
Impuls zum Evangelium

2. Advent/B
Bote
„Ich für meine Person halte dafür, dass das Geheimnis des Johannes sich bis heute in der Welt vollzieht.“ (Origenes, Homilien zum Lukasevangelium 4,6)
Er war so ein Wegebahner, Vorbereiter, Rufer, Aus-Rufer (dazu braucht es Stimme), Planierer oder - genauer gesagt - einer, der laut gerufen hat, dass jetzt endlich planiert werden solle. Es sei bitter nötig. Letzte Frist. Strassenbauer aus Passion halt.
Er war so ein Wegebahner, Vorbereiter, Rufer, Aus-Rufer (dazu braucht es Stimme), Planierer oder - genauer gesagt - einer, der laut gerufen hat, dass jetzt endlich planiert werden solle. Es sei bitter nötig. Letzte Frist. Strassenbauer aus Passion halt.
Wo?
In der Wüste.
Hat ihn denn da jemand gehört?
Es wird erzählt, ganz Judäa und Jerusalem wären dem Aufruf zum Strassenbau gefolgt (hatte sich rumgesprochen, weil so laut kann dann doch keiner schreien). Irgendwie muß das Projekt „Wege im Wüstenland“ die Menschen fasziniert haben. Obwohl: Letzlich ist es nicht gut ausgegangen für unseren Strassenbauer.
Eben: Strassenbau in der Wüste!
Nein, nein, daran lag es nicht, eher daran, dass er einigen Leuten, die für sich in Anspruch nahmen alle Fäden der Verkehrsplanung in Händen zu halten, ziemlich auf die Füsse gestiegen ist. Aber dieses schlimme Ende kam erst einige Zeit später.
Für wen und wozu sollten diese Strassen in der Wüste eigentlich gebaut werden? Ist doch schon ein wenig seltsam, oder?
Für einen gewissen „Herrn“.
Und wer soll das nun wieder sein?
Na ja, richtig rauszukriegen war das nicht. Er sprach immer von einem, der nach ihm kommt und stärker sei als er und dass er sogar unwürdig sei, an ihm Sklavendienst zu tun. Manchmal nannte er ihn auch einfach den Kommenden. Da wurde er feierlich. (Als er später tatsächlich einen als den Kommenden identifiziert hat und dann wieder unsicher wurde, hat er eine ganze Delegation geschickt - er selbst sass damals schon im Gefängnis - und gefragt: Bist du der Kommende oder müssen wir auf einen anderen warten?) Auf diesen Strassen in der Wüste sollte also der Kommende ankommen. Woher weiß man eigentlich auch nicht so ganz genau. Aber dieser Kommende sei ganz nah. Man müsse sich deshalb ungeheuer beeilen mit dem Strassenbau in der Wüste.
Also eigentlich war es sogar so, dass unser Strassenbauer gar nicht zuerst Strassenbauer war, sondern der Bote dieses Kommenden. Das mit dem Strassenbau sollte die Menschen nur in Bewegung bringen auf diesen Kommenden zu. Irgendwie hat er es geschafft, dass sich die Gedanken und Gefühle vieler Menschen auf diesen geheimnisvollen Kommenden konzentrierten. Denn in diesem Kommenden läge die Zukunft und hier allein. Das weckte Sehnsüchte, aber auch Ängste. Denn diese Zukunft des Kommenden wäre nicht irgendeine, sondern in ihr läge das Mass der Gegenwart. Viele haben damals verstanden, dass bei ihnen dann doch nicht alles in Ordnung ist, dass nicht nur aussen Wege geebnet werden müssten, sondern vor allem innen, im eigenen Herzen. Deshalb musste, wer zum Projekt „Wege im Wüstenland“ gehören wollte, auch so ein Ritual über sich ergehen lassen. Unser Strassenbauer tauchte ihn einmal im Jordan unter, wie als ob das Alte stirbt beim Untertauchen und man hinterher ganz neu in die Welt schaut. Zumindest haben das einige behauptet, die bei ihm mitgemacht haben.
Und? Ist er gekommen der Kommende?
Na ja, wie gesagt, von einem hat er es behauptet, von dem hat er dann auch gesagt, er müsse eigentlich von ihm untergetaucht werden und er sei das Lamm Gottes - was immer das heissen mag - und irgendetwas war da mit dem Himmel. Aber das habe ich nicht so recht verstanden. War jedenfalls eine ziemlich unscheinbare Gestalt, gegenüber dem, was der Strassenbauer mit grossen Worten angekündigt hatte. Es scheint ihn dann ja auch selber irritiert zu habe. --
Das Projekt „Wege im Wüstenland“ ist übrigens weitergegangen, auch nach dem Tod unseres Wegebauers. Immer wieder beginnen Menschen seitdem in der Wüste ihres Herzens dem Kommenden die Wege zu ebnen. Und immer wieder behaupten auch welche, dass sie dann etwas vom Licht dieses Kommenden spüren. Man munkelt, im Dezember nähmen solche Aktivitäten deutlich zu.
