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Johannes der Täufer
Impuls zum Evangelium
3. Advent/B


Neinsager

"Und aus eurem eigenen Sprechen wisst ihr, dass zuerst die Stimme ertönt, damit anschliessend das Wort gehört werden kann." (Gregor der Grosse, Evangelienhomilien 7,2) 
 
Dieser Zeuge ist ein Neinsager: "nicht der Messias", nicht, nein. Nicht Elija und auch nicht der Prophet. Das alles ist er nicht. Denn sie fragen ihn, wer er ist. Aber er will nicht von sich reden. Er ist kein Selbstzeuge.
 
Als Zeuge weist er auf einen anderen. Er weist von sich weg. Der Zeuge will ganz und gar Zeige sein. Er zeigt mit seiner ganzen Existenz. Er gestikuliert mit seiner ganzen Existenz (so hat Kierkegaard das einmal gesagt), um auf einen anderen zu zeigen. Wie der Täufer unter dem Kreuz bei Matthias Grünewald. Der scheint sich ganz und gar in diese Geste hineingelegt zu haben, in den überlangen Finger: Ecce agnus dei - siehe, das Lamm Gottes. Das Lamm Gottes ist zu ihm zur Taufe gekommen. Wenn sie ihn am Kreuz umbringen, beim Schlachten der Lämmer, dann hat sich das erfüllt, was angefangen hat, als der Kommende zur Taufe kam.

Mit dem "Nein" also weist er von sich weg. Er öffnet eine Differenz. Die Wirklichkeit verschliesst sich nicht in sich selbst. Er weist ins Offene. Auf wen oder was? Auf einen der kommt.

Dessen Stimme ist er. Stimme in der Wüste. Stimme des Wortes. Stimme des Wortes, das bleibt. Denn es ist das Wort Gottes. Gottes letztes Wort. Letztes Wort: So viel kann man sagen. Denn alles ist so schwierig, so unerträglich geworden, dass Gott nur noch ein letztes Wort sagen kann, wenn er erneut redet. Die Stimme nimmt ab, das Wort, das kommt, soll wachsen.

Was Johannes tut am Jordan, ist spektukalär. Die Prophetie war verschwunden aus Israel. Jetzt ist sie wieder da. Ist er also der letzte Prophet, der neue Moses, mit seinem Gotteswissen von Angesicht zu Angesicht? Deshalb fragen sie ihn, wer er ist, ob er Elija oder der Prophet ist. Was er tut, ist spektakulär, aber es ist kein Spektakel - auch kein religiöses. Wo man sich unter Erregung religiöser Gefühle in sich selbst verschliesst. Johannes weist ins Offene. Das muss man aushalten. Ende aller Sicherheiten. Selbst ein Kind Abrahams zu sein, ist keine mehr.

Weiss Johannes Bescheid? Nein, er weiss nur, dass in dem, der kommt der Gott Israels kommt oder eigentlich ER selbst kommt. Denn das ist sein Name: der war, und der ist und der kommt. (So hat Israel den Namen aller Namen damals ausgelegt, so tut es auch der andere Johannes, der Seher von Patmos.) Auch er ist in die Offenheit hineingehalten. Auch er muss das aushalten.

Aber in solchen Zeugen, die mit ihrer ganzen Existenz auf den Kommenden zeigen, wird die Wirklichkeit transparent. Transparent auf ihre Zukunft. Denn wenn der Gott Israels sich offenbart, dann öffnet sich Zukunft. Das war von Anfang an so. Das Wort, das Abram traf, war Weisung und Verheissung. Öffnung von Zukunft. Zukunft, die letztlich Gott selbst ist. Gott als der Kommende - der war, der ist und der kommt - ist Gott als Zukunft. Paulus kann sagen: Das Ende der Zeiten ist zu euch gekommen. Verrückt? Gott ist gekommen in seinem fleischgewordenen Wort. Die Zukunft hat bereits begonnen. Sie hat die Gegenwart berührt, als Gottes Wort Fleisch wurde. Johannes sah die Zukunft Gottes auf sich zukommen, als er Jesus als das Lamm Gottes erkannte. Denn so sollte Gottes Zukunft zum Durchbruch kommen. Der Advent übt in diese Erkenntnis des Johannes ein. Neue Zeugen braucht das Land.
 
Martin Brüske
 
Liturgische Texte des 3. Adventssonntags B
 
Auslegung der alttestamentlichen Lesung (Jes 61,1–2a.10–11) von Dieter Bauer
 
Impuls zum 1. Advent/B
Impuls zum 2. Advent/B
Impuls zum 4. Advent/B
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