ist. Natürlich gehört zum Paschamysterium auch die Auferstehung. Aber auch sie kommt als Heilsfolge vom Opfer des Herrn, der ‚all dieses leiden musste, um so in seine Herrlichkeit einzugehen’ (Lk 24,26). Wir sind durch Tod und Auferstehung erlöst … So hat auch das Mysterium die beiden Pole, aber der zweite kommt aus dem ersten. Insofern ist das ganze aus den beiden Polen bestehende Mysterium durch das Blut Christi eingesetzt worden.“
Josef Pascher (1893-1979)
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Allerheiligen und Allerseelen
Karl Rahner zu Lesung Offenbarung 7,2ff:
„Wir hoffen, daß wir zu diesen Besiegelten und Bezeichneten gehören, daß das Zeichen des unsichtbaren Gottes unsichtbar auf unserer Stirn steht und daß so jeder von uns durch seine eigene Weltgeschichte geht als der schon Bezeichnete und daß wenn wir auch Seher wären und wenn wir auch schon alles durchschauen könnten bis zu seinem Ende wir uns auch dort vor dem Throne des Lammes und Gottes erblicken und schon hören könnten den Lobgesang, den wir einmal anstimmen werden.
So müssen wir den Text des heutigen Tages lesen. Für uns, für jeden von uns und für die, die wir lieben, die Toten, die lebendig sind, und die Lebenden, für die Fernen und die Nahen, für die, die mit uns Christen sind, und die, deren sich Gott auch sonst erbarmt und erbarmen kann, lesen für alle: denn allen gibt Gott seine Gnade, daß sie Bezeichnete sein können.“
Karl Rahner, Das Grosse Kirchenjahr, Freiburg/Basel/Wien 1987, 525f. > Artikel lesen
Tagesgebet
HERR,
da wurde ein Gebet
gesprochen.
Ich denke,
du hast es gehört.
Gebete müssen ja doch sein.
Gebete aus Worten,
die hochsteigen
zu dir.
HERR,
man sieht sie steigen.
Kleine, schwingende
Förderkörbe
voller Menschengedanken
aus dem Schacht
herauf,
worin wir sind.
Die sind schon richtig.
Etwas muss doch aufsteigen
aus uns,
zu dir.
HERR,
es hat uns selbst
heraufgeholt,
uns selbst.
Nicht nur unsere Gedanken.
Wir liessen uns selbst fassen
und hochtragen
aus dem innern Grund,
worin es eben noch
abgeblendet
lautlos
leer zu werden begann.
Es ist schon richtig.
Etwas musste uns nun doch
heraufholen
vor dich hin.
Ins hell Bewusste,
in die Wirklichkeit
des Glaubens.
Da sind wir nun,
HERR.
Jetzt sprich du
dein Wort.
Sprich es herunter
auf uns,
durch unser Ohr,
durch unser Herz,
in unsern Kern.
Wir horchen.
Silja Walter
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Advent
„Weil Christus der Advent Gottes ist, wird auch das Sakrament seines österlichen Heilsmysteriums Advent. Jede Messfeier ist Advent, weil sich in ihr das gottmenschliche Kommen Christi vollzieht ...
Bis zur Vollendung der Zeit muss Christus angekündigt, erwartet und geboren werden. Durch alle Zeiten muss die Kirche dem Herrn den Weg bereiten ... sie muss, wie Israel, ihre eigene Hoffnung und Erwartung lebendig erhalten; sie tut es durch den kultischen Kontakt mit den heiligen Texten der Propheten, besonders in der Feier der Adventsliturgie. Noch mehr: In der Hoffnung greift die Adventsliturgie voraus und erwartet die glorreiche Wiederkunft als ein unmittelbar bevorstehendes Ereignis. …
Zwischen der Geburt des Herrn und seiner glorreichen Wiederkunft gibt es eine lange Adventszeit, die eschatologische Zeit, die das Kommen Gottes bedeutet, das immer erfüllt und zugleich öffnet ... Die vier Adventswochen sind wie ein Zeitsymbol dieser messianischen und eschatologi- schen Adventszeit ...; sie suchen den, den sie schon gefunden haben, und Gott erfüllt die Sehnsucht der Suchenden, damit sie noch eifriger suchen und den Kommenden in seiner Gnadenfülle finden und aufnehmen können.“
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