In der Wüste.
Hat ihn denn da jemand gehört?
Es wird erzählt, ganz Judäa und Jerusalem wären dem Aufruf zum Strassenbau gefolgt (hatte sich rumgesprochen, weil so laut kann dann doch keiner schreien). Irgendwie muß das Projekt „Wege im Wüstenland“ die Menschen fasziniert haben. Obwohl: Letzlich ist es nicht gut ausgegangen für unseren Strassenbauer.
Eben: Strassenbau in der Wüste!
Nein, nein, daran lag es nicht, eher daran, dass er einigen Leuten, die für sich in Anspruch nahmen alle Fäden der Verkehrsplanung in Händen zu halten, ziemlich auf die Füsse gestiegen ist. Aber dieses schlimme Ende kam erst einige Zeit später.
Für wen und wozu sollten diese Strassen in der Wüste eigentlich gebaut werden? Ist doch schon ein wenig seltsam, oder?
Für einen gewissen „Herrn“.
Und wer soll das nun wieder sein?
Na ja, richtig rauszukriegen war das nicht. Er sprach immer von einem, der nach ihm kommt und stärker sei als er und dass er sogar unwürdig sei, an ihm Sklavendienst zu tun. Manchmal nannte er ihn auch einfach den Kommenden. Da wurde er feierlich. (Als er später tatsächlich einen als den Kommenden identifiziert hat und dann wieder unsicher wurde, hat er eine ganze Delegation geschickt - er selbst sass damals schon im Gefängnis - und gefragt: Bist du der Kommende oder müssen wir auf einen anderen warten?) Auf diesen Strassen in der Wüste sollte also der Kommende ankommen. Woher weiß man eigentlich auch nicht so ganz genau. Aber dieser Kommende sei ganz nah. Man müsse sich deshalb ungeheuer beeilen mit dem Strassenbau in der Wüste.
Also eigentlich war es sogar so, dass unser Strassenbauer gar nicht zuerst Strassenbauer war, sondern der Bote dieses Kommenden. Das mit dem Strassenbau sollte die Menschen nur in Bewegung bringen auf diesen Kommenden zu. Irgendwie hat er es geschafft, dass sich die Gedanken und Gefühle vieler Menschen auf diesen geheimnisvollen Kommenden konzentrierten. Denn in diesem Kommenden läge die Zukunft und hier allein. Das weckte Sehnsüchte, aber auch Ängste. Denn diese Zukunft des Kommenden wäre nicht irgendeine, sondern in ihr läge das Mass der Gegenwart. Viele haben damals verstanden, dass bei ihnen dann doch nicht alles in Ordnung ist, dass nicht nur aussen Wege geebnet werden müssten, sondern vor allem innen, im eigenen Herzen. Deshalb musste, wer zum Projekt „Wege im Wüstenland“ gehören wollte, auch so ein Ritual über sich ergehen lassen. Unser Strassenbauer tauchte ihn einmal im Jordan unter, wie als ob das Alte stirbt beim Untertauchen und man hinterher ganz neu in die Welt schaut. Zumindest haben das einige behauptet, die bei ihm mitgemacht haben.
Und? Ist er gekommen der Kommende?
Na ja, wie gesagt, von einem hat er es behauptet, von dem hat er dann auch gesagt, er müsse eigentlich von ihm untergetaucht werden und er sei das Lamm Gottes - was immer das heissen mag - und irgendetwas war da mit dem Himmel. Aber das habe ich nicht so recht verstanden. War jedenfalls eine ziemlich unscheinbare Gestalt, gegenüber dem, was der Strassenbauer mit grossen Worten angekündigt hatte. Es scheint ihn dann ja auch selber irritiert zu habe. --
Das Projekt „Wege im Wüstenland“ ist übrigens weitergegangen, auch nach dem Tod unseres Wegebauers. Immer wieder beginnen Menschen seitdem in der Wüste ihres Herzens dem Kommenden die Wege zu ebnen. Und immer wieder behaupten auch welche, dass sie dann etwas vom Licht dieses Kommenden spüren. Man munkelt, im Dezember nähmen solche Aktivitäten deutlich zu.
Martin Brüske