
Klarstellung und Information zur missverständlichen Presse-Meldung bzgl. der Neuübersetzung des Vaterunser
zur Kipa-Meldung vom 29.11.2007: Tessin betet Vaterunser gemäss neuer Übersetzung
zum Artikel bei kath.ch 29.11.2007: Neue "Vaterunser"-Übersetzung ab Dezember
1. Die laufende Übersetzungsrevision betrifft nicht das Vaterunser sondern sämtliche volkssprachliche liturgische Texte.
Erstmals wurden vor Jahrzehnten die liturgischen Bücher (Messbuch, die Feiern der Sakramente und des Begräbnisses, Segnungsfeiern, Stundengebet, biblische Lesungen für alle liturgischen Feiern) im Auftrag der vom II. Vatikanischen Konzil beschlossenen Liturgiereform in die jeweiligen Volkssprachen übertragen. Nach rund 30jährigem Gebrauch der offiziellen Bücher sollen nun im Auftrag der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung weltweit alle Übersetzungen revidiert werden, um der Entwicklung der jeweiligen Sprachen, aber auch einer grösseren Texttreue gegenüber dem lateinischen Referenztext Rechnung zu tragen und Übersetzungsfehler zu korrigieren. Angeordnet wurde dieser Prozess durch die Übersetzungsinstruktion "Liturgiam authenticam" von 2001 (Nr. 154; Liturgiam authenticam dt.).
2. Das Vaterunser ist Teil dieses im Gang befindlichen Revisionsprozesses, dessen Abschluss derzeit nicht absehbar ist.
Weltweit wird derzeit als erste Etappe dieses Auftrags an der Messbuchrevision und parallel dazu an der Revision der in der Messe verwendeten biblischen Texte gearbeitet.
Das Vaterunser ist insofern Teil dieser Revision, als es in zwei biblischen Versionen (Mt 6,9-13; Lk 11,2-4, original griechisch) und einer liturgischen, stark von Mt abhängigen Tradition, überliefert ist (original lateinisch). Alle werden in der Liturgie verwendet, sei es als Schriftlesungen (Mt/Lk) oder als Gebetstext (liturgische Tradition) in der Messe und anderen liturgischen Feiern. Im deutschen Sprachgebiet ist als liturgischer Gebetstext des Vaterunsers eine ökumenische Fassung in Gebrauch. - Im deutschsprachigen Kontext liegen bisher weder bzgl. des Messbuches noch der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift Zwischenergebnisse vor (Info zum Stand der Revision).
3. Erste und bisher einzige deutschsprachige Vorabpublikation zu Studienzwecken ist die "Grundordnung des Messbuchs" (bisher: "Allgemeine Einführung ins Messbuch").
Sie ist unter dem neuen, genaueren Titel "Grundordnung des römischen Messbuch" in der Reihe der Arbeitshilfen des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz erschienen (Download der Grundordnung). Sie enthält die Normen für die Feier der Eucharistie, nicht aber deren Texte. Diese Grundordnung ist nicht rechtsgültig. Vielmehr handelt es sich um eine Vorabpublikation zu Studienzwecken. Sie bedarf der Einarbeitung des sprachregionalen Eigenguts und tritt erst mit der definitiven Promulgation des künftigen (deutschsprachigen) Messbuches in Kraft.
4. Das Ave Maria ist nicht Teil der Messe; wieso es in die italienische Übersetzungsrevision einbezogen wurde, ist dem LI nicht bekannt.
5. Zu Sachstand und allfälligen Entscheidungen der italienisch- und französischsprachigen Revision kann das LI keine Stellung beziehen. Es besitzt dazu auch keine näheren Informationen.
30.11.07 LI