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Eröffnung Liturgisches Institut am 04.12.2004


Das Liturgische Institut der deutschsprachigen Schweiz ist am Samstag, den 04.12.2005 an seinem neuen Standort in Freiburg feierlich eröffnet worden. Es ist von nun an im Freiburger Haus der Salvatorianer am Impasse de la Forêt 5a untergebracht. Der Einsiedler Abt Martin Werlen, Präsident des Kuratoriums des Instituts, nahm die Segnung der Räumlichkeiten vor. Bis 2003, als
sein letzter Leiter demissionierte, hatte das
Institut seinen Sitz in Luzern.

Segnung des Liturgisches Institutes durch Abt Martin Werlen
Segnung des Liturgisches Institutes durch Abt Martin Werlen

Abt Martin Werlen betonte vor den vielen Gästen, die er am Festakt zur Eröffnung des Liturgischen Instituts im alten Freiburger Bürgerspital begrüsste, die Liturgie gewinne derzeit wieder stark an Bedeutung. Mit der Neuerrichtung des Instituts in Freiburg könne die Zusammenarbeit mit den beiden anderen Liturgischen Instituten des deutschen Sprachraums in Trier und Salzburg wieder fruchtbar werden.
Das neu formierte Liturgische Institut hat seine Tätigkeit am 1. September 2004 aufgenommen und beschäftigt eine junge Equipe. Geleitet wird das Institut vom 36-jährigen Dominikanerpater Peter Spichtig. Unterstützt wird er von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Gunda Brüske (40), dem pastoralliturgischen Mitarbeiter Jürg Stuker (34) und von Sekretär Andreas Krogmann (41). Grussworte überbrachten neben dem Leiter des Deutschen Liturgischen Instituts in Trier, Prälat Eberhard Amon, auch der Leiter des französischsprachigen Centre Romand de Pastorale Liturgique im waadtländischen Bex, Pater Jean-Claude Crivelli, und die Dekanin der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg, Barbara Hallensleben.


Bewegte Geschichte

Weihbischof Paul Vollmar, der die Liturgiekommission der Schweizer Bischofskonferenz präsidiert, erinnerte beim Festakt an die bewegte Geschichte des Instituts. Seine Gründung fällt in die Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils. Es war von der Schweizer Bischofskonferenz 1963 auf Initiative des Freiburger Liturgieprofessors Anton Hänggi an seinem Lehrstuhl errichtet worden. Nach der Wahl Hänggis zum Bischof von Basel siedelte es 1968 nach Zürich über, von wo es 2000 nach Luzern verlegt wurde. Nach der Demission des Leiters und Luzerner Liturgieprofessors Patrick Dondelinger stellte es 2003 seinen regulären Betrieb ein, nur ein reduzierter Interimsbetrieb ging weiter.
Der Umzug des Instituts nach Freiburg führte zu einer neuen Trägerschaft. Der bisherige Verein wurde aufgelöst. Als Arbeits- und Dienststelle wurde das Liturgische Institut im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz von der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz (DOK) 2004 neu errichtet. Das Institut hat die Aufgabe, die pastoralliturgische Arbeit in der deutschsprachigen und rätoromanischen Schweiz zu koordinieren und zu fördern. Zur strategischen Führung wurde ihm ein Kuratorium beigegeben, das von Abt Martin Werlen präsidiert wird.

Zusammenarbeit

Eine enge Beziehung besteht zum Freiburger Liturgie-Lehrstuhl von Professor Martin Klöckener. Das von Klöckener geleitete Institut für Liturgiewissenschaft der Universität Freiburg übernimmt die wissenschaftliche Beratung des wieder errichteten Liturgischen Instituts.
Beim Festakt leitete Martin Klöckener zu dem Teil der Veranstaltung über, der die Frage behandelte: "Zur Liturgie fähig?!" Drei Gäste versuchten, die Frage aus ihrer jeweils sehr eigenen Sicht zu beantworten. Der Religionssoziologe Alfred Dubach, Leiter des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts in St. Gallen, betonte, die Liturgie sei dem Menschen wichtig zu seiner Selbstfundierung. Sie könne den Menschen "zu sich selbst befähigen". Der moderne Mensch sei liturgiefähig – "aber zu seinen Bedingungen".

Probleme mit deutschsprachiger Reform

Die Benediktinerin und Dichterin Silja Walter aus dem Kloster Fahr bekannte, sie habe die vorkonziliare so genannte "Stille Messe" geliebt. "Ihr Latein hatte mich vor allzu viel gedanklich-wörtlichem Nachvollzug ihrer Texte dispensiert." Mit der deutschsprachigen Reform der Messliturgie sei sie in Probleme geraten. Es mache ihr Mühe, sich innerlich von einer Gebetsaussage zur andern dabeizuhalten und mitzugehen.
Sie empfinde die Liturgie oft als aufdrängend, zu abstrakt und zu dogmatisch, erklärte Silja Walter: "Während die alte lateinische Messe dem Laien eine gewisse Freiheit und Ruhe schenkte, persönlich darin zu sein in der Erfahrung des heiligen Geschehens, hat man sich jetzt mit der fast pausenlosen Abfolge von Texten - vom Einzugslied an bis zum ´Gehet hin in Frieden´ - mit gutem Willen andächtig abzufinden." Ihre auch in poetischer Form vorgetragenen Äusserungen endeten mit der kritischen Frage, ob denn die heutige Liturgie menschenfähig sei.

Die Liturgie der Film-Gemeinde

Die gestellte Frage "Zur Liturgie fähig?!" beantwortete Thomas Binotto, Chefredaktor des "forum", des Pfarrblattes der katholischen Kirche im Kanton Zürich, mit einem schlichten Ja. Der vierfache Familienvater, Nicht-Theologe und Filmkritiker zog zur Begründung einen originellen Vergleich aus der Filmwelt heran: James Bond. Seit 1962, seit "James Bond 007 jagt Dr. No", pilgern Bond-Fans ungefähr jedes zweite Jahr zur Weihnachtszeit für ein neues Abenteuer des Geheimagenten ins Kino.
Die Bond-Streifen folgen laut Binotto einem überraschend streng genormten Muster: In jedem Bond muss es eine Autoverfolgungsjagd geben, jedes Mal bestellt 007 einen Martini geschüttelt, jedes Mal flirtet er mit Miss Moneypenny und jedes Mal fällt der Satz: "Mein Name ist Bond, James Bond." Bond sei nichts weniger als die streng ritualisierte und reglementierte Liturgie der Action-Filmgemeinde. Bond-Abenteuer seien nicht spannend - und schon gar nicht abwechslungsreich: "Ihr Rezept besteht in der Wiederholung, in der Wiedererkennungsgarantie, in der Variation des ewig Gleichen."
(kipa/wm/gs)
